Mit „Wonder Man“ hat der Marvel-Chief Creative Officer Kevin Feige zusammen Destin Daniel Cretton (Creator) und Andrew Guest (Showrunner) eine Serie lanciert, die eine Mischung aus dezenter Comedy, Dramödie und Superhelden-Geschichte ist. Ironie und Selbstbespiegelung der Filmindustrie sind Teile eines Subtextes in der achtteiligen Miniserie, die sich frech die Freiheit nimmt, das Genre als „Superhelden-Opiat aus Hollywood“ auf die Schippe zu nehmen.
„Wonder Man“ ist kein By the Way-Produkt der MARVEL-Studios, sondern offizieller Teil der Phase 6 des Marvel Cinematic Universe (MCU). Nach einigen Flops und ordentlichen Comebacks in den letzten Filmen findet MARVEL mit einer Serie und einem überragenden Cast (mit Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley in den Hauptrollen) den Weg zurück zu einem intelligenten Storytelling. Nämlich einer Geschichte, die den Zuschauer nicht mit überdrehten Multiversen überrollt, sondern zeigt, dass Humor, Ironie und allzu menschliche Eigenschaften der Figuren davon erzählen können, dass Superhelden auch nur Menschen sind. Ein Volltreffer.
Allerdings ist die Serie gelegentlich etwas kompliziert. Aber nicht am Anfang. Der junge Simon Williams (Kameron J. Meadows) sitzt mit seinem Vater (Béchir Sylvain) im Kino und starrt wie gebannt auf die Leinwand. Die Bilder zeigen, womit er es zu tun hat: mit Superhelden-Kino. Simon ist hingerissen, auch wenn der Film „Wonder Man“ wie ein billiger Schrottfilm aus den 1950er-Jahren aussieht. Superhelden können nur deshalb fliegen, weil sie riesengroße Jet-Packs auf dem Rücken tragen, aber Simon ist das egal. Seine Faszination ist der Beginn einer Liebe zum Kino, die nicht mehr verschwinden wird.
Hoffnungslos gescheitert aus Liebe zum Kino
Zwei Dekaden später ist Simon Williams (Yahya Abdul-Mateen II) ein gescheiterter Schauspieler, der nur unwichtige Nebenrollen spielt. In der Serie „American Horror Story“ soll er einen einzigen Satz aufsagen, der so unbedeutend ist, dass er jederzeit aus dem Final Cut verschwinden könnte, ohne vermisst zu werden. Ein Take-the-Money-and-Go-Job. Am Set denkt sich Simon für seine Figur trotzdem eine Backstory aus, vertieft sie psychologisch und gibt ihr eine grandiose Bedeutung. Er nervt und nervt – die Liebe zum Kino zwingt ihn dazu - und er wird gefeuert.
Ein klarer Fall von Method Acting. Ein Schauspieler versetzt sich so tief in seine Rolle und deren Backstory, dass er glaubt, die Person zu sein, die er verkörpert. In jeder Figur verbirgt sich etwas Besonderes, glaubt der introvertierte Simon. Im wirklichen Leben ist ein einsamer Mensch, vergrübelt, unsicher und ängstlich, gelegentlich sogar paranoid. Ein Mann, der keine Freunde hat, weil er sich nicht öffnen kann. Kein Wunder, denn er kämpft mit mysteriösen Kräften, die er nicht kontrollieren kann.
Nach diesem Flop trifft Simon den alternden Schauspieler Trevor Slattery (mit schulterlangem Haar grandios gespielt von Ben Kingsley), mit dem er über die Studios, die grausamen Regeln des Castings und den fehlenden Respekt von Produzenten lästern kann. Die Studiobosse: allesamt Ignoranten sind, weil sie Bedeutung von Nebenrollen nicht erkennen.
Dem erfahrene Slattery ist Method Acting aber egal, erst recht die Subtexte, nach denen Simon immer wieder in den Skripts sucht. „Spiel einfach“, sagt Simons neuer Mentor. Alles nur ein Job, mit dem man Geld verdient.
Ganz so cool ist Slattery aber nicht mehr, als er am Casting eines neuen Films des oscar-premierten Arthouse Direktors Von Kovak (Zlatko Buric´) teilnehmen darf. Der will ein Remake von „Wonder Man“ drehen, um das Gute und das Schlechte dieses Genres aufzudecken. Mit einem Trick wird Simon in die Casting-Liste geschmuggelt. Die Titelrolle des Helden seiner Kindheit ist sein größter Traum.
Eine Geschichte von Freundschaft und Verrat
In den ersten drei Episoden (mit 26-36 Minuten überraschend kurz) agiert die Serie mit ihren bissigen Dialogen auf Augenhöhe mit Seth Rogens „The Studio“. Wobei „The Studio“ metaphorisch an die Entscheider auf der Brücke der Enterprise erinnert, während sich „Wonder Man“ in den Lower Decks herumtreibt, also bei den Komparsen, den Nebendarstellern, die keiner kennt, und den hoffnungslosen Fällen, die vom Kino träumen, aber nie vor der Kamera stehen werden. Auf der einen Seite die Produzenten, auf der anderen die Namenlosen. Diese kritisch-ironische Selbstbespiegelung der Film- und Serienbranche ist zunächst das Thema der Serie. Ein Thema, das nicht subtil, sondern mit absurder Komik und schrägen Figuren auf die Schippe genommen wird.
Eine Überkonstruktion des Plots, die von einigen Filmtheoretiker als Post-Mortem-Effekt eines ausgeleierten Genres bezeichnet wird, kann man den ersten drei Episoden der MARVEL-Serien nicht vorwerfen. Nach den letzten MARVEL-Filmen ist das überraschend, denn plötzlich steht statt wüster Action eine überragende Charakterentwickung der Leading Actors im Mittelpunkt.
Trotzdem wird es etwas komplizierter, denn Trevor Slattery steht auf der Lohnliste des Department of Damage Control (DODC), eine Untereinheit von S.H.I.E.L.D., die gezielt Menschen mit Superkräften verfolgt. Und dazu gehört auch Simon Williams. Und da wir uns in der MCU-Welt befinden, sind die Ereignisse aus den MARVEL-Filmen „Iron Man 3“ und „Shang-Chi and the Legend oft the Ten Rings“ keine Filme im Film, sondern real. Slattery ist jener Schauspieler, der von einer Terrororganisation angeheuert wurde, um als Mandarin den tatsächlichen Schurken zu covern. Nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Knast setzt ihm der DOCD-Agent P. Cleary (Arian Moayed) aber die Pistole auf die Brust. Slattery soll Informationen über Simon Williams zusammentragen, die seinen neuen Freund als gefährlichen Mann mit Superkräften entlarven, anderenfalls muss der Rest der Strafe abgesessen werden.
Das erinnert an die Verfolgung der X-Men, die demnächst bei MARVEL erneut auftauchen werden. Wie das Doorman-Gesetz, das DOCD gnadenlos umsetzt, entstand, erfährt man in der 4. und komplett in Schwarz-Weiß gedrehten Episode „Doorman“ (Türsteher): Während der Dreharbeiten zu einem Film versagten die Kräfte eines Superhelden. Danach durften Menschen mit besonderen Kräfte nicht mehr für die Unterhaltungsindustrie arbeiten. Eine Stand-Alone-Episode, die mit der Haupthandlung nichts zu tun hat, aber mit einer schrägen Rise and Fall-Story vom Absturz eines Superhelden erzählt.
Für Trevor Slattery beginnt nun eine tragische Geschichte über Freundschaft und Verrat. Die letzten vier Episoden büßen dabei etwas von der anfänglichen Tonalität ein, forcieren aber das Pacing der zuvor sehr dialoghaltigen Episoden. Die zweite Hälfte besteht aus bodenständigen, aber auch skurrilen Kurzgeschichten, in denen Trevor den DOCD-Agenten hinhalten will, um seinen neuen Freund nicht ans Messer zu liefern.
Simon will verhindern, dass seine unkontrollierten Wutausbrüche nicht aufgedeckt werden. Natürlich klappt dies nicht, als die beiden Freunde von Dealern überfallen werden, weil Trevor ihnen ein größere Summe schuldet. Wenig später fliegen die Dealer meterhoch durch die Luft, was leider von einem Jugendlichen gefilmt wird. Simon und Trevor müssen nun das Tape in die Hand bekommen. Eine Episode, die man als Action Comedy konsumieren kann.
Nicht alle Episoden der zweiten Staffelhälfte sind halt originell, profitieren aber vom facettenreichen Spiel des mittlerweile 82-jährigen Ben Kingsley. Dass Abdul-Mateen II nicht immer mithalten kann, liegt nicht am Darsteller, sondern am depressiven Grundton seiner Rolle.
Gelobt werden muss ausdrücklich die deutschsprachige Synchronisation. Marios Gavrilis gibt der Figur ein tolle Gravitas, die andeutet, dass in dem an sich zweifelnden Superhelden merkt steckt als er selbst glaubt.
Am Ende bekommen Simon und Trevor die Rollen in Von Kovaks Remake von „Wonder Man“, müssen aber ein durchgeknalltes Callback bestehen, in dem der Regisseur verlangt, dass der verschlossene Simon seine wahren Emotionen authentisch für die Gestaltung der Rolle nutzt. Dank Trevors klugen Ratschlägen gelingt dies, obwohl Von Kovaks etwas wirres Casting sehr klug auf die innere Verfasstheit der Kandidaten zielt. Simon scheitert zunächst, bekommt dann aber die Hauptrolle als Wonder Man.
Das Problem: Simon Williams IST Wonder Man! Nur weiß er dies nicht und versucht krampfartig seine Superkräfte zu unterdrücken, was nicht immer gelingt und dann zu scheußlichen Explosionen führt. Und nur Trevor weiß, wer Simon tatsächlich ist.
S1E6 „Callback“ ist also kein wirrer Lückenfüller, sondern eine Hommage an jene Regisseure, die am Mainstream vorbei agieren. Etwas Method Acting gehört dazu. Showrunner Andrew Guest wollte mit Von Kovak eine Figur entwickeln, die eine Mischung aus den Regisseuren Werner Herzog, Krzysztof Kieslowski, Paul Thomas Anderson und Christopher Nolan ist. Sehr ambitioniert. Im Film sieht der kauzige Zlatko Buric´ aber eher aus wie Christopher Lloyd in „Zurück in die Zukunft“.
Vorsicht! DODC ist unterwegs!
Kleine und große Seitenhiebe, die ausgeteilt werden, um die Marotten und Absurditäten der Filmbranche aufs Korn zu nehmen, gehen in der actionreicheren zweiten Hälfte der Serie nicht ganz verloren. Sie werden mit pointierter Komik erzählt, ohne ihm Grotesken zu landen.
Auch die Filmjournalisten bekommen ihr Fett weg. Vor einem Interview mit der berühmt-berüchtigte Kathy Friedman (Lauren Weedmans Figur ist eine Anspielung auf Pauline Kael) hat Simon große Angst vor der Starjournalistin der New York Times. Am Ende verschwindet aber Trevor vor Wut tobend den Raum. Das Doppelspiel von Simon und Trevor fliegt nämlich auf, als Friedman entdeckt, dass Slattery einen Deal mit DOCD hat. Slattery muss danach wieder in die Rolle des Mandarin schlüpfen, um Simons Identität zu retten. Und die Freundschaft der beiden. Danach landet er in einem Hochsicherheitsgefängnis.
Ohne das Ende zu spoilern, darf etwas angekündigt werden: es ist genau das, was man von einem Superhelden erwartet: mutig, kämpferisch, aber auch emotional und kathartisch und daher kaum überraschend. „Wonder Man“ endet also wie erwartet, aber auf eine Weise, die so überzeugend ist, dass man vor Destin Daniel Cretton und Andrew Guest den Hut ziehen muss. Gut gemacht!
Nicht alles ist in „Wonder Man“ auf Anhieb zu verstehen. Die Serie hat viele Anspielungen im Köcher, die für MCU-Nerds spannend sind. Zuschauer ohne MARVEL-Know-how werden trotzdem ihren Spaß haben. Auch mit den Seitenhieben, die in MARVEL-Filmen vor der großen Disneyfizierung immer zum Plot gehörten.
Dazu gehört auch die Darstellung des Department of Damage Control (DODC), eine Untereinheit von S.H.I.E.L.D., die zuvor in vielen MARVEL-Filmen kurz auftauchte. Verblüffend ist, dass die DODC-Agenten in „Wonder Man“ so auftreten als seien sie ICE-Agenten. Dabei haben sich die Bosse von Disney längst den Vorgaben der MAGA-Philosophie unterworfen. Sie sicherten zu, weniger Serie und Filme über Diversity, Equity und Inclusion, bekannt als DEI-Richtlinie, zu produzieren. Offenbar ist das noch nicht überall angekommen. Aber in Diktaturen gelingt es Künstlern, Autoren und Produzenten immer wieder, mit Chuzpe und Cleverness eine fragwürdige politische Agenda zu unterlaufen.
Credits
Wonder Man – USA 2026 – Produktion: MARVEL Television – Creator: Dustin Daniel Cretton – Showrunner: Andrew Guest – Regie: Dustin Daniel Cretton, James Ponsoldt, Tiffany Johnson, Stella Maghie – Drehbuch: Andrew Guest u.a. – 8 Episoden (Miniserie) – Laufzeit: 26-26 Minuten – Streaming: Disney+ - D.: Ben Kingsley, Yahya Abdul-Mateen II, Zlatko Buric´, Arian Moayed, DeMarr Davis als “Doorman”, Joe Pantoliano als Joe Pantoliano, Josh Gad als Josh Gad, Ashley Greene als Ashley Greene, Mario Lopez als Mario Lopez.
Note
BigDoc = 2
Postskriptum
Metalepse und Metafiktion – Warnung! Es wird komplex!
Für alle, die mehr über die versteckten Themen, die Gimmicks und Subtexte und alles Mögliche erfahren wollen, gibt es an dieser Stelle einen Nachschlag.
Kulturell haben wir eine interessante Herangehensweise, wenn wir einer fiktiven Geschichte folgen. Wir tun aber so, als wäre sie real, wissen aber, dass dies nicht stimmt. Würde diese simultane Doppeldeutung nicht funktionieren, dann gäbe es im Kino keine großen Emotionen! Vermutlich ist die Rezeption von fiktiven Geschichte die zweitwichtigste Errungenschaft der menschlichen Zivilisation. Die wichtigste ist das Erfinden derartiger Geschichten. Die drittwichtigste ist die Entdeckung von Kohlenstoffdioxid, das einerseits real ist, über das aber auch fiktive Geschichten erzählt werden.
Es gibt also die Realität und die Fiktion (Erzählebene 1). Entsteht in der Fiktion eine weitere Fiktion (Erzählebene 2), dann wirkt das wie ein Brecht’scher Verfremdungseffekt (Brecht wollte im Theater keine Emotionen, sondern kritische Erkenntnis), denn Leser/Zuschauer etc. würden das Gemachte, das Künstliche der Fiktion erkennen. Das soll in einer fiktiven Geschichte aber vorübergehend verdrängt werden. Dafür gibt es den Begriff Metafiktion.
In „Wonder Man“ dreht es sich nicht nur um einen Superhelden, sondern auch um den Schauspieler, der Wonder Man spielt. Ein weiteres Beispiel: Metafiktion ist charakteristisch für eine Erzählung, wenn der Autor eines Romans höchstpersönlich als (fiktive) Figur in seinem Roman auftritt und in die Handlung eingreift. Spike Jonze erzählt in „Adaption“ die Geschichte des Drehbuchautors Charlie Kaufman. Wobei der echte Charlie Kaufman das Drehbuch für „Adaption“ höchstpersönlich geschrieben hat. Die Erzählebene 2 ist häufig skurril. Noch ein Beispiel: Metafiktion ist eine Erzählung dann, wenn der Autor eines Romans höchstpersönlich als (fiktive) Figur in seinem Roman auftritt und in die Handlung eingreift. Spike Jonze erzählt in „Adaption“ die Geschichte des Drehbuchautors Charlie Kaufman. Wobei der echte Charlie Kaufman das Drehbuch für „Adaption“ höchstpersönlich geschrieben hat.
Metafiktion durchbricht die Struktur einer Geschichte, die Fiktion wird seiner selbst bewusst. Self-conscious fiction heißt dies im englischen Sprachraum. Die Metalepse dagegen die Selbstwahrnehmung der Figuren. Würden wir in einer Matrix leben, dann würden wir glauben, in der Realität zu leben. Tatsächlich befinden wir uns in der Erzählebene 1, was wir aber nicht wissen, es sei denn, wir finden es dank Neo heraus – dann sind wir Akteure einer Metalepse, weil wir wissen, dass wir fiktiv sind. Zumindest in der Matrix.
Wenn in Woody Allens „The Purple Rose of Cairo“ die Hauptfigur die Leinwand verlässt und in den Kinosaal tritt, dann geschieht dies, weil sie weiß, was sie ist. Das beste Beispiel ist in Star Trek: The Next Generation die Episode „Ship in a Bottle“, in der Prof. Moriarty weiß, dass er fiktiv ist und unbedingt in die reale Welt will. Zum Glück sprechen die „Erzähler“, jene, die die Holodeck-Geschichte programmiert haben, mit den fiktiven Figuren, wenn diese entdeckt haben, dass sie nicht real sind. Das ist nur fair.
Ich habe beide Begriffe auch in den Rezensionen über „Tropic Thunder“ und „Stranger Than Fiction“ ausgiebig erklärt.
Aber das ist nicht alles: Wenn ein realer Schauspieler einen fiktiven Schauspieler spielt und der herausfindet, dass der Charakter seiner Rolle (Erzählebene 2) besser ist als sein eigener, dann verwandelt er sich in der Erzählebene 1 in seine Rolle. In „Galaxy Quest“ spielt Alan Rickman den Schauspieler Alexander Dane und der spielt die von ihm verachtete fiktive Figur des Dr. Lazarus, bis er erkennt, dass die Figur ihm charakterlich überlegen ist. Danach wird er in der Erzählebene 1 Dr. Lazarus – das ist eine umgekehrte narrative Metalepse!
In „Wonder Man“ entscheidet sich Trevor Slattery dafür, erneut der Mandarin zu sein, der erneut den USA den Krieg erklärt und die Schuld für eine von Wonder Man aka Simon Wiliams verursachte Explosion zu übernehmen.
Alles paletti?
Das muss man nicht alles wissen, es sei denn, man erfährt, dass die Produzenten von „Wonder Man“ tatsächlich Meta im Sinn hatten. Und genau das hatten sie. Executive Producer Brad Winderbaum erklärte dies so: „Was die Meta-Ebene betrifft – ohne ins Detail zu gehen – ist es eine Serie, die innerhalb des MCU spielt, aber es ist eine Geschichte über Hollywood. Und es ist nicht nur eine Geschichte über Hollywood, sondern, würde ich sagen, eine Geschichte über die Schauspielerei und den Weg eines Schauspielers in Hollywood – darüber, wie man die Balance finden muss zwischen Künstlersein und Geldverdienen sowie sehr bodenständigen Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann, der in Hollywood oder allgemein in der Kunstszene groß geworden ist. Ich jedenfalls konnte das auf einer sehr tiefen Ebene.“
Winderbaums Definition streift immerhin die Sache mit den Metaebenen. Merken muss man sich also, dass es richtig spannend und kompliziert wird, wenn es drei Erzählebenen gibt. wenn der Schauspieler John Gad sich in „Wonder Man“ nicht nur selbst spielt, sondern auch einen Bankräuber in einem Film. Ähnlich agiert auch der reale Joe Pantoliano, wenn er als fiktiver Joe Pantoliano den fiktiven Barnaby spielen soll, die Rolle, die ursprünglich Trevor Slattery übernehmen sollte.
Auch ohne 20 Semester Literatur- oder Filmwissenschaft absolviert zu haben, ist „Wonder Man“ dank dieser originellen Plot Twists witzig, hinterlistig und voll mit schrägem Humor. Jenem Humor, den man intuitiv versteht, ohne anschließend einen Essay darüber schreiben zu können. Immerhin ist „Wonder Man“ ein kanonisierter Teil des Marvel Cinematic Universe (MCU), das mit seinen Multiversen längst alle Versuche des logischen Verstehens mit einem breiten Grinsen unterläuft und man dabei man sowohl metaleptisch als auch metafiktional ins Schleudern kommt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte!