Freitag, 13. März 2026

Starfleet Academy: Ist Star Trek am Ende? Nein.

In der langen Geschichte des Franchise habe ich noch nie so wütende Reaktionen in den Social Media erlebt. Selbst die heftigen Debatten um „Discovery“ waren handzahm im Vergleich zu den aus dem Boden schießenden Podcasts, die sogar das Ende von Star Trek ankündigen. Der negative Hype um „Star Trek: Starfleet Academy“ hat seinen Höhepunkt aber noch nicht erreicht, denn nun muss die Web-Community noch das Ende verarbeiten. Oder verkraften? 

Ein Ende wird es aber nicht geben. Vielmehr wird „Academy“ noch eine weitere Staffel bekommen (mehr als zwei Staffeln sind nicht geplant), bevor die Serie in der Versenkung verschwindet. Diskutiert wird dann nicht mehr, die Serie wird wie „Star Trek: Section 31“ einfach aus dem Gedächtnis gelöscht. Wird aber alles in einer neuen Serie noch schlimmer, dann wird garantiert gejammert: „So schlecht war nicht mal Academy!“

Der Wunsch der Altfans: Exploring the human condition!

Der Begriff „Altfans“ erscheint mir angemessen zu sein. Denn sie bilden die Zielgruppe, die von den Anhängern der neuen Serie als irrelevant in die Ecke gestellt wird. Das schließt Trekkies genauso ein wie Fans der klassischen Serien. Altfans, so die Reaktion auf diese beharrlichen Kritiker, verbreiten toxische Kritik und stemmen sich dem unvermeidlichen frischen Wind entgegen, der mit „Academy“ einer jungen Zielgruppe Star Trek schmackhaft machen will. Anders formuliert: Altfans sind ein Auslaufmodell, die ökonomischen Gründe erörterte Reinhard Prahl in seiner Kolumne auf Planet Trek erörterte. Das Problem sei auf "eine schleichend, aber spürbar einsetzende Überalterung des Publikums zurückzuführen."

Toxische Altfans regen sich über Unwichtiges auf, heißt es. Zum Beispiel über den frisch-fröhlichen Jugendjargon der Serie. Gut, zu dieser Gruppe gehöre ich auch. „Spannend wird das Ganze, wenn nicht junge Autoren die Drehbücher schreiben, sondern ältere, die glauben zu wissen wie jüngere schreiben würden“ schrieb ich im Januar. Ist das toxisch? Nö!
Stattdessen kritisierte ich Kritiker, die sich weigerten zu kritisieren. Ich vertrat auch die Meinung, dass die Serie noch nicht ganz verloren sei, obwohl sie zwanghaft lustig sein will, dabei aber keine Balance zwischen lustig und ernst findet. Ich mahnte Geduld an, weil ich es generell für unprofessionell halte, eine Serie an den ersten Episoden zu messen. „Noch ist nichts verloren“ titelte ich verhalten optimistisch.

Ich hatte mich geirrt. Tatsächlich wurde es abgesehen von einigen guten Plot-Ideen eben nicht besser. Was Star Trek für mich und andere Altfans ist, erörterte ich daher in einer zugegeben sehr langen Nachlese über „The Next Generation“. Natürlich, weil TNG nicht nur aus meiner Sicht aus meiner Sicht Maßstäbe gesetzt hatte, die man auch heute noch umsetzen kann, ohne sich lächerlich zu machen. „The Orville“ zeigte dies bravourös. Und wer in diesem Beitrag das Zitat von Michael Piller gelesen hat, weiß danach, was Star Trek war und sein sollte: „Exploring the human condition.“ Ja, Piller war ein Macher, der Star Trek liebte und damit ein humanistisches Arbeitsethos vertrat. 

Wer nun „Academy“ verteidigt, kann versuchen, der Serie diese Reflexion des Menschseins unterzujubeln. Was keineswegs absurd ist, denn die Writer hatten auch gute Plot-Ideen. Gab es nicht das clevere Täuschungsmanöver in S1E4 „Vox in Exelso“, in dem die Klingonen von der Föderation einen neuen Heimatplaneten bekommen, ohne dabei ihre kulturellen Traditionen einbüßen zu müssen? Und hat S1E8 „The Life of the Stars“ nicht einen wunderbaren Auftritt von Sylvia Tilly zu bieten, die mit den von der Miyazaki-Schlacht traumatisierten Kadetten Thornton Wilders Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ einstudiert, um ihnen eine Reflexion über das Menschsein zu ermöglichen? Und das, ohne ihnen die Werte der Föderation mit dem pädagogischen Hammer in die Köpfe zu prügeln? Und war da nicht die emotional berührenden Folge, in der der Holodoc die Programmmacken der photonischen SAM heilt, indem er sie als Tochter annimmt, ihr eine 17-jährige Kindheit ermöglicht und dabei selbst seine eigenen Traumata bewältigt?

Das alles gab es. Und es war gut. Gelegentlich etwas zu sentimental, aber immer noch besser als die ermüdenden Dialoge in „Discovery“, in denen über Ethik pathetisch gesprochen wurde. In „Academy“ wurde sie in den genannten Episoden gelebt. 

Diese gelungenen Coups deckten allerdings zu, dass die Serie ansonsten krampfhaft albern war – eine Krankheit, die in den weniger guten Episoden von „Strange New Worlds“ ausbrach, sich ausbreitete und danach auch „Academy“ infizierte. Nur dass die Adressierung der sogenannten „Youngs Adults“ als neuer Zielgruppe unheilbar uncool und krampfig war und die Symptome dadurch schlimmer wurden. Medikamente gab es nicht, Anlässe zum Fremdschämen aber reichlich – und dabei ist nicht nur der Glitzer kotzende Kadett Darem (George Hawkins) gemeint, der sein ‚Vergnügen‘ nach einer Sauftour in der vorletzten Episode wiederholen darf.

Zu albern: Storytelling ohne Mut zum Risiko – und eine Überraschung!

Das war nicht alles. Der zweite Kritikpunkt war das Storytelling. Es verwendete zu häufig Tropen, die nicht originell waren, sondern in ihrer Regelhaftigkeit wissen ließen, was aus einer Figur wird. So verkörpert die Figur des Caleb Mir (Sandor Rosta) den Tropus „Außenseiter“ in seiner Subform „hochintelligent, aber nicht anpassungsfähig.“ Dabei handelt es sich um nonkonformistische Figuren wie Lisbeth Salander (Stieg Larsson-Trilogie) oder Nerds wie Sheldon Cooper (The Big Bang Theory). Dieser Tropus verlangt, dass die Außenseiter lernen, sich dank ihrer Fähigkeiten in einer Gemeinschaft zu integrieren. „Academy“ folgte dieser Regel und am Ende gehört Caleb flammendes Bekenntnis zur Starfleet daher nur bedingt zu den spannenden und unerwarteten Höhepunkten der Serie. Man wusste, dass es so kommt.

Dann ein Beinahe-Schock: S1E6 „Come, Let’s Away“ war Star Trek pur. Warum? Ganz einfach: die Serie erzählte ein Drama, das mit einer Tragödie endete. Das war ein erwachsener Plot. Die supercoolen Kadetten wurden während einer Übungseinheit auf der stillgelegten USS Miyazaki in einen brutalen Kampf mit einer barbarischen Spezies verwickelt, den „Furien“. Es gab einen Toten und die meisten, die den Kampf überlebten, waren schwer traumatisiert. Sie lernten, dass Sieger nicht immer auch Gewinner sind.

Back to Reality! Ja, man kann in der Starfleet sein Leben lassen. Auch wenn man lernt, ein Team zu sein. „Come, Let’s Away“ wurde von Kenneth Lin & Kiley Rossetter geschrieben. Lin ist ein preisgekrönter Autor, der u.a. als Co-Producer und Autor in „House of Cards“ in Erscheinung trat und als einer der besten Theaterschreiber in den USA gilt. Rossetter ist eine noch relativ unbekannte Autorin, die bereits in „Picard“ mitwirkte und Co-Autorin in S1S3 „Vitus Reflux“ war.

Das große Finale – irgendwo zwischen „miserabel“ und „überraschend gut“!

Die Hoffnung, dass „Academy“ sich mit einer finalen Anstrengung aus der Bredouille rettet, zerschellte rasch. Zunächst jedenfalls. In dem von der erfahrenen Kirsten Beyer und Kenneth Lin geschriebenen ersten Teil einer Doppelepisode kehrte man zurück zu einer Laxheit, in der einige Altfans Alex Kurtzmans „Nu Trek“-Handschrift entdeckten: Großspurigkeit, Logiklöcher und opulente Raumschlachten ohne Sinn. 

„300th Night“ 

S1E9 „300th Night“ (Regie: Jonathan Frakes) greift das Schlüsselthema auf: Calebs Suche nach seiner verschollenen Mutter. Dies war inzwischen aus dem Fokus geraten und „300th Night“ war daher erzähllogisch auf dem richtigen Weg. Aber statt eine figuren- und charakterbezogene Story zu entwickeln, musste (wieder einmal) so gut wie alles gerettet werden. Zwar diesmal nicht die ganze Galaxis, aber immerhin das gesamte Territorium der Föderation. Denn Nus Braka (Paul Giamatti), der Oberschurke der Serie, entführte nicht nur Calebs Mutter (Tatiana Maslany als Anisha Mir), sondern auch Nahla Ake (Holly Hunter). Er hatte auch mit dem Molekül Omega-47 die gefährlichste Waffe der Galaxis in seinen Besitz gebracht. Eine Zündung würde 160 Mrd. Tote auf über 240 Planeten zur Folge haben, den umliegenden Subraum zerstören und die Warp-Technologie außer Kraft setzen. Daher schloss der rachsüchtige Nus Braka den Föderationsraum mit einem dichten Netz dieser Minen ein und konnte jederzeit dafür sorgen, dass die Starfleet in den nächsten Millionen Jahren keine interstellaren Reisen unternehmen kann. 

Das ist Fan-Service, denn bereits in der Voyager-Episode „The Omega Directive“ (S4E21) tauchten die Omega-Moleküle auf. Captain Janeway gelang es aber nicht vollständig, sie zu zerstören. Nun sind sie wieder da und wenigsten gehört das zum Kanon. Allerdings beantwortet es nicht die Frage, warum die Föderation die gefährlichste Waffe des Universums hortet, aber so miserabel bewacht, dass eine x-beliebiger Schurke sie locker auf einer Sternenbasis (!) klauen kann. 

Damit wurde Calebs Geschichte zum Sub-Plot. Eine actionreiche Befreiungsaktion gelingt allerdings, aber Caleb will nun mit seiner Mutter als Raumnomaden weiterziehen und beleidigt seine Freunde auf tödliche Weise, nur um ihnen den Abschied zu erleichtern. Solche Plot Twists sind ärgerlich, weil jeder weiß, dass dies nicht gelingen soll (Stichwort: Tropus) und alle wieder beste Freunde werden. Ich nenne dies einen narrativen Cheap Trick.

Ärgerlich in diesem Konstrukt sind auch einige Logiklöcher. Caleb klaut ein Shuttle, um zusammen mit SAM, Genesis und Darem seine Mutter zu retten - ausgerechnet auf einem Planeten außerhalb des Föderationsraums. Präsidentin Ake fliegt mit der USS Athena und zusammen mit Reno und dem Holodoc, Jay-Den und Tarima zum Planeten Ukeck, um ihre Kadetten zu retten. Das Problem: Je nach Bauklasse benötigen Föderationsschiffe eine Besatzung von bis zu tausend Crewmitgliedern, um technisch den Betrieb zu sichern. Von der Besatzung der Kommandobrücke soll erst gar nicht die Rede sein. Und nun sollen fünf Personen ausreichen?

Das ist genauso (nach-)lässig konstruiert, wie das Minennetzwerk von Nus Braka. Ein amerikanischer Mathematiker rechnete aus, was es tatsächlich bedeutet: 12 Billiarden Minen wären für das Netzwerk nötig und die technische Umsetzung würde bis zu 200 Jahren dauern (abhängig davon, wie groß die Flotte ist). Entsprechend lange muss die Föderation weggucken, um nicht zu entdecken, was vor ihrer Haustür passiert. In beiden Finalepisoden ist dagegen von einigen hundert Minen die Rede.
Gut, man könnte sagen: So what, das ist Science-Fiktion. Nein, ist es nicht – im Gegenteil. Gute Science-Fiktion sollte sich weder von den elementaren Gesetzen der Physik verabschieden noch von denen der Plausibilität. Diese abstruse Idee passt besser in die Welt von Hogwarts und nicht in eine Star Trek-Serie. Sie zeigt aber auch, dass es dem Showrunner und den Autoren völlig egal war, ob etwas realistisch ist. Kein Problem: Eine Portion Technobubble löst das Problem garantiert. Eine gewaltige Raumschlacht sowieso.

Rubincon

Überraschenderweise nahm die letzte Episode an Qualität zu. Geschrieben wurde sie von Alex Kurtzman, Kirsten Beyer (Teleplay), Noga Landau Gaia Violo. Der Plot besteht aus überschaubaren Elementen:

  • Nus Braka entführt Ake und Anisha, um vor potentiellen Mitgliedern eines neuen Venari Ral-Kartells einen Schauprozess gegen Ake zu inszenieren. Anisha soll als Jury und Richter fungieren.
  • Die USS Athena wird in einer Raumschlacht von Braka Schiffen scheinbar zerstört, was aber nur ein holografisches Täuschungsmanöver des Holodoc ist, der dafür seine Matrix in den Schiffscomputer überträgt. Danach kann der in seine alte Gestalt zurückgekehrte Holodoc nicht mehr mit der Crew kommunizieren.
  • SAM gelingt es, die kryptischen Wortspiele des beschädigten Holodoc zu dechiffrieren. Der Holodoc hat herausgefunden, wie Omega-47 ausgeschaltet werden kann. Dies gelingt.
  • Ake schafft es im Scheinprozess Brakas Beschuldigung, die Föderation habe seinen Heimatplaneten in einer Hungerkrise im Stich gelassen, zu widerlegen. Einige Schiffe der Starfleet fliegen nach Ukeck, Nus Braka wird gefangengenommen.
  • Caleb und Tarima setzen ihre romantische Beziehung fort. Caleb bricht in den Semesterferien mit seiner Mutter auf, um die Galaxis zu erkunden. Danach will er seine Ausbildung in der Sternenflotte fortsetzen.
     
„Ich glaube, ich muss pinkeln!“ Das sagt Genesis (Bella Shephard), als sie für kurze Zeit das Ziel ihrer Träume erreicht hat: sie „hat die Brücke“ und darf im Sessel des Captains sitzen. Dies ist ein enorm wichtiger Spruch, denn so wird für die Zielgruppe ein emotionaler Moment sofort durch einen geschmacklosen Witz entschärft, was den Schwellenwert für die Identifikation mit einer coolen Figur erheblich senkt. Ironie Ende.

Über die Verwendung des Wortes „piss“ in der Originalfassung und andere Ingredienzien der Fäkalsprache haben sich bereits kompetentere Kritiker als ich mit Nachdruck beschwert. Ich gehöre aber nicht zu Zielgruppe der „Young Adults“ und kann daher nicht beurteilen, ob dieser Jargon alterstypisch ist. Die Macher der Serie schienen das aber zu glauben.

Das ist aber zum Glück der einzige Faux Pas der Episode. Ansonsten punktet die letzte Folge dank der herrlich sarkastischen Sprüche von Jett Reno (Tig Nataro), die auf der USS Athena zum Captain in spe wird und ihre unerfahrene Crew auf unnachahmbare Weise dazu motiviert, die eigentlich unlösbaren Probleme zu lösen. Endlich eine Schlüsselrolle für eine der wenigen Figuren der Serie, die Bodenständigkeit verkörpern, ohne ständig albern, sentimental oder pathetisch zu werden.

Auch Kerrice Brooks als SAM (Series Acclimation Mil) hatte einen phantastischen Auftritt, als sie mit ungewohnter Härte erklärt, dass sie nicht mehr ist, was sie einmal war: eine alberne Figur, die sich auf peinliche Weise soziale Kontakte verschaffen will. Das sei nun vorbei. 17 Jahre Kindheitsgeschichte mit dem Holodoc haben offenbar gewirkt. Dagegen hörte sich Calebs finales Bekenntnis zu den Werten und Möglichkeiten der Sternenflotte an wie glatter Marketing-Werbetext.

Auch Nus Brakas Prozess ist kaum anspruchsvoll. Das Ganze erinnert entfernt an Q’s Prozess in TNG. S1E1/2. „Encounter at Farpoint – Part 1 und 2“ war Monty Python-like und kaum spannend. In „Rubicon“ wird Brakas Schauprozess vom Schurken persönlich moderiert. Das macht die Sache aber auch nicht besser, denn Paul Giamatti muss seine Figur comic-haft spielen – eine Form von Rollen-Exorzismus, die der Figur alle ambivalenten Optionen austreibt. Dass Giamatti sich aber ins Zeug legte, um die Figur mit Leben zu erfüllen, muss man anerkennen.

Trotzdem: Der Prozess reichte weder an „Ad Astra per Aspera” (Strange New Worlds) noch an Prozess-Episoden wie “Das Tribunal” (Deep Space Nine) und erst recht nicht an den Klassiker „Wem gehört Data?“ (The Next Generation) heran. Immerhin wurde Brakas Show galaxisweit im Fernsehen übertragen, inklusive News Ticker mit „Breaking News.“ Technisch ist das nicht möglich, weil die Signale nicht mit Warp-Geschwindigkeit übertragen werden können. Wie gesagt: dem Writer’s Room schienen Technik und Physik sowieso egal zu sein.
Trotzdem war „Rubicon“ insgesamt eine ordentliche Episode, die auch deshalb überraschte, weil sie um Längen besser war „300th Night“. 

Fazit

1) „Star Trek: Starfleet Academy“ scheiterte nicht so katastrophal wie „Section 31“, wurde aber qualitativ ausgehebelt, weil die Macher der Serie einer jungen Zielgruppe, den ca. 20-jährigen „Young Adults“, mit Albernheit und Formelhaftigkeit das Franchise schmackhaft machen wollte. Drama oder gar Tragödien wurden mit einer Ausnahme nicht zugelassen, die Charakterentwicklung war entsprechend maximal durchschnittlich - zu oft klischeehaft und nur gelegentlich „erwachsen“.

2) Die Zielgruppen-Strategie ist an sich nicht zu kritisieren, das hat sehr viel mit ökonomischen Zielsetzungen zu tun. Allerdings muss die inhaltliche Qualität stimmen. Ein Vergleich mit den klassischen und von den sogenannten Altfans favorisierten klassischen Serien war daher unvermeidbar. 
Die Debatte darüber entgleiste aber. Einerseits beschäftigen sich in Deutschland die Kritiker in namhafte Zeitungen und Magazinen nicht mit Star Trek (in DIE ZEIT oder der FAZ sind die Beiträge im Archiv oft zehn Jahre alt), andererseits war und ist es spannend zu sehen, was passiert, wenn man dies den Bloggern, Video-Podcastern und Online-Medien überlässt. 
Dort wurde dichotom diskutiert: gut/schlecht, modern/klassisch, woke/anti-woke. „Vielleicht“ und „Aber“ gab es nicht. Einige Podcaster stellten empört die Arbeit ein, andere führten Vernichtungsschlachten, weil „Star Trek: Starfleet Academy“ ein Verrat an der humanistischen Agenda der klassischen Star Trek sei. 
Alles ohne Nuancen, Differenzierungen oder Argumente, die Pro und Contra mitsamt der Zwischentöne abwogen. Dies spiegelte sich auch in den Kommentaren wider. Hier wurde zum Teil aufs Übelste gehetzt, weil die Serie zu „woke“ sei. Stichwort: schwuler Klingone. „Wokeness“ kann zur Erziehungskultur werden, etwas, was ich persönlich ablehne. Aber Gewaltverzicht oder sexuelle Diversität als ekelhafte Ideologie zu verunglimpfen, bildet nur ab, wie weit wir es mit einem Kulturkrieg gebracht haben, der oft nur noch blanken Hass verkündet.

„Star Trek: Starfleet Academy“ hat bei mir sehr oft Fremdschämen ausgelöst. Allerdings gab es auch interessante und gelungene Plots. Im Großen und Ganzen war „Academy“ aber der Versuch, mit einer Science-Fiction-Version die alten Highschool-Filme aus den 1990er-Jahren wiederzubeleben. Sex, Saufen, romantische Beziehungen, Bullying, übertriebene Coolness nervten ab. Man könnte stattdessen erwachsene Geschichten erzählen, in denen die jungen Kadetten Erfahrungen machen, die komplex, tragisch oder schwer zu bewältigen sind. Nämlich in fremden Welten, die zu erkunden sind. Ich gebe der Serie in Niemandsland zwischen „Ausreichend“ und „Mangelhaft“ daher die Note 4,5. 

Note: BigDoc = 4,5

 

Postskriptum

Fairerweise muss man auch die Argumente derjenigen berücksichtigen, die „Academy“ durchgehend und ohne Einschränkung verteidigen. So definiert Reinhard Krahl die Notwendigkeit, eine junge Zielgruppe anzusprechen, mit dem bevorstehenden Quotentod des Franchise. Wie sollen aber Young-Adult-Serien aussehen?

„Auf den Kern heruntergebrochen sind musikalisch poppig-rockige Klänge, schnelle Schnitte, eine emotional intensive Kameraführung, eine bunte, anscheinend mit althergebrachten Konventionen brechende Farbgestaltung, eine bisweilen dem Komödiantischen entlehnte, betont auf Jugendliche zugeschnittene Bildsprache, Dialoge mit aktuell von jungen Menschen verwendeten Termini und eine stark emotionalisierte Erzählweise üblich. (…) Parallel zu dem hier aufgeführten audiovisuellen Regelwerk existiert selbstredend auch ein narratives. Stellen wir uns entsprechend nun die Frage, welche Themengebiete ein Young-Adult-Format umfassen sollte, stoßen wir auf Liebe, die alltäglichen Probleme des Erwachsenwerdens, Selbstfindung, auch auf sexueller Ebene, Konflikte, Gruppenbildung, Mobbing in jedweder Form, der Kampf um allgemeine Akzeptanz der Person, Langeweile, Schulfächer, typisch jugendliche Dummheiten als oft komödiantisch-auflockerndes Element, Diskriminierung von vermeintlich andersartigen Mitschülerinnen und Mitschülern, das Verhältnis zu Eltern, die Diskrepanzen zur Sichtweise Erwachsener, Freiheit, Partys, der Umgang mit emotionalen Krisen und so weiter.“
Quelle: „Klartext von Prahl: Star Trek: Starfleet Academy – schlecht geschrieben oder schlecht geredet?“ Planet Trek, 13. Februar 2026.


Interessant ist das auf YouTube platzierte Doppel-Essay „Wie konnte es so weit kommen? Eine Autopsie“ und „Das Ende von Star Trek – Von Discovery bis Starfleet Academy“.


Über rhetorische Strategien und Gegenstrategien zum Thema Star Trek schreibt das Web-Magazin „Nerdizismus“ in: „Der Erklärbär ist real – der Beweis wurde geliefert“.


Und auch Alex Kurtzman soll zu Wort kommen: „Well, that’s the point, right? The idea is that if you don’t know Deep Space Nine and you’ve never seen it, it’s a wonderful introduction. If you do know Deep Space Nine, it’s really meaningful. And that was the goal. Yes, of course, if we don’t make shows for a new generation, and then the new generation after that, Trek is going to die, right? Our goal is to keep it alive. So as much as people may complain that it doesn’t feel like old Trek: If you want old Trek, watch it. It’s there for you forever. But we are doing so much to honor canon and to honor old Trek in the way we are approaching it now.“ Quelle: Trekmovie.com.