Mittwoch, 1. April 2026

„Paradise“ - Staffel 2: irgendwo zwischen brillant und hoffnungslos überladen

Fans und Kritiker sind von Fortsetzung der SciFi-Mystery-Serie überwiegend begeistert. Bis die vierte Episode gefühlt die Hälfte der Zuschauer schockierte. Doch dies war nicht mehr als ein Erzähltrick. Und davon gibt es in „Paradise“ eine Menge. Die folgende Kritik wird sich mit ihnen beschäftigen und erklären, warum sie einen aktuellen Trend widerspiegeln.

Insgesamt schwankt Staffel 2 inhaltlich zwischen brillant und überladen, geklauten Plot-Ideen und überraschenden Wendungen hin und her. Schaden muss das Auf und Ab nicht, wenn die Chemie stimmt. Aber stimmt sie wirklich? The truth ist out there. Aber Vorsicht: Wenn Sie Verzerrungen und Doppelbilder sehen, dann fummeln Sie nicht TV-Gerät herum und gehen sie auch nicht zum Augenarzt! Die Figuren sehen sie nämlich auch.

Freitag, 13. März 2026

Starfleet Academy: Ist Star Trek am Ende? Nein.

In der langen Geschichte des Franchise habe ich noch nie so wütende Reaktionen in den Social Media erlebt. Selbst die heftigen Debatten um „Discovery“ waren handzahm im Vergleich zu den aus dem Boden schießenden Podcasts, die sogar das Ende von Star Trek ankündigen. Der negative Hype um „Star Trek: Starfleet Academy“ hat seinen Höhepunkt aber noch nicht erreicht, denn nun muss die Web-Community noch das Ende verarbeiten. Oder verkraften? 

Ein Ende wird es aber nicht geben. Vielmehr wird „Academy“ noch eine weitere Staffel bekommen (mehr als zwei Staffeln sind nicht geplant), bevor die Serie in der Versenkung verschwindet. Diskutiert wird dann nicht mehr, die Serie wird wie „Star Trek: Section 31“ einfach aus dem Gedächtnis gelöscht. Wird aber alles in einer neuen Serie noch schlimmer, dann wird garantiert gejammert: „So schlecht war nicht mal Academy!“

Freitag, 27. Februar 2026

The Knight Agent – Staffel 3 – Flop oder Top?

Zumindest hinsichtlich der Quoten bleibt die Serie ein Buch voller Rätsel. Während eine bekannte Website die völlige Vernichtung der 3. Staffel um den Nachwuchsagenten Peter Sutherland protokollierte, weil sich 40% der Zuschauer*innen abgewendet hatten, sah die Bilanz einer anderen Plattform anders aus: „The Knight Agent“ sei in 54 Ländern die unangefochtene Nr. 1. Dies, so argumentierte die Gegenseite, sei nur möglich, weil aktuell alle anderen Serien so schlecht seien, dass sie mit der NETFLIX-Serie nicht mithalten könnten.

Aha, also „Fallout“, „A Knight of the Seven Kingdoms“, „Pluribus“, „Wonder Man“ sind nicht konkurrenzfähig. Eine steile These, die den Rezensent nicht teilen kann. Obwohl Showrunner Shawn Ryan das Rad nicht neu erfindet und die Fans der Genres deswegen auch nicht enttäuscht, gibt es in den Agententhriller einige Plot Twists, die man selten oder noch nie zu sehen bekam. Anders formuliert: „The Knight Agent“ legt die Messlatte für extreme Spannung einen Meter höher auf.

Montag, 16. Februar 2026

Wonder Man - Die MARVEL-Serie ist witzig, tragisch - und auch intelligent!

Mit „Wonder Man“ hat der Marvel-Chief Creative Officer Kevin Feige zusammen Destin Daniel Cretton (Creator) und Andrew Guest (Showrunner) eine Serie lanciert, die eine Mischung aus dezenter Comedy, Dramödie und Superhelden-Geschichte ist. Ironie und Selbstbespiegelung der Filmindustrie sind Teile eines Subtextes in der achtteiligen Miniserie, die sich frech die Freiheit nimmt, das Genre als „Superhelden-Opiat aus Hollywood“ auf die Schippe zu nehmen.

„Wonder Man“ ist kein By the Way-Produkt der MARVEL-Studios, sondern offizieller Teil der Phase 6 des Marvel Cinematic Universe (MCU). Nach einigen Flops und ordentlichen Comebacks in den letzten Filmen findet MARVEL mit einer Serie und einem überragenden Cast (mit Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley in den Hauptrollen) den Weg zurück zu einem intelligenten Storytelling. Nämlich einer Geschichte, die den Zuschauer nicht mit überdrehten Multiversen überrollt, sondern zeigt, dass Humor, Ironie und allzu menschliche Eigenschaften der Figuren davon erzählen können, dass Superhelden auch nur Menschen sind. Ein Volltreffer. 

Donnerstag, 12. Februar 2026

Blood & Sinners – Ganz großes Kino

Ryan Cooglers Film, der als Vampir-Horrorfilm scheinbar genregerecht eingestuft wurde, ist tatsächlich ein Neo-Western, aber hauptsächlich ein Musikfilm. Aber nicht einer, der nur das emotionale Unterhaltungsbedürfnis des Publikums befriedigen soll, sondern kulturelle Identität meint. 

„Blood & Sinners“ ist daher eine Hommage an die Black Musik, also die afroamerikanische Musik, die nicht nur die schwarze Kultur in den USA bestimmte. Und als Genremix bietet der Film eine Reihe von Botschaften, Gedanken und Anspielungen an, die klug, vielschichtig, aber hauptsächlich grandios sind. Der mit 16 Oscar-Nominierungen früh geadelte Film ist ein Meisterwerk, und wer seine Zweifel hat, wird immerhin einen der besten Musikfilm der letzten Dekaden sehen können. 

Freitag, 6. Februar 2026

Star Trek: The Next Generation - Zahlen und Fakten über einen Mythos

Wenn man den Podcastern und YouTubern folgt, wird man Zeuge einer Hexenjagd: "Star Trek: Starfleet Academy" wird hingerichtet. Die Qualität der Beiträge ist unterschiedlich: von kritisch-methodisch bis zu purem Nachplappern und offenkundigem Clickbaiting ist alles dabei. Einig ist sich man allerdings in einem Punkt: Das ist nicht Star Trek!

Doch was ist Star Trek? Der nachfolgende Text wird diese Frage beantworten. "Starfleet Academy" ist es jedenfalls nicht. Dieses Urteil ist notwendig, denn die Plotidee der fünften Academy-Episode „Series Acclimation Mil" war ausgezeichnet, wurde aber grauenvoll umgesetzt. Man konnte der Selbstzerstörung des Franchise nur noch hilflos zuschauen.

Sonntag, 1. Februar 2026

The Danish Woman – beinahe perfekte Miniserie bei ARTE

Mit der Miniserie „The Danish Woman“ präsentiert ARTE in seiner Mediathek eine Perle der schrägen Serienkunst, die man nicht verpassen sollte. In sechs Episoden erzählt die französisch-isländische Co-Produktion, an der ARTE und das ZDF beteiligt waren, eine mit Gewalt aufgeladene Geschichte. Dabei wird nicht nur bigotte Bürgerlichkeit aufgedeckt, sondern auch die manische Besessenheit einer extrem gefährlichen Frau, die für Ordnung und Gerechtigkeit sorgen will, aber einen nicht enden wollenden Alptraum auslöst.

Ditte Jensen heißt die Frau, die auf den ersten Blick als harmlose Oma durchgehen könnte. Jedenfalls nur so solange, wie sie in einem unattraktiven Wohnviertel von Reykjavik Gemüse in einem von ihr angelegten Beet anbaut und sorgsam pflegt. Doch Ditte verbirgt ein düsteres Geheimnis, das so übel ist, dass man aus Jugendschutzgründen bei ARTE  „The Danish Woman“ ohne Account nur zwischen 22.00 und 6:00 Uhr  sehen kann.

Freitag, 30. Januar 2026

"Hamnet" - Chloé Zhaos neuer Film ist wieder ein Oscar-Kandidat

Man darf gespannt sein, ob Chloé Zhaos neuer Film den Erfolg bei den Golden Globe Awards 2026 wiederholen kann. Bei der 83. Verleihung wurde „Hamnet“ als Bester Film ausgezeichnet. Für die Oscar-Verleihung im März wurde der Film achtmal nominiert. Chloé Zhao ist übrigens die einzige Regisseurin, die für einen Oscar bei den Academy Awards vorgeschlagen wurde.

Ob das für den Besten Film oder die Beste Regie reicht, ist eine spannende Frage. Paul Thomas Andersons Film „One Battle After Another“ ist stilistisch mutiger und auf schräge Weise komisch, Ryan Cooglers “Blood & Sinners” ist actionreicher und bildästhetisch opulenter. Chloé Zhaos „Hamnet“ erzählt dagegen sehr asketisch vom Zerbrechen einer Liebe, einem ultimativen Verlust und in einem bittersüßen Ende von der aussöhnenden Kraft der Kunst. Ein bittersüßes Ende ist aber sehr beliebt bei der Academy…

Freitag, 16. Januar 2026

Star Trek: Starfleet Academy - Noch ist nichts verloren!

Es geht schon wieder los. Kaum ist eine neue Star Trek-Serie auf dem Markt, betreiben die Film- und Serien-Websites sofort Clickbaiting vom Feinsten. Die einen haben zwei Episoden vorab bekommen, andere fünf. Alle wissen aber schon jetzt, wie das Ganze enden wird. Mich verblüfft das.

Der Rezensent der neuen Serie geht flott auf die 80 zu. Er ist kein Trekkie, aber ein bekennender Star Trek-Fan. Das Alter hat den Vorteil, dass er TOS gesehen hat, als die Serie noch nicht der Heilige Gral war. Wohl im Gegensatz zu den Trekkies, die mittlerweile ihre eigenen Websites haben, aber The Original Series und die anderen Serien des Franchise erst gesehen haben, als ich in Rente ging. Das Feeling, TOS und TNG zeitnah und in einem völlig anderen kulturellen Umfeld gesehen zu haben, ist daher und besonders heute nur schwer zu vermitteln. Es war etwas Besonderes.

Mittwoch, 14. Januar 2026

„Frankenstein“ - Guillermo del Toros Monster ist kein Monster

Der mexikanische Regisseur hat sich viel Zeit genommen, um eine alte Liebe auf die Leinwand zu bringen und ein ästhetisches Vergnügen daraus zu machen. So schön sind die Bilder in „Frankenstein“, dass man beinahe die Figuren vergisst. Die bewegen sich in der vermutlich nicht letzten Verfilmung von Mary Shelleys Roman „Frankenstein – The Modern Prometheus“ ethisch am Abgrund. Auch weil der Mensch ein Mensch ist und eine Kreatur, die kein Mensch ist, unbedingt ein Mensch sein will. 

Guillermo del Toro hat aus dieser Tragödie eine Mischung aus Horrorfilm und Melodram gemacht, einen Film, der wie eine Gebrauchsanweisung aussieht. Für einen Film, der als historische Lehrstunde bebildert, was man in der Literaturgeschichte als „Schwarze Romantik“ bezeichnet hat: die Beschreibung des Abgründigen, des menschlichen Wahnsinns, dazu Spuk, Übernatürliches, Gewalt und Tod. Aber Guillermo del Toros „Frankenstein“ ist keineswegs trostlos. Er interpretiert die Vorlage einfach nur etwa anders.

Samstag, 3. Januar 2026

„Der Tiger“ - eine Reise in Dantes Inferno

Dennis Gansel hat einige originelle und weniger originelle Filme gemacht – umstritten waren fast alle. Auch die sogenannte Faschismus-Trilogie, die mit „Napola – Elite für den Führer“ (2004) begann und mit der Manipulation von Schülern in „Die Welle“ (2008) zeigen sollte, dass totalitäre Bewegungen eine fast unbeherrschbare Eigendynamik besitzen.

„Der Tiger“ schließt die Trilogie ab, dürfte aber den Zuschauer auf eine harte und verstörende Weise herausfordern. Denn der Film endet mit einem spektakulären Plot-Twist, der sich mit „The Sixth Sense“ und „Fight Club“ locker messen kann. Allerdings ist Gansels Film keine Kinounterhaltung, sondern die Dekonstruktion eines Genres - dem Kriegsfilm. Und das Ende seines Films und seine Symbolik sind kaum zu verstehen, wenn man nicht Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ kennt.

Freitag, 2. Januar 2026

„Schwarzes Gold“ - ambitionierte ARD-Serie mit vielen Baustellen

Wir sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Lüneburger Heide wird Erdöl gefunden und ein brutaler Kampf um Macht und Reichtum beginnt. Alles erzählt wie in einem Western, nur dass diesmal auch die Frauen Cowboyhüte tragen und die Arbeiter an den Förderstätten nicht nur den Bohrer ins Erdreich treiben, sondern auch einen Colt mit sich herumtragen.

Erdöl in der Lüneburger Heide? Das hat es wirklich gegeben, und zwar für sehr lange Zeit. Die ARD-Serie ist also auch ein Historiendrama, das erzählt, wie sich die Heide in eine Landschaft verwandelte, die so aussah wie texanische Bohrfelder. Aber trotz der spannenden Backstory floppte der Genre-Mix bereits zum Auftakt. Was ist da schiefgegangen?