Freitag, 30. Januar 2026

"Hamnet" - Chloé Zhaos neuer Film ist wieder ein Oscar-Kandidat

Man darf gespannt sein, ob Chloé Zhaos neuer Film den Erfolg bei den Golden Globe Awards 2026 wiederholen kann. Bei der 83. Verleihung wurde „Hamnet“ als Bester Film ausgezeichnet. Für die Oscar-Verleihung im März wurde der Film achtmal nominiert. Chloé Zhao ist übrigens die einzige Regisseurin, die für einen Oscar bei den Academy Awards vorgeschlagen wurde.

Ob das für den Besten Film oder die Beste Regie reicht, ist eine spannende Frage. Paul Thomas Andersons Film „One Battle After Another“ ist stilistisch mutiger und auf schräge Weise komisch, Ryan Cooglers “Blood & Sinners” ist actionreicher und bildästhetisch opulenter. Chloé Zhaos „Hamnet“ erzählt dagegen sehr asketisch vom Zerbrechen einer Liebe, einem ultimativen Verlust und in einem bittersüßen Ende von der aussöhnenden Kraft der Kunst. Ein bittersüßes Ende ist aber sehr beliebt bei der Academy…

Freitag, 16. Januar 2026

Star Trek: Starfleet Academy - Noch ist nichts verloren!

Es geht schon wieder los. Kaum ist eine neue Star Trek-Serie auf dem Markt, betreiben die Film- und Serien-Websites sofort Clickbaiting vom Feinsten. Die einen haben zwei Episoden vorab bekommen, andere fünf. Alle wissen aber schon jetzt, wie das Ganze enden wird. Mich verblüfft das.

Der Rezensent der neuen Serie geht flott auf die 80 zu. Er ist kein Trekkie, aber ein bekennender Star Trek-Fan. Das Alter hat den Vorteil, dass er TOS gesehen hat, als die Serie noch nicht der Heilige Gral war. Wohl im Gegensatz zu den Trekkies, die mittlerweile ihre eigenen Websites haben, aber The Original Series und die anderen Serien des Franchise erst gesehen haben, als ich in Rente ging. Das Feeling, TOS und TNG zeitnah und in einem völlig anderen kulturellen Umfeld gesehen zu haben, ist daher und besonders heute nur schwer zu vermitteln. Es war etwas Besonderes.

Mittwoch, 14. Januar 2026

„Frankenstein“ - Guillermo del Toros Monster ist kein Monster

Der mexikanische Regisseur hat sich viel Zeit genommen, um eine alte Liebe auf die Leinwand zu bringen und ein ästhetisches Vergnügen daraus zu machen. So schön sind die Bilder in „Frankenstein“, dass man beinahe die Figuren vergisst. Die bewegen sich in der vermutlich nicht letzten Verfilmung von Mary Shelleys Roman „Frankenstein – The Modern Prometheus“ ethisch am Abgrund. Auch weil der Mensch ein Mensch ist und eine Kreatur, die kein Mensch ist, unbedingt ein Mensch sein will. 

Guillermo del Toro hat aus dieser Tragödie eine Mischung aus Horrorfilm und Melodram gemacht, einen Film, der wie eine Gebrauchsanweisung aussieht. Für einen Film, der als historische Lehrstunde bebildert, was man in der Literaturgeschichte als „Schwarze Romantik“ bezeichnet hat: die Beschreibung des Abgründigen, des menschlichen Wahnsinns, dazu Spuk, Übernatürliches, Gewalt und Tod. Aber Guillermo del Toros „Frankenstein“ ist keineswegs trostlos. Er interpretiert die Vorlage einfach nur etwa anders.

Samstag, 3. Januar 2026

„Der Tiger“ - eine Reise in Dantes Inferno

Dennis Gansel hat einige originelle und weniger originelle Filme gemacht – umstritten waren fast alle. Auch die sogenannte Faschismus-Trilogie, die mit „Napola – Elite für den Führer“ (2004) begann und mit der Manipulation von Schülern in „Die Welle“ (2008) zeigen sollte, dass totalitäre Bewegungen eine fast unbeherrschbare Eigendynamik besitzen.

„Der Tiger“ schließt die Trilogie ab, dürfte aber den Zuschauer auf eine harte und verstörende Weise herausfordern. Denn der Film endet mit einem spektakulären Plot-Twist, der sich mit „The Sixth Sense“ und „Fight Club“ locker messen kann. Allerdings ist Gansels Film keine Kinounterhaltung, sondern die Dekonstruktion eines Genres - dem Kriegsfilm. Und das Ende seines Films und seine Symbolik sind kaum zu verstehen, wenn man nicht Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ kennt.

Freitag, 2. Januar 2026

„Schwarzes Gold“ - ambitionierte ARD-Serie mit vielen Baustellen

Wir sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Lüneburger Heide wird Erdöl gefunden und ein brutaler Kampf um Macht und Reichtum beginnt. Alles erzählt wie in einem Western, nur dass diesmal auch die Frauen Cowboyhüte tragen und die Arbeiter an den Förderstätten nicht nur den Bohrer ins Erdreich treiben, sondern auch einen Colt mit sich herumtragen.

Erdöl in der Lüneburger Heide? Das hat es wirklich gegeben, und zwar für sehr lange Zeit. Die ARD-Serie ist also auch ein Historiendrama, das erzählt, wie sich die Heide in eine Landschaft verwandelte, die so aussah wie texanische Bohrfelder. Aber trotz der spannenden Backstory floppte der Genre-Mix bereits zum Auftakt. Was ist da schiefgegangen?