Freitag, 7. August 2026

„Strange New Worlds", Staffel 4 - Teil 1

Nach den Erfahrungen mit "Academy" hatte man als Rezensent das Gefühl, noch genauer hinschauen zu müssen, wenn die neue Staffel von SNG als Rückkehr zum traditionellen "Star Trek" angekündigt wird. 

Dieses Versprechen haben die Macher bislang nicht einhalten können. "Strange New World" ist nach wie vor ein experimentelles Star Trek, eine Reise durch unterschiedliche Genres. Häufig brillant. Um so härter sind die gescheiterten Experimente.

Episode 1: Valles Marineris 

Man findet das Phänomen auf dem Mars: Valles Marineris ist das größte Grabenbruchsystem des Sonnensystems. Wie es entstanden ist und warum Captain Pike für den Tod der Dinos und jeglichem Leben auf der Erde verantwortlich ist, gehörte zu den Überraschungsmomenten der ersten Episode. Und die schüttelt die Geschichte unseres Sonnensystems dramatisch durch. 
Im Mittelpunkt steht ein Krieg zwischen zwei Zivilisationen, die sich erbittert bekämpfen. Eine humanoide, die auf dem Mars lebt, und eine insektoide, die Dol'drm, deren Morphologie ein wenig an die Viecher in Starship Troopers erinnert. Und Valles Marineris geht auf ihr Konto. Die Heimat der Vierfüßler ist der 5. Planet. Aber den gibt es im Sonnensystem nicht – jedenfalls nicht in unserer Zeit.

Star Trek meets Jurassic Park 

Der Kampf von „Number One“ gegen einen T-Rex, La’an Noonien-Singh, die mit einem Faustschlag einen Raptor in die Flucht treibt, die Auslöschung allen Lebens auf der Erde und ein Genozid, der einige Milliarden Leben in den Tod schickt. Die erste Episode der 4. Staffel schafft es in knapp 50 Minuten, sowohl Action, Tod und Untergang als auch intensive Dialoge über Krieg und Frieden zu inszenieren, ohne dass man das Gefühl hat, von einer überladenen Geschichte überrollt zu werden. Handwerklich eine exzellente Leistung. 

Captain Pike und seine Crew geraten zwischen die Fronten, als sie einen Sonnensturm beobachten, dessen Energieausstoß gewaltig ist und – natürlich – die „Enterprise" beinahe ins Nirwana katapultiert. Das Schiff ist so ramponiert, dass ein Kriegsschiff der Marsianer es mühelos kapern kann. 
Die „Enterprise" wird in einem Akt von Piraterie als ihr Eigentum betrachtet.

Marsianer in Raumschiffen? 
Schnell findet die Crew des Rätsels Lösung. Die „Enterprise" wurde 64 Millionen Jahre in die Vergangenheit geschleudert. Und Captain Pike muss die Kommandantin der marsianischen Kampfeinheit davon überzeugen, dass die Menschen keine bösen Absichten haben. 

Eine harte Entscheidung

Valles Marineris ist eine vielen Time Travel-Episoden, die offenbar zum Star Trek-Kosmos gehören wie der Schnee zum Winter. Während an Bord der „Enterprise“ um Moral gerungen wird, versucht ein Außenteam auf einem „Klasse M“-Planeten das kostbare Iridium zu besorgen, jene Substanz, ohne die die „Enterprise" nicht mehr fliegen kann. Jedenfalls nicht schnell. Leider leben auf dem Planeten alle uns bekannten Dinos – und die meisten sind hungrig. Und die Crew erkennt: Man ist auf der Erde!

Nachdem alle Versuche, den Krieg der Welten zu schlichten, gescheitert sind, muss Captain Pike eine Entscheidung treffen. Mit seiner friedlichen und humanistischen Botschaft hat er die auf totalen Krieg gepolten Marsianern zwar beeindruckt. Was sie aber nicht daran hindert, einen Materie-Anti-Antrieb zu stehlen, der auf die Heimat der Insekten abgeschossen wird. Den Genozid will Pike zunächst verhindern. Dann lässt er es im letzten Moment zum Entsetzen seiner Crew zu, dass die insektoide Zivilisation vollständig vernichtet wird. Nicht weil Pike sich für eine Seite entschieden hat, sondern weil nur so die Kontinuität der Zeit bewahrt werden kann.
 
Der Logikfehler: Pike kann nicht wissen, wer in diesem Krieg der Angreifer war und wer das Opfer. Dass Valles Marineris das Ergebnis einer militärischen Attacke der Insekten war, beweist nichts.  
Pikes Debatten mit einer hochrangigen Offizierin der Marsianer erinnern daran, was Star Trek eigentlich sein will und sollte: ein Ringen um humanistische Werte, die friedliche Lösung von kriegerischen Konflikten und halt auch das Drama, das man verarbeiten muss, wenn man seine Ideale nicht durchsetzen kann.
Dass aber ein Riesenbrocken des 5. Planeten auf der Erde einschlägt und ein unglaubliches Massensterben auslöst, belastet den eigentlich genug gepeinigten Pike in einer völlig neuen Dimension. Damit muss Pike leben, auch wenn er mit seiner Entscheidung die Zeitlinie gerettet hat. 
Am Ende gibt es nur Verlierer, denn die Laufbahnen der Planeten verändern sich. Klima und Atmosphäre ändern sich: Es ist der Tod des Mars. 

Determinismus und dann auch noch Techno Bubble!

Das ist die Botschaft der Episode: Nichts kann sich ändern, alles ist vorbestimmt. Was, wie wir wissen, auch für Pike gilt, denn der hat sich mit der Unausweichlichkeit seines Todes abgefunden. 
Diese Mischung aus Determinismus und Prädestinationslehre, aber auch die Ursache-Wirkung-Schleife oder sogar deren Umkehrung (wie in Staffel 3), all dies passt nicht so recht zu einer Serie wie Star Trek. Denn im Star Trek-Kosmos ist die Freiheit, auch das Unausweichliche zu bezwingen, sozusagen der Heilige Gral. Zudem ist der harte Determinismus in der Physik und der Philosophie immer noch Gegenstand von kritischen Diskussionen.
 
Abgesehen von dieser düsteren Katastrophe, die tolle Bilder liefert, ist das Science Bubble der Folge nervtötend. Folgt man den Gesetzen der Thermodynamik, dann sind Zeitreisen in die Vergangenheit purer Unfug (s. Postskriptum). Reisen in die Zukunft sind dank Einstein jedoch möglich.

Zauberhafte Bildästhetik

Ohne die Selbstermächtigung der Autoren, nämlich die Wissenschaft auf den Kopf zu stellen, wäre die erste Episode grandios gewesen. Ist man gnädig mit dem Writer’s Room, dann ist das trotzdem der Fall. Denn „Valles Marineris“ bietet einen spektakulären Blockbuster mit atmosphärisch herausragenden Szenen. 
Wenn Pike in der ersten Szene zusammen mit M’Benga und Noonien-Singh im Cowboy-Outfit durch die Kies- und Sandwüste eines fremden Planeten reiten (man erinnere sich bitte an die allererste Episode von SNW), gelingt den Machern eine zauberhafte Bildästhetik. Auch der gewaltige Sonnensturm und die phantastischen Bilder aus dem Jurassic Park erinnern eher an Kino als an ein Serienformat. 

Anerkennung verdient auch das Pacing der Episode, in die thematisch unheimlich viel Inhalt hineingesteckt wurde. Eine neue arrogante Kadettin vom Vulkan wird eingeführt, die bekannten Figuren der Stammcrew bekommen pointierte Auftritte. Dass nebenbei Admiral April alles tut, um Pike von einer Beförderung zum Commodore zu überzeugen, wird geschickt genutzt, um zu verdeutlichen, dass Pike den Verlust von Batel noch nicht verkraftet hat. Er bleibt auf der „Enterprise". Dafür wird „Nummer 1“ befördert.

Insgesamt überzeugt der Serienauftakt durch cleveres Timing. Man hat nie den Eindruck einer Überladung der Handlung. „Valles Marineris“ ist ein gelungener Staffelauftakt, auch wenn wieder einmal die düsteren Aspekte der Handlung mit überflüssigen Witzeleien entschärft werden. Das ist ärgerlich. Die Macher sollten langsam einsehen, dass sie keine Serie für Kinder produzieren. Zu den heute obligatorischen Trigger-Warnungen am Anfang einer Episode kann man ja neben dem „Rauchen“, dem „Fluchen“ und anderen Schrecklichkeiten auch „Deprimierende ethische Konflikte“ und „Völkermord“ anführen.

Note: Trotz einiger Schwächen gibt es eine 2,5.

Postskriptum:

Zeit entsteht durch die Zunahme von Entropie. Wer in die Vergangenheit reist, kann nichts an den zuvor geschehenen Ereignissen ändern. Dazu müsste die Entropie abnehmen. Die dafür erforderliche Energie gibt es im gesamten Kosmos nicht, im Writer’s Room allerdings schon. Dort hat man sich – der traurige Höhepunkt – auch noch bei der Quantenverschränkung bedient. Sie schleudert die „Enterprise" erst in die Vergangenheit und danach in die Zukunft. Absurd, denn auch die Quantenverschränkung ist halt das, was den irreversiblen Zeitpfeil bestimmt und Reisen in die Vergangenheit grundsätzlich unmöglich macht. Aus Science-Fiction wird Magic Fiction, wenn man das ignoriert.

Episode 2: The Griffin Incident

La‘An, Spock und Kirk befinden sich mit dem Shuttle auf dem Rückweg zur „„Enterprise"“. In einer Asteroiden-Region entdecken sie die verschollene „U.S.S Griffin“, deren Verschwinden nie geklärt werden konnte. Als die drei das Föderationsraumschiff der Constitution-Klasse betreten, stellen sie fest, dass das Schiff für eine Stunde die Energie besitzt, um es teilweise reaktivieren zu können. Man findet allerdings keine toten Besatzungsmitglieder, nur ein Video-Protokoll der Sicherheitsoffizierin Rose Harper lässt vermuten, dass die Besatzung wahnhaft wurde. Ein Großteil der Crew wurde ins All gebeamt, ein Teil wurde auf andere Weise getötet. War etwa die Sicherheitsoffizierin wahnsinnig oder versuchte sie, eine unbekannte Macht zu bekämpfen? Bevor diese Frage beantwortet werden kann, begegnet La’an einem zombiehaften Wesen.

Der Ausflug ins Horrorgenre ist nicht neu

„The Griffin Incident“ ist wieder einmal ein Genrewechsel. Das Horrorgenre ist im Star Trek-Kosmos allerdings nicht neu. In „The Next Generation“ S4E7 findet Captain Picard ebenfalls ein vermisstes Raumschiff. Allerdings findet man in „Night Terrors“ die Leichen der Mannschaft an Bord. Offenbar habe sich alle in einem Anfall von Paranoia umgebracht. Wenig später wird auch Picards Mannschaft wahnhaft. Allerdings können die mysteriösen Ereignisse am Ende aufgeklärt werden.

Nicht nur Fankreisen gilt „The Haunting on Deck Twelve“ (Star Trek: Voyager“ S6E25) als eine der besten Episoden im Voyager-Kosmos. Während eine gefährlichen Lebensform das Schiff außer Gefecht setzt, erzählt Neelix einigen Kindern ein Geistergeschichte.

Aber auch in „Deep Space Nine“ S5E24 fehlte der Horror nicht. „Empok Nor“ hatte aber weniger mit Mystery zu, sondern mit Cardassianern, die sich auf einer verlassenen Raumstation durch eine Droge in blutrünstige Monster verwandelten. Die Droge droht nun auf O’Briens Team überzuspringen. In TNG, aber auch in der DS9 hatte Bryan Fuller als Autor die Hände im Spiel.

Im Gegensatz zu den genannten Klassikern gibt es in „The Griffin Incident“ am Ende keine Aufklärung des Spuks. Zuvor werden La‘an, Spock und Kirk durch eine mysteriöse Macht malträtiert, die dem Team verspricht, dass sie auf den „Griffin“ ihre Freiheit wiederfinden werden. In keiner Minute weiß der Zuschauer, ob das Team dabei mit Halluzinationen konfrontiert wird oder mit künstlich erzeugten Wiedergängern. La’An nimmt sogar in Harpers Video deren Platz ein und spricht zu sich selbst. Da sie sich nach der letzten Episode nicht mehr sicher sein kann, ob sie eine genetische Veränderung erfährt, wird sie am härtesten mit ihren Traumata, Identitätsproblemen und Ängsten konfrontiert.

Kirk verwandelt sich in einen Besessenen, der davon überzeugt ist, dass sich sein Sohn (der in „Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock“ ums Leben kommt) auf der „Griffin“ befindet. Spock muss dagegen mit dem Erscheinen seiner Ex T’Prin klarkommen, die sich in eine Furie verwandelt und Spock die Spitzen seiner Ohren abschneidet. Nur so könne er seinen vulkanischen Teil der Persönlichkeit loswerden. Real? Oder eine Halluzination, die Spock zwingt, sich selbst zu verstümmeln?

Selbst als Pike mit einem Rettungsteam auftaucht, ahnt man, dass dies nicht das Ende der Schrecken ist. Spätestens dann, als sich Pike die Finger seiner linken Hand abschneidet. 
Aber „The Griffin Incident“ ist nicht durchgehend eine Splatter-Episode. Als sich Kirk nach dem Eintreffen des Rettungsteams mit seinem Bruder aus Sicht eines Vaters über die Balance von Familie und Sternenflotte unterhält, wird man Zeuge eines empathischen Gesprächs – bis Kirks Bruder auf grauenhafte Weise ums Leben kommt. Auch er war ein Fake. 
Ziemlich real ist allerdings der Mordversuch von La’An, die Kirk ein langes Messer durch seinen Körper rammt. Hätte David Cronenberg Regie geführt, wäre der Body Horror keine Überraschung gewesen. So ist die Episode eine der grausamsten, die man im Star Trek-Kosmos gesehen hat.

„The Griffin Incident“ gehört den gelungenen SNW-Episoden. Dicht inszeniert und exzellent gefilmt erzeugt die klaustrophobische Stimmung ein Gefühl von Aussichtslosigkeit. Auch wenn man ahnt, dass die Crew wohl kaum vollständig annihiliert werden kann, rechnet man ständig mit dem Tod von Schlüsselfiguren. 

Am Ende ist es Spock, der dank seiner Logik angeschlagen in die Realität zurückkehren kann. Auch Kirk überlebt. La’An ist durch ihren Kontrollverlust mit dem Unbekannten in ihr traumatisiert worden. Keine erfreulichen Perspektiven. Das Ende der Episode kann man leider nur als „flüchtig“ bewerten. Aber man ahnt, dass die Ereignisse auf der „Griffin“ Kirk, Spock und La’An irgendwann einholen werden.

Note: 1,5

Episode 3: Human Best Friend

Um es auf den Punkt zu bringen: Dies war eine der schlechtesten Star Trek-Episoden ever. Es bleiben allerdings drei Fragezeichen: Warum habe ich fast 50 Minuten pausenlos gelacht?

Zunächst der Plot: Natürlich musste auf „The Griffin Incident“, einer SNG-getrimmten Variation des Horrorgenres, eine total alberne Episode folgen. Dass auch in kanon-affinen Serien gelegentlich lächerliche Geschichten auftauchten, wird gerne verdrängt. In „Strange New Worlds“ sind dies aber keine Querschläger, sondern alles folgt einer inhärenten Logik: querbeet durch alles Genres werden Plots entworfen, die - so fühlt es sich an – die Belastbarkeit des Zuschauers ausloten wollen. Oder deren Flexibilität. Vieles gelang ausgezeichnet, einiges ging in die Hose. 

Urlaubsepisoden konnte Star Trek noch nie

Geschrieben wurde die Episode von Kathryn Lyn, die zehnmal Scripts für „Star Trek: Lower Decks“ ablieferte. Schräger Humor war also zu erwarten. In „Human Best Friend“ geht es darum nur vordergründig darum, rechtzeitig an einem Ort zu sein, an dem unter der Ägide von Christopher Pike ein todernstes Friedensabkommen unterschrieben werden soll. Wer sich mit wem fetzt, spielt nicht die geringste Rolle. Es ist nur ein Versatzstück. Das eigentliche Thema: in der Alpha-Crew rumort es kräftig. Während andere Bordmitglieder in den wohlverdienten Urlaub abgereist sind, müssen die Alphas weiter schuften. 

Christopher Pike zeigt sich flexibel und gestattet allen einen Zwischenstopp auf Cesnar Grand, einem Ferienressort, das allen Besuchern die totale Entspannung verspricht. Das Problem: die Atmosphäre des Planeten besteht neben atembarer Luft auch aus Drogen. 
Bereits 10 Sekunden nach der Landung bricht daher das psychogene Chaos aus. Jedes Mitglied der Alpha-Crew geht auf seine eigene „Reise“. Alles grell und bunt und immer auf der Suche, eine Szene durch eine noch absurdere zu toppen. Bescheuerte Kostüme, emotionale Aussetzer und absurde Vorstellungen von Humor erinnern in dieser Episode eher an die Bedürfnisse von pubertierenden Jugendlichen. Durchaus witzig ist allerdings ein Werbeclip, der an die Animationsserie „Die Enterprise“ erinnert.

Um dem Irrsinn wenigstens noch ein Rest von narrativer Logik zu verabreichen, müssen die hoffnungslos verfeindeten Erica Ortegas und Schiffsingenieur Montgomery „Scotty“ Scott aufbrechen, um ihrem Captain einen Brief zu übergeben. Jawohl, einen Brief. Außerdem ist irgendwann auch das Shuttle verschwunden. Völlig überfordert muss sich das Duo durchs das Labyrinth der Vergnügungsorte durcharbeiten, damit man als Zuschauer sehen kann, was die Kollegen so treiben. Dabei macht Erica noch den stabilsten Eindruck, ein erzählerisches Muss, denn wenn auch sie den Verstand verloren hätte, wäre der Plot auseinandergefallen.

Völlig durchgeknallter Urlaub

Der Rest der Crew ist nicht mehr handlungsfähig. Pike ist völlig stoned und lässt sich lallend diverse Tatoos verpassen, während Spock dauerhaft eine Halluzination von James T. Kirk sieht und ansonsten Menschen nur noch als Pflanzen wahrnehmen kann. Seine Geistesverschmelzung mit einem Kaktus ist so grotesk, dass sich der TOS-Spock vor Scham die Kugel geben würde.
 
La’An Noonien-Singh verwandelt sich immer mehr in einer Todesfurie, die ein Kampfsport-Seminar anbietet und sich dann in das Oberhaupt einer kriminellen Gang verwandelt, das auf Beutezug geht. Sister Chapel spielt mit alten Damen Bingo, die sich als zombieähnliche Vampire entpuppen. Alles mit einer irren Hysterie, die Schlimmes ahnen lässt. Man merkt, dass auf diesem absurden Planeten die schlimmsten Bestandteile des Unbewussten einer Person ans Tageslicht befördert werden. Also ein Schuss „Hangover“ und als Zugabe etwas negative Psychoanalyse.

Geradezu peinlich ist am Ende die allerdings erwartbare Versöhnung von „Scotty“ und Erica. Keine Spur von zögerlicher Annäherung, von reflektiertem Verständnis. Beide finden stattdessen heraus, dass sie totale Versager sind: Scotty wollte Pilot werden, schrottete aber acht Shuttles. Klar: Erica wollte Ingenieurin werden, versagte aber während der Ausbildung. Das Scheitern verbindet sie und so werden sie Best Friends. Das wirkt nicht nur konstruiert, sondern wird innerhalb von drei Minuten pflichtschuldig abgewickelt.

Als beide ihr Shuttle finden, entdecken sie eine Bombe, fliegen davon und wollen sich solidarisch in den Tod stürzen. Gerettet werden sie durch eine punktgenaues Beamen. Und damit es nicht zu ernst wird, wird „Scotty“ dabei ein Finger abgerissen. M’Benga wird’s schon zusammenflicken. Zum Todlachen?
 
Zugegeben: einige „Reisen“ der Crew sind nicht schlecht. Die Karaoke singende „Number One“ gehört dazu. Interessant sind auch Spocks mentale Probleme. Am Ende erkennt er, dass er keineswegs eine Halluzination von Kirk gesehen hat, sondern den echten Kirk (der komischerweise nicht auf die Cesnar Grand-Drogen reagiert). Aber auch das wird durch den Kakao gezogen. Denn Spock hat Kirk seine intimsten Geheimnisse, seine Ängste und Kindheitserfahrungen anvertraut. Bevor man Empathie für den Vulkanier und seinem Bedürfnis nach Vertrauen entwickeln kann, zerfetzt ein blöder Kalauer die Szene. Alles just for fun.

Warum der Rezensent gelacht hat? Nicht über eine humorvolle Episode, die keine war, sondern darüber, dass dieses Übermaß an Frechheit nicht zu erwarten war. Was in „Human Best Friend“ geschah, war die kalt konstruierte Dekonstruktion all dessen, was Star Trek mal war.
 
Ästhetisch war die Serie grandios. Die Settings überzeugten, die Kameraarbeit war tadellos. Und einige kurze Gags waren wirklich ziemlich witzig. Und vielleicht gibt es ja eine Zielgruppe, die sowas gerne sehen wollen. Die dürfen sich aber keine alten Star Trek-Serie sehen, denn dann erwartet sie ein Kulturschock.

Note: 4 

Für das erste Drittel der 4. Staffel ergibt dies einen Durchschnittswert von 2,6.