Donnerstag, 26. Dezember 2024

Best of 2024 - die besten Serien

Jedes Jahr steht unter einem anderen Stern. 2024 waren es zwei. Der erste heißt „Taylor Sheridan“ – ein Überriese (ja, diesen Sternentyp gibt es!) mit enormer Leuchtkraft. Der zweite heißt „Franchise“ und der wiederum ist ein Unterriese.
Gelistet werden im folgenden Beitrag die besten Serien des zurückliegenden Jahres. Kinofilme werden diesmal nicht berücksichtigt. Dass der Verfasser seit fünf Jahren kein Kino mehr besucht hat und Kinofilme nur noch gelegentlich streamt, ist bedauerlich, spiegelt aber den zeitlichen Aufwand beim Sichten von Serien wider.

Dienstag, 19. November 2024

Alex Cross - ordentlicher Serienauftakt mit Macken

Frauen sollten lernen, dass charmante und gutaussehende Männer, die kultiviert auftreten, aber keinen ironiefreien Satz über die Lippen bringen und zwanghaft witzig sein wollen, entweder unsichere Kantonisten oder manipulative Narzissten sind. Letzteres ist dann lebensgefährlich, wenn sich der Traummann bereits beim ersten Date als Serienkiller entpuppt. Die romantischen Gefühle verfliegen rasch, wenn der Bösewicht seinem Opfer mit Hammer und Meißel die Zähne herausschlägt und dabei keineswegs seine vorzüglichen Manieren aufgibt.

Wer sich die neue Amazon Prime Video-Serie „Alex Cross“ anschaut, kann also eine Menge über toxische Männer lernen. Figuren, die man nicht zum ersten Mal in einem Thriller sieht. Überzeichnet man sie, werden sie zu Karikaturen. Auch Showrunner Ben Watkins verzichtet nicht auf dieses Genreklischee. Vielmehr fügt er der Story noch weitere hinzu. Erstaunlich: Obwohl die meisten Plot Points vorhersehbar sind, ist „Alex Cross“ weniger als Thriller, sondern mehr als Charakterdrama durchaus spannend und kann zum Bingen an einem verregneten Wochenende uneingeschränkt empfohlen werden.

Montag, 4. November 2024

The Walking Dead: Daryl Dixon Season 1 und 2

Frischen Wind in der Mär von den Untoten, die menschenfressend die menschliche Zivilisation zu Grunde richten, bringen vermutlich nur noch neue Drehorte mit pittoresken Schauplätzen. Das ist der neuen Serie aus dem „The Walking Dead“-Kosmos in den ersten beiden Staffeln gelungen.

Im Sequel „Daryl Dixon“ bewegen sich Norman Reedus als Daryl Dixon und ab Staffel 2 auch Melissa McBride als Carol Peletier nicht mehr in der entvölkerten amerikanischen Provinz, sondern in Paris und auf einer Insel in der Normandie, auf der ein Stück Weltkulturerbe zu besichtigen ist: die spektakuläre Abtei Mont-Saint-Michel. Die entstand im Jahr 708 n. Chr. und niemand konnte damals ahnen, dass sie dereinst von Zombies überrollt werden könnte.

Donnerstag, 10. Oktober 2024

„Rematch“ – Die Miniserie über das Schachmatch Kasparov vs. „Deep Blue“

ARTE und Schach – das ist eine besondere Beziehung. Der Spartensender hat in der Vergangenheit immer wieder Filme über Schach ins Programm aufgenommen. Im Webmagazin Blow Up - Das aktuelle Filmgeschehen zeigt ARTE in 20 Minuten, dass es kaum Filme gibt, in denen nicht Schach gespielt wird. Mal geht es dabei erotisch zu wie bei Faye Dunaway und Steve McQueen in Norman Jewisons The Thomas Crown Affair". Oder hochdramatisch. In Ingmar Bergmans Das siebte Siegel" spielt ein Ritter mit dem Tod um sein Leben und in Stanley Kubricks 2001 - A Space Odyssey" verliert ein Kosmonaut völlig chancenlos gegen den Bordcomputer.

Aktuell gibt es bei ARTE zwei neue Angebote: die 54-minütige Doku „Garri Kasparov – Rebell und König des Schachspiels“ und die 6-teilige fiktive Miniserie „Rematch“, die vom legendären Kampfs des Weltmeisters gegen den IBM-Computer „Deep Blue“ erzählt (1996/97). Sehenswert sind beide Memorabilien des Schachs auf jeden Fall. Die folgende Rezension beschäftigt sich mit der Frage, ob „Rematch“ den historischen Fakten gerecht wird.

Sonntag, 29. September 2024

„Wolfs“ – tolle Stars, schwaches Drehbuch

Geld und Qualität gehen nicht immer Hand in Hand. 85 Mio. US-Dollar sollen George Clooney, Brad Pitt und Regisseur/Autor Jon Watts als Zugpferde erhalten haben, um Apple TV+ einen fetten Blockbuster zu ermöglichen. Das ging in die Hose.

Dabei hat die Geschichte von zwei Cleanern, die für zwielichtige Auftraggeber den Dreck (meistens Leichen) verschwinden lassen, durchaus das Potential für eine veritable Buddy-Story. Aber Jon Watts, der das Drehbuch geschrieben hat, gelingt es fast zwei Stunden lang nicht, den Hauptfiguren irgendetwas ins Drehbuch zu schreiben, was Spannung und Neugier erzeugt. Das Schlimmste: Es wird bereits über ein Sequel nachgedacht.

Mittwoch, 21. August 2024

Civil War - Alex Garlands unentschlossener Film

Alex Garland ist ein anstrengender Filmemacher. „Ex machina“ (2015) war ein sehr differenzierter Film über eine KI, die überleben will. Über „Annihilation“ (2018) schrieb ich, dass der Film schön aussieht, aber schweigt. Die Note „2“ gab es für beide Filme. Garlands Mini-Serie „Devs“, die einige Kritiker als kulturgeschichtliches Highlight verorteten, entpuppte sich dagegen als pseudowissenschaftlicher Versuch mit banalen Erkenntnissen. Note: 4.

Fazit: Es wurde immer schwerer, dem auteur Alex Garland auf seinen verschlungenen Pfaden zu folgen. In seinem neuen Film „Civil War“ überschüttet Garland den Zuschauer nicht mit philosophischen Diskursen über Quantenphysik und freien Willen. Nein, im Gegenteil: Der Film verschweigt erneut etwas. Nämlich das Thema. Der Film hätte den Sinn und Unsinn von Kriegsfotografie verhandeln können. Das tut er nicht. Und obwohl die Analogie zu aktuellen Problemen in den USA den Zuschauer förmlich anspringt, lehnt Garland diesen Zusammenhang ziemlich deutlich ab. Unterm Strich ist das zu fade Kost.

Mittwoch, 14. August 2024

Flashback-Kritik: Warum man Tim Robbins' Film „Bob Roberts“ unbedingt sehen sollte

Unter dem Label Flashback-Kritik werden in diesem Blog ältere Arbeiten von mir veröffentlicht. Nicht alles, was alt und betagt ist, ist aus der Zeit gefallen. Manches kehrt nach Jahrzehnten zurück und erweist sich als prophetisch.

Tim Robbins‘ grandioser Film „Bob Roberts“ ist 32 Jahre alt, aber erschreckend aktuell. Erzählt wird die Geschichte eines Politikers, der als ultrarechter „konservativer Rebell“ mit allen Mitteln Senator werden will. Bob Roberts tritt als Folk-Sänger auf und begeistert seine Anhänger mit menschenverachtenden Songs. Er manipuliert erfolgreich die Medien, ein Mann, der lügt und keine Skrupel kennt. „Bob Roberts“ spielt im Jahr 1992. Zu diesem Zeitpunkt saß ein Mann namens Donald Trump auf einem Schuldenberg von mehr als 3 Milliarden US-Dollar. Die folgende Kritik beschäftigt sich mit einem fiktiven Politiker. Ähnlichkeiten mit realen Politikern sind natürlich purer Zufall.

Sonntag, 28. Juli 2024

The Veil - Elisabeth Moss als Agentin in einem mittelmäßigen Thriller

Serien setzen beim Kampf um die Quoten auf ein As im Ärmel, um im harten Streaming-Wettbewerb nicht abzuschmieren. In Steven Knights „The Veil“ ist es Elisabeth Moss, die als Trumpfkarte ausreichende Bindungskräfte beim Zuschauer freisetzen soll. Moss, wohl eine der facettenreichsten Schauspielerin der letzten 20 Jahre, gelingt dies wieder einmal exzellent.

Aber auch Moss kann den am Ende überdrehten Sechsteiler nicht retten. Nach einer guten ersten Staffelhälfte verliert die Serie mit zu vielen Twists die Balance. Weniger wäre mehr gewesen. Eine John le Carré-Geschichte ist „The Veil“ nicht geworden.

Montag, 22. Juli 2024

„We Were The Lucky Ones" - eine Geschichte über das Überleben des Holocaust

Nach Deutsches Haus", einer Serie über den ersten Auschwitz-Prozess in Nürnberg, nahm Disney+ mit We Were The Lucky Ones“ eine weitere Serie über Shoah und Holocaust ins Programm auf. Die Serie umfasst die Jahre 1939-1945 und erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie in Polen. Die Kurcs haben kaum eine Überlebenschance, werden in alle Winde zerstreut und überleben am Ende doch.

We Were The Lucky Ones“ hat gelegentlich mit dem Pacing zu kämpfen, verweist aber sehr subtil über den historischen Rahmen hinaus auf den aktuellen Antisemitismus in Europa. Dem Rezensenten hat die Serie deutlich besser gefallen als der Film The Zone of Interest“. Der wurde von den Kritikern gefeiert, während die Serie von Erica Lipez weitgehend ignoriert wurde. 

Samstag, 13. Juli 2024

Der verrückte Sherlock Holmes (1971)

1971 kam ein Film in die Kinos, der über ein halbes Jahrhundert später in die Rubrik „verlorene Filme“ passte. Also ein Film, den man nicht einmal in der Nacht auf einem Spartensender sehen kann. „Der verkehrte Sherlock Holmes“ (They Might Be Giants) ist so ein Film. Jahrzehntelang konnte ich einen meiner Lieblingsfilme nicht auftreiben. 

Nun gibt es ihn offenbar doch: auf Bluray (englische Fassung, extrem teuer) und als deutlich preiswertere DVD mit einem mehr als ordentlichen Bild. Eine Neuentdeckung lohnt sich.

Sonntag, 9. Juni 2024

The Walking Dead: The Ones Who Live - ein ordentlicher Abschied von Rick und Michonne

Eines der letzten ungelösten Rätsel war das Schicksal von Rick Grimes. Andrew Lincoln, der Hauptdarsteller der Zombie-Serie The Walking Dead", wollte aussteigen, sagte aber für ein bis zwei Kinofilme zu, um die Geschichte vernünftig zu beenden.

Aus den Kinofilmen wurde nichts, aber das Spin-Off „The Ones Who Live” beantwortet nun nicht nur die Frage nach Ricks Schicksal, sondern trennt sich auch von einigen langweiligen Klischees. Die Episoden wirken frisch und was Showrunner Scott M. Gimple und seine als Executive Producer beteiligten Stars gemeinsam austüftelten, ist auch psychologisch plausibel. Dass die Hauptfigur demontiert wird, verblüfft zunächst. Fans der ersten Stunde werden trotzdem auf ihre Kosten kommen.

Dienstag, 4. Juni 2024

Dune – Part Two - ein kompliziertes Vergnügen

Fast drei Jahre hat es gedauert, bis Denis Villeneuve den zweiten Teil des ersten Teils auf die Leinwand gebracht hat. Gut, dies ist eine gestelzte Beschreibung, aber sie soll jene Zuschauer, die nicht zu den enthusiastischen Herbertians gehören, daran erinnern, dass wir bislang ‚nur‘ die Verfilmung des ersten Buchs der Trilogie sehen konnten.

Das wird nicht reichen. Es wäre tragisch, wenn erneut ein Filmemacher über den Prolog nicht hinauskommt. Denn die Essenz der Geschichte, die Frank Herbert eigentlich erzählen wollte, findet man in „Dune Messiah“ (Der Herr des Wüstenplaneten) und „Children of Dune“ (Die Kinder des Wüstenplaneten), dem zweiten und dritten Teil der Trilogie. Dort wird die Geschichte des gescheiterten Imperators, Madhi und Messias Paul Atreides erzählt, der auf dem Höhepunkt seiner Macht depressiv darüber nachdenkt, ob er ein neuer Adolf Hitler geworden ist.

Samstag, 1. Juni 2024

Star Trek: Discovery, Staffel 5 – ein Nachruf

Mit der fünften Season endete die Geschichte um Captain Burnham und ihre Crew. Vier Staffeln lang ging es qualitativ auf und ab. Das Serienende bot dann ordentlichen Durchschnitt. Es war auch nicht zu erwarten, dass „Star Trek: Discovery“ sich in der letzten Staffel neu erfindet.

So trat die doch ziemlich teure „Discovery“ mit gepflegtem Mittelmaß und viel Nostalgie die Reise in den Serienhimmel an. Und so traurig es ist: Im Großen und Ganzen ist die fünfte Staffel so bräsig, dass man sich etwas nur schwer vorstellen kann - nämlich, sich das Ganze ein zweites Mal anzuschauen. Abgesehen vom gelungenen Staffelende holte einen die Story nicht ab. Für eine Star Trek-Serie ist das der finale KO-Schlag.

Samstag, 25. Mai 2024

Borders - TV-Serie über ein zerrissenes Israel

Die deutsch-israelische Produktion „Borders“ könnte angesichts des Kriegs im Gaza-Streifen ein Prequel sein. Ist sie aber nicht. Das beseitigt eine gewisse Beklemmung beim Zuschauer aber nicht.
Ari, Kobi und Miri heißen die Hauptfiguren, die als Rookies beim israelischen Grenzschutz Tag für Tag ihr Leben riskieren. Es ist ein ungleiches Trio, denn nur Miri ist eine überzeugte Kämpferin. Ari und Kobi ist der patriotische Dienst dagegen herzlich egal – beide brauchen ihre Uniform und ihre Waffen, um mit einer arabischen Gang abzurechnen. Dann kommt alles anders.

Die Serie (Originaltitel: Mischmar HaGvul) war bereits vor dem 7. Oktober abgedreht. Trotzdem deutet die Geschichte, die der 45-jährige Regisseur und Autor Meni Yaish erzählt, immer wieder den Wahnsinn an, der den israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt seit Jahrzehnten begleitet hat und in einen Krieg mündete, in dem jedes Maß verlorenging. In den acht Episoden von „Borders“ folgt man den Figuren in einen multi-ethnischen Hexenkessel, in dem nicht nur die religiösen, sondern auch die kulturellen Dissonanzen alles jederzeit in Chaos und Gewalt verwandeln können. Dann überholte der Hamas-Terror die serielle Fiktion. So betrachtet ist „Borders“ ein vieldeutiger Titel. Zu sehen ist die Serie bei ZDFneo, auch in der Mediathek.

Sonntag, 21. April 2024

„Fallout“ – mittelmäßige Verfilmung des PC-Spiels

Um es vorwegzunehmen: beinahe alle Kritiker, die das gleichnamige Computerspiel kennen, sind mit der neuen Amazon-Serie „Fallout“ rundum zufrieden. Und die wenigen, die eher skeptisch sind, loben die Macher dafür, dass sie die Atmosphäre des Spiels überzeugend in das Serienformat überführt haben. Immerhin.

Nun hat eine Serie auch die Zielgruppe zu bedienen, die mit dem PC-Spiel nichts am Hut hat. Der Rezensent gehört dazu, hatte zuletzt mit Spieladaptionen aber gute Erfahrungen gemacht. Man musste nicht Fan und Kenner des Spiels sein, um in Serien wie „The Last of Us“ exzellentes Storytelling zu erleben. Über „Fallout“ by the way zu schreiben ist dagegen schwierig. Das Problem: die Serie wird von vielen Kritikern als der größte Geniestreich dieses Jahres gefeiert. Und das ist sie definitiv nicht.

Sonntag, 7. April 2024

„Charité“ - mit der vierten Staffel geht die Erfolgsserie zu Ende (TV-Kritik)

2017 fesselte die ARD-Serie „Charité“ über 8 Mio. Zuschauer. Der Marktanteil war mit 25% eine Sensation. Die beiden folgenden Staffeln sackten etwas ab, konnten aber immer noch Quoten um die fünf Millionen erzielen, obwohl die dritte Staffel nur noch aus drei Episoden bestand.

Mit der vierten Staffel geht das Erfolgsmodell zu Ende. Neu ist, dass nicht mehr die Medizingeschichte im Mittelpunkt steht, sondern die mögliche Entwicklung des mythischen Krankenhauses. Die Geschichte der Charité spielt nämlich im Jahr 2049.

Samstag, 30. März 2024

„Three-Body” – die chinesische Serie über die Trisolaris-Trilogie

Dass die Trisolaris-Trilogie von Liu Cixin irgendwann verfilmt werden würde, war klar. Brandaktuell ist die Netflix-Adaption „3 Body Problem“, die den ersten Roman "Die drei Sonnen" seit dem 21.3. im Schnelldurchlauf präsentiert. Was wohl nicht jeder weiß: die Chinesen waren mit einer eigenen Serie deutlich schneller!

Bereits Anfang 2023 ging in China „Three Body“ an den Start, eine Serie, die von Tencent Video und dem nationalen Television Channel CCTV produziert wurde. Netflix ist momentan zwar in aller Munde, wurde aber nur Zweiter. Die folgende Rezension beschäftigt sich ausschließlich mit der chinesischen Serie, die es in Deutschland bei Rakuten Viki zu sehen gibt. Urteil: Absolut empfehlenswert. Die chinesische Serie ist richtig gut!

Freitag, 15. März 2024

Masters of the Air

Die von Steven Spielberg und Tom Hanks produzierte Serie über eine legendäre Bomberstaffel der US- Air Force wurde bereits lange vor der Ausstrahlung als einer der großen Serien-Events des Jahres angekündigt. Nachdem HBO aus der Finanzierung ausstieg, war Apple bereit, 250 Mio. US-Dollar in das Serienprojekt zu investieren.

Gelohnt hat sich der Aufwand auf jeden Fall. Der Look von „Masters of the Air“ ist makellos. Inhaltlich ist die Serie ein Alptraum – aber nicht, weil die Geschichte schlecht erzählt wird, wie einige Kritiker meinen. Sondern weil sie historisch authentisch ist und mit bedrückenden Bildern an ein düsteres Kapitel des Zweiten Weltkriegs erinnert – Ereignisse, die man auf den ersten Blick nicht glauben mag: Von den Einsätzen gegen Nazi-Deutschland kehrten zwei Drittel der Flugzeuge nicht zurück. Manchmal sogar kein einziges.

Mittwoch, 6. März 2024

„True Detective - Night Country“ - gut, aber nicht perfekt!

Vorweggenommen: Die HBO-Serie ist der vierte Teil der „True Detective“-Anthologie - und er ist besser als die Teile 2 und 3, an die man sich kaum noch erinnert. Mit Showrunner Issa López hat nun eine Autorenfilmerin mit einer eigenen Handschrift Spuren im Franchise hinterlassen. Entstanden ist eine dichte und intensive Serie, die etwas holperig startet, dann aber mit Wucht und Konsequenz zu Ende erzählt wird. Das Serienfinale wird aber nicht jedem schmecken.

Das hat einen Grund: López wollte die erste Staffel spiegeln. Das Ergebnis: „True Detective – Night Country“ enthält eine Vielzahl von Anspielungen und Querverweisen, die sich am Ende als Fake herausstellen. Als Unreliable Narrator, also ein Erzähler, dem man nicht trauen kann, fixt López in der sechsteiligen Serie den Zuschauer geschickt mit Elementen aus der ersten Staffel an, am Ende hat nichts davon eine Bedeutung. Damit wird das Potential einer durchweg spannenden Erzählung vergeudet. Schade.

Mittwoch, 28. Februar 2024

Foundation – ein Rückblick

68 Mio. US-Dollar standen Davis S. Goyer und Josh Friedman für die erste Staffel als Budget zur Verfügung. Im Vergleich mit anderen Serien ist das beinahe sparsam, erst recht, wenn man einen Roman seriell verfilmen will, der seit über 70 Jahren das Siegel „Unverfilmbar“ trägt.
Am Ende hat Apple TV ein Premium-Produkt erhalten, das den Ruf des Streamingsportals aufmöbelt: Apple TV ist das neue HBO: risikofreudig, innovativ und beharrlich. Die Verfilmung der „Foundation“-Trilogie von Isaac Asimov ist eine pralle und visuell überragende Erzählung geworden, die über weite Strecken neue Maßstäbe im Science-Fiction-Genre setzt, auch wenn nicht alles immerzu rund läuft. Die Puristen werden abwinken, denn von Asimovs legendären Romanen ist in der Serie nur wenig übriggeblieben. Wer unbefangen bleibt, wird durch zahlreiche Überraschungen belohnt, und mit intelligenten Kommentaren, die alles andere als eskapistisch sind. Die dritte Staffel von „Foundation“ ist bereits in Arbeit.

Mittwoch, 31. Januar 2024

Marvel ist tatsächlich am Ende

Als ich im März des vergangenen Jahres raunte, dass Marvel am Ende ist, hatte ich nicht erwartet, dass es so schnell gehen würde. Nach dem Kassenflop „The Marvels“ scheint es unmöglich geworden zu sein, die Krise des Franchise zu leugnen. Zum ersten Mal erreichte Disney die magische Marge von 200% nicht.

250 Mio. US-Dollar hat der neue MCU-Film gekostet (Stand: 29.1.2024), mindestens 500 Mio. hätte er verdienen müssen - eingespielt wurden 206 Mio. Alarmierend ist auch, dass der Marvel-Film in den USA nur 84,5 Mio. US-Dollar in dies Kassen spülte. Zweistellig! Auf dem heimischen Markt? Das gab es noch nie! Und die Reaktion? Disney beendete kleinlaut die Kinoauswertung und wird „The Marvels“ bereits Anfang Februar in seinem Streamingportal zeigen.

Freitag, 26. Januar 2024

„The Creator“ - schön, aber belanglos

Gareth Edward hat 2010 als Autor und Regisseur mit „Monsters“ einen poetischen und beinahe kontemplativen Sci-Fi-Horrorfilm geschaffen, der lässig und mit geringem Budget viele Genrekonventionen wegsprengte und von einer Alien-Invasion in magisch-mythischen Bildern erzählte. Edwards „Godzilla“ wurde vier Jahre später zum Kassenschlager, 2016 folgte mit „Rogue One: A Star Wars Story“ ein weiterer Hit.

Edwards neuer Film wurde etwas preiswerter produziert, landete aber ebenfalls in der Gewinnzone. „The Creator“ erzählt vom globalen Krieg der Menschen gegen die Künstliche Intelligenz. Aber anders als erwartet. Denn Edwards durchkreuzt einige Genremuster und schlägt sich die Seite der KI, die Opfer eines von der US Army brutal inszenierten Genozids wird. Das ist eine kluge Story-Idee mit berauschend schönen Bildern. Aber unterm Strich fehlt dem Film die erzählerische Eleganz von Edwards Debütfilm.

Sonntag, 14. Januar 2024

The Walking Dead: Dead City

Totzukriegen sind die Beißer auf die bekannte Weise. Man zerstört ihr Gehirn. Im neuen Sequel von „The Walking Dead“ bringen sie sich nun auch selbst um - auf ungewöhnliche Weise.
Denn in „The Walking Dead: Dead City“ regnet es Zombies, und zwar von den Skyscrapern. Oft im Sekundentakt zerplatzen die Untoten auf dem Pflaster der Mega-City. Wer nicht schnell genug ist, wird von den Walkern nicht gefressen, sondern erschlagen. Trotz dieser Gefahren suchen Maggie und Negan in Manhattan, der „toten Stadt“, nach Maggies entführtem Sohn Hershel. Man ahnt es rasch - der konstruierte Plot hat nur eine Aufgabe, nämlich beliebte Figuren aus dem TWD-Kosmos in einer neuen Umgebung zu präsentieren. An der globalen Zombie-Apokalypse hat sich ansonsten nichts geändert. Die wahre Gefahr geht von den Menschen aus.