Im ersten Teil der „Reise in die Kälte“ habe ich vom zivilisatorischen Showdown in der arktischen Kälte berichtet, und damit auch von der Auflösung der zivilen Ordnung. Im Neo-Western „Wind River“ ist die Natur genauso unbarmherzig wie in der AMC-Serie „The Terror", die Menschen sind es auch, aber die Ordnung wird in Taylor Sheridans Film auf biblische Weise wiederhergestellt. Der Geheimtipp des letzten Kinosommers ist seit Anfang Juni als Bluray, DVD und als Stream verfügbar. Man sollte ihn sich nicht entgehen lassen.
„Wind River“ ist die erste Regiearbeit von Taylor Sheridan. Sheridan hat für Denis Villeneuve das Drehbuch für den Drogen-Thriller „Sicario“ geschrieben. Wenn Benicio del Toro dort nach dem blutigen Ende seiner Kollegin rät, in eine Stadt zu ziehen, in der Recht und Ordnung herrschen, dann könnte er wohl nicht die Wind River Indian Reservation in Wyoming gemeint haben.
Samstag, 23. Juni 2018
Dienstag, 19. Juni 2018
Professor Marston & The Wonder Woman
Ein verblüffender Film. Wer sich fragt, wie eine der beliebtesten Figuren in den DJ-Comics entstanden ist, wird sicher nicht auf die Idee kommen, dass der Schöpfer dieser Superheldin recht unkonventionelle Vorstellungen über Sex hatte. Liebe zu dritt, Spanking und Bondage einbegriffen. Angela Robinson hat daraus einen elektrisierend erotischen Film gemacht.
1945: William Moulton Marston wird auf Schärfste angehört. Er sitzt vor einem Komitee der Child Study Association of America, einer Ansammlung stockkonservativer Puristen. Ihnen soll er erklären, warum in seinen Comics die Superheldin „Wonder Woman“ gerne fesselt und gefesselt wird, warum den Figuren lustvoll der Hintern versohlt wird und warum Marstons Comic-Heldin offenbar ein Faible für lesbische Liebe entwickelt hat. Ein Verbrechen im prüden Amerika. Martons Verteidigungsrede ist also ein hoffnungsloses Unterfangen, denn in den USA werden Kinder angehalten, öffentlich ihre Comics zu verbrennen. Es sind Bilder, die unverkennbar an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten erinnern.
1945: William Moulton Marston wird auf Schärfste angehört. Er sitzt vor einem Komitee der Child Study Association of America, einer Ansammlung stockkonservativer Puristen. Ihnen soll er erklären, warum in seinen Comics die Superheldin „Wonder Woman“ gerne fesselt und gefesselt wird, warum den Figuren lustvoll der Hintern versohlt wird und warum Marstons Comic-Heldin offenbar ein Faible für lesbische Liebe entwickelt hat. Ein Verbrechen im prüden Amerika. Martons Verteidigungsrede ist also ein hoffnungsloses Unterfangen, denn in den USA werden Kinder angehalten, öffentlich ihre Comics zu verbrennen. Es sind Bilder, die unverkennbar an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten erinnern.
Mittwoch, 13. Juni 2018
Reise in die Kälte I: Die AMC-Serie „The Terror“
In den Eiswüsten der Arktis gibt es scheinbar nur eine Todesart: Man erfriert. Die AMC-Serie „The Terror“ erzählt von der 1846 begonnenen Erkundungsfahrt der britischen Schiffe HMS Terror und HMS Erebus und erweitert die Palette der Möglichkeiten dabei sehr drastisch: Verhungern - natürlich das auch -, Erschöpfung, Wahnsinn und Siechtum durch langsame Bleivergiftung, Suizid durch Selbstverbrennung oder Gift, Ermordung durch die eigenen Kameraden. Und wenn das nicht reicht, taucht ein unbezwingbares Monster auf, das einem den Rest gibt. Wie soll man das überleben? Gar nicht.
Dienstag, 5. Juni 2018
The Path - Season 3
Das Ende kam etwas überraschend: Der Streaming-Anbieter Hulu setzte im Ende April „The Path“ nach weiterhin schlechten Quoten ab. Das ist schade, denn nach einer durchwachsenen 2. Season präsentierten sich Eddie Lane und seine Meyeristen wieder in Bestform.
Immerhin folgte die Serie drei Staffeln lang einer logischen Story Arc. In der ersten Staffel verlässt Eddie Lane (Aaron Paul) die Meyeristen-Bewegung aufgrund tiefer Glaubenszweifel. In Staffel 2 erfährt der kritische Zweifler, dass er vom todkranken Guru der Bewegung, Dr. Stephen Meyer (Keir Dullea: „2001 – A Space Odyssee), zum legitimen Nachfolger bestimmt wurde. Dieses Machtwort nutzte Eddie für eine Machtübernahme. Nun will er die Bewegung von allen restriktiven Regeln befreien und transparenter zu machen.
In Staffel 3 erzählen Jessica Goldberg und ihr Autorenteam nun davon, wie Eddie Lane mit seiner neuen Rolle und einigen unerwarteten Herausforderungen umgeht. Kann er die Bewegung neu ausrichten oder verliert er sich und seine Überzeugungen?
Immerhin folgte die Serie drei Staffeln lang einer logischen Story Arc. In der ersten Staffel verlässt Eddie Lane (Aaron Paul) die Meyeristen-Bewegung aufgrund tiefer Glaubenszweifel. In Staffel 2 erfährt der kritische Zweifler, dass er vom todkranken Guru der Bewegung, Dr. Stephen Meyer (Keir Dullea: „2001 – A Space Odyssee), zum legitimen Nachfolger bestimmt wurde. Dieses Machtwort nutzte Eddie für eine Machtübernahme. Nun will er die Bewegung von allen restriktiven Regeln befreien und transparenter zu machen.
In Staffel 3 erzählen Jessica Goldberg und ihr Autorenteam nun davon, wie Eddie Lane mit seiner neuen Rolle und einigen unerwarteten Herausforderungen umgeht. Kann er die Bewegung neu ausrichten oder verliert er sich und seine Überzeugungen?
Sonntag, 3. Juni 2018
The Secret Man
Der deutsche Verleih hat dem Originaltitel den Garaus gemacht: die Geschichte über einen der berühmtesten Whistleblower der US-amerikanischen Geschichte heißt im Original „Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House.“ Hierzulande trägt er den Titel „The Secret Man.“ Da denkt man sofort an de Secret Service. Weit gefehlt.
Liam Neeson sieht in Peter Landesmans Film nicht so aus wie in seinen vielen Actionthrillern. Man sieht ihm sein Alter vielmehr an. Graue Haare, die eher zu einem turmartigen Überbau arrangiert sind, ein hageres asketisches Gesicht ohne gesunde Farbe. Eigentlich sieht so jemand aus, der sterbenskrank ist.
Irgendwie realistisch. Neeson ist nun 66 Jahre alt und damit ein paar Jährchen älter als Mark Felt, als dieser 1972 beschloss, als Whistleblower den republikanischen US-Präsidenten Richard Nixon zu stürzen. Der ist trotz erster Watergate-Enthüllungen gerade für seine zweite Amtszeit gewählt worden und niemand kann sich vorstellen, dass er die Kontrolle über einen der größten Politskandale der US-Geschichte verlieren wird.
Liam Neeson sieht in Peter Landesmans Film nicht so aus wie in seinen vielen Actionthrillern. Man sieht ihm sein Alter vielmehr an. Graue Haare, die eher zu einem turmartigen Überbau arrangiert sind, ein hageres asketisches Gesicht ohne gesunde Farbe. Eigentlich sieht so jemand aus, der sterbenskrank ist.
Irgendwie realistisch. Neeson ist nun 66 Jahre alt und damit ein paar Jährchen älter als Mark Felt, als dieser 1972 beschloss, als Whistleblower den republikanischen US-Präsidenten Richard Nixon zu stürzen. Der ist trotz erster Watergate-Enthüllungen gerade für seine zweite Amtszeit gewählt worden und niemand kann sich vorstellen, dass er die Kontrolle über einen der größten Politskandale der US-Geschichte verlieren wird.
Freitag, 25. Mai 2018
The Avengers: Infinity War
Der neue Marvel-Film ist nicht nur der vorläufige Höhepunkt der Phase 3 im Marvel Cinematic Universe. Er wird auch klug erzählt und macht Spaß bis zu vorletzten Minute. Und er wird in einigen Wochen vermutlich der erfolgreichste Film aller Zeiten sein.
Der Kreis schließt sich: Megaschurke Thanos, der im ersten Avengers-Film mit seinen Truppen New York verwüstete, will endgültig das Gleichgewicht im Universum herstellen. Allerdings muss dafür jeder Zweite sterben, egal, ob Mensch oder Alien. Die erforderliche Power sollen ihm die Infinity-Steine geben, die als hochwertige McGuffins ausnahmsweise von großem Nutzen sind: für Thanos bedeuten sie die absolute Macht, für das Marvel Cinematic Universe etwas Ähnliches. Sie sind der Treibstoff, der die Geschichten der Superhelden zusammenhält und vorantreibt.
Der Kreis schließt sich: Megaschurke Thanos, der im ersten Avengers-Film mit seinen Truppen New York verwüstete, will endgültig das Gleichgewicht im Universum herstellen. Allerdings muss dafür jeder Zweite sterben, egal, ob Mensch oder Alien. Die erforderliche Power sollen ihm die Infinity-Steine geben, die als hochwertige McGuffins ausnahmsweise von großem Nutzen sind: für Thanos bedeuten sie die absolute Macht, für das Marvel Cinematic Universe etwas Ähnliches. Sie sind der Treibstoff, der die Geschichten der Superhelden zusammenhält und vorantreibt.
Samstag, 19. Mai 2018
The Rain - Wenig überzeugende Netflix-Serie
Mit der Teenager-Dystopie „The Rain“ hat NETFLIX eine biedere Geschichte auf die Reise geschickt, die uns acht Episoden lang in ein untergegangenes Dänemark führt. Der Schauplatz ist noch am originellsten.
Die junge Simone (Alba August) wird von ihrem Vater Frederik Andersen (Lars Simonsen) aus dem Unterricht und in ein Auto gezerrt, in dem schon ihre Mutter Ellen (Iben Hjejle) und ihr Bruder Rasmus (Lucas Lynggard Tonnesen) warten. Stunden später landen alle in einem unterirdischen Bunker. Draußen entlädt sich inzwischen eine gewaltige Regenfront. Jeder, der auch nur geringfügig mit dem Niederschlag in Berührung kommt, stirbt innerhalb weniger Sekunden. Der Regen verbreitet ein tödliches Virus.
Die junge Simone (Alba August) wird von ihrem Vater Frederik Andersen (Lars Simonsen) aus dem Unterricht und in ein Auto gezerrt, in dem schon ihre Mutter Ellen (Iben Hjejle) und ihr Bruder Rasmus (Lucas Lynggard Tonnesen) warten. Stunden später landen alle in einem unterirdischen Bunker. Draußen entlädt sich inzwischen eine gewaltige Regenfront. Jeder, der auch nur geringfügig mit dem Niederschlag in Berührung kommt, stirbt innerhalb weniger Sekunden. Der Regen verbreitet ein tödliches Virus.
Dienstag, 1. Mai 2018
Homeland Season 7: Und wieder herrscht der Kalte Krieg
In der siebten und wohl vorletzten Staffel von „Homeland“ wird die Geschichte der um Machterhalt ringenden US-Präsidentin Elizabeth Keane weitererzählt. Carrie Mathison verfolgt eine falsche Fährte und gerät immer tiefer in den Sumpf einer neuen Verschwörung. Dabei erfährt sie, dass sie eine Menge Medikamente braucht und eine schlechte Mutter ist.
So in etwa könnte man die neue Staffel von „Homeland“ auf den Punkt bringen. Etwas viel Stoff für zwölf Episoden, könnte man meinen. Stimmt, die neue Staffel platzt thematisch tatsächlich aus allen Nähten. Und das ist nicht immer übersichtlich, aber immer wieder gelingen der Show dabei bemerkenswerte Highlights. Diese Ups und Downs deuten an, dass sich die Showtime-Serie dem Punkt nähert, an dem alles auserzählt ist. So kommt es auch: es folgt noch eine achte Staffel, dann ist alles vorbei. Entscheidend dürfte aber nicht sein, dass Hauptdarstellerin Claire Danes ihr zweites Kind bekommt, sondern dass „Homeland“ seit langem im Quotentief feststeckt. Staffel 6 sackte auf einen Schnitt von knapp 1.3 Mio. Zuschauern ab, die neue Staffel hat diese Werte nicht korrigiert.
So in etwa könnte man die neue Staffel von „Homeland“ auf den Punkt bringen. Etwas viel Stoff für zwölf Episoden, könnte man meinen. Stimmt, die neue Staffel platzt thematisch tatsächlich aus allen Nähten. Und das ist nicht immer übersichtlich, aber immer wieder gelingen der Show dabei bemerkenswerte Highlights. Diese Ups und Downs deuten an, dass sich die Showtime-Serie dem Punkt nähert, an dem alles auserzählt ist. So kommt es auch: es folgt noch eine achte Staffel, dann ist alles vorbei. Entscheidend dürfte aber nicht sein, dass Hauptdarstellerin Claire Danes ihr zweites Kind bekommt, sondern dass „Homeland“ seit langem im Quotentief feststeckt. Staffel 6 sackte auf einen Schnitt von knapp 1.3 Mio. Zuschauern ab, die neue Staffel hat diese Werte nicht korrigiert.
Dienstag, 24. April 2018
Westworld - der Auftakt der zweiten Staffel
Zehn Folgen brauchte „Westworld“ in der ersten Staffel (The Maze), um sein Worldbuilding der Klimax zuzuführen. Dann wurde klar, dass die raffinierte Verzahnung unterschiedlicher Zeitebenen, die verschütteten Erinnerungen der Hosts und ihre eskalierenden ‚Funktionsstörungen‘ Teil eines verzwickten Plan waren.
Dr. Robert Ford (Anthony Hopkins) hatte seine Geschöpfe langsam auf den Tag X vorbereitet, und damit war nicht nur der Aufstand gemeint, sondern die Erlangung eines Bewusstseins. Die finale Revolte war aus Gründen der Selbsterhaltung dann recht alternativlos.
Dr. Robert Ford (Anthony Hopkins) hatte seine Geschöpfe langsam auf den Tag X vorbereitet, und damit war nicht nur der Aufstand gemeint, sondern die Erlangung eines Bewusstseins. Die finale Revolte war aus Gründen der Selbsterhaltung dann recht alternativlos.
Sonntag, 22. April 2018
The Handmaid’s Tale
Margaret Atwoods Roman The Handmaid’s Tale (1985, dts. Der Report der Magd) gehört zu den großen dystopischen Romanen der jüngeren Literaturgeschichte. 1990 hatte sich bereits Volker Schlöndorff an einer Verfilmung versucht, aber ausgerechnet dem relativ kleinen Video-on-Demand-Anbieter Hulu gelang 2017 mit einer zehnteiligen Serienadaption der große Wurf, und zwar lange vor MeToo.
Dienstag, 17. April 2018
The Walking Dead – das Saisonfinale. Und wieder ist keiner zufrieden
Die letzte Episode der 8. Staffel beendete nicht nur den „All Out War“, sondern präsentierte auch eine Schlusseinstellung, die so aussah wie das Ende der Serie. Schluss und Aus mit der Zombieapokalypse, Vater und Sohn gehen vereint in eine bessere Zukunft. Dazu wird es nicht kommen – es war ein Flashback. Ginge es nach einigen Kritikern und Fans, müsste „The Walking Dead“ auf der Stelle eingestampft werden.
Die achte Staffel endete verblüffend friedlich. Außer ein paar Statisten musste niemand sterben. Die Macher verzichteten trotz einiger auf Click Baiting spezialisierten Medien auf das angekündigte Massensterben wichtiger Figuren und auch Negans Schicksal folgte konsequent der Storyline der Comics.
Die achte Staffel endete verblüffend friedlich. Außer ein paar Statisten musste niemand sterben. Die Macher verzichteten trotz einiger auf Click Baiting spezialisierten Medien auf das angekündigte Massensterben wichtiger Figuren und auch Negans Schicksal folgte konsequent der Storyline der Comics.
Dienstag, 10. April 2018
Seven Seconds - Netflix präsentiert Serien-Highlight
„Seven Seconds“ ist eine Anthologie-Serie, die sich zwischen Krimi, Cops & Crime & Money-Stuff und Courtroom-Drama einpendelt, für ein Maximum an Spannung sorgt und dann mit einem verstörenden Ende die Zuschauer ratlos zurücklässt.
Ein Unglück kommt selten allein. Das erfährt der junge Cop Peter Jablonski (Beau Knapp) an einem winterlichen Morgen. Seine Frau steht kurz vor der Entbindung, er telefoniert hektisch. Dann kracht es. Jablonski weiß im ersten Moment nicht, wen oder was er überfahren hat, aber ein Bike unter seinem SUV lässt Schlimmes ahnen. Er ruft seine Kollegen an, sein Vorgesetzter Mike DiAngelo (David Lyons) erscheint mit dem ganzen Team und sagt, was zu tun ist: Spuren beseitigen, Wegfahren, Schweigen. Denn Di Angelo hat das Opfer gesehen, einen farbigen Jugendlichen. Cop überfährt Schwarzen, alles Weitere ist vorprogrammiert, no chance: „Für diese Scheiße werden sie dich kreuzigen!“
Ein Unglück kommt selten allein. Das erfährt der junge Cop Peter Jablonski (Beau Knapp) an einem winterlichen Morgen. Seine Frau steht kurz vor der Entbindung, er telefoniert hektisch. Dann kracht es. Jablonski weiß im ersten Moment nicht, wen oder was er überfahren hat, aber ein Bike unter seinem SUV lässt Schlimmes ahnen. Er ruft seine Kollegen an, sein Vorgesetzter Mike DiAngelo (David Lyons) erscheint mit dem ganzen Team und sagt, was zu tun ist: Spuren beseitigen, Wegfahren, Schweigen. Denn Di Angelo hat das Opfer gesehen, einen farbigen Jugendlichen. Cop überfährt Schwarzen, alles Weitere ist vorprogrammiert, no chance: „Für diese Scheiße werden sie dich kreuzigen!“
Mittwoch, 28. März 2018
Akte X – eine große Serie endet mit einem Desaster
Nach der Midseason kehrten die X-Files mit zum Teil grandiosen Folgen aus der Pause zurück. Die letzte Episode hatte erneut Chris Carter zu verantworten. Wie befürchtet gelang es nicht, Sully und Mulder einen würdigen Abgang zu verschaffen. Aber es gibt eine Lösung!
Die Lösung ist recht einfach: Man vergisst 11x10 „My Struggle IV“ einfach, streicht diese Folge komplett aus dem Gedächtnis und betrachtet die 9. Episode als Ende. Denn besser als „Nothing Lasts Forever“ kann ein Finale nicht aussehen. Zuvor zogen die Macher noch einmal alle Register und schenkten den Fans einige witzige Geschichten. Die zeigten, dass man mit guten Scripts Akte X auch in Zukunft weitererzählen könnte.
Die Lösung ist recht einfach: Man vergisst 11x10 „My Struggle IV“ einfach, streicht diese Folge komplett aus dem Gedächtnis und betrachtet die 9. Episode als Ende. Denn besser als „Nothing Lasts Forever“ kann ein Finale nicht aussehen. Zuvor zogen die Macher noch einmal alle Register und schenkten den Fans einige witzige Geschichten. Die zeigten, dass man mit guten Scripts Akte X auch in Zukunft weitererzählen könnte.
Dienstag, 13. März 2018
„Annihilation“ - SciFi exklusiv auf NETFLIX
„Auslöschung“ heißt der deutsche Verleihtitel. Wer denkt da nicht an völlige Zerstörung? In der Physik funktioniert Annihilation anders. Wenn ein Teilchen mit einem Antiteilchen zusammentrifft und beide zerstrahlen, verschwinden sie nicht, sondern verwandeln sich in andere Teilchen. Das kommt dem Film von Alex Garland recht nahe.
Alex Garland hat mit „Ex Machina“ einen sehenswerten Film über Künstliche Intelligenz geschaffen. Gut kam der von Oscar Isaac gespielte Schöpfer der KI dabei nicht weg. Garlands bemerkenswerte Studie über den Überlebenswillen einer KI spielte in Räumen, Laboren, weit entfernt vom Tageslicht. Ein etwas klaustrophobischer Film.
In „Annihilation“ wird der Zuschauer in eine fremde Welt versetzt, die sich aus Fragmenten dessen, was sie gewesen ist, und etwas völlig Anderem, Fremden zusammensetzt. Ein Wald, in dem eine fremdartige Vegetation die Herrschaft übernommen hat und im dem Hirsche auftauchen, die statt eines Geweihs wunderschöne Äste mit farbfrohen Blüten tragen. Und dann völlig synchron davonhüpfen. Dort verwandeln sich die Menschen gelegentlich in Pflanzen, aber man weiß nicht so recht, ob das immer geschieht. Denn dort, wo „The Shimmer“ herrscht, gibt es offenbar keine Gesetze.
Alex Garland hat mit „Ex Machina“ einen sehenswerten Film über Künstliche Intelligenz geschaffen. Gut kam der von Oscar Isaac gespielte Schöpfer der KI dabei nicht weg. Garlands bemerkenswerte Studie über den Überlebenswillen einer KI spielte in Räumen, Laboren, weit entfernt vom Tageslicht. Ein etwas klaustrophobischer Film.
In „Annihilation“ wird der Zuschauer in eine fremde Welt versetzt, die sich aus Fragmenten dessen, was sie gewesen ist, und etwas völlig Anderem, Fremden zusammensetzt. Ein Wald, in dem eine fremdartige Vegetation die Herrschaft übernommen hat und im dem Hirsche auftauchen, die statt eines Geweihs wunderschöne Äste mit farbfrohen Blüten tragen. Und dann völlig synchron davonhüpfen. Dort verwandeln sich die Menschen gelegentlich in Pflanzen, aber man weiß nicht so recht, ob das immer geschieht. Denn dort, wo „The Shimmer“ herrscht, gibt es offenbar keine Gesetze.
Sonntag, 11. März 2018
Malen mit Zahlen – wie US-TV-Quoten einseitig interpretiert werden
Zahlen erzählen uns nicht die Wahrheit. Sie vermitteln Fakten. Zahlen vergleichen sich aber nicht freiwillig mit anderen Zahlen – das tut der Mensch. Das ist nötig, aber die Ergebnisse sind nicht alternativlos. Man darf ruhig selbst hinschauen.
„Man kann es so sagen: Die Zombie-Serie «The Walking Dead» steckt knöcheltief im Quoten-Morast. Am Sonntagabend holte die zweite Folge der Staffel 8B die niedrigsten Reichweiten seit Staffel eins bei den 18- bis 49-Jährigen. Insgesamt lief es in Staffel zwei, am 4. März 2012, schlechter. Heißt: Die Zeiten, in denen die AMC-Serie Werte jenseits der 15-Millionen-Marke holte, sind in ganz weite Ferne gerückt“, schrieb das Rating-Portal QUOTENMETER am 6. März.
Andere deutsche Online-Medien zogen nach und zelebrierten genüsslich den Absturz der Erfolgsserie. Dabei stellte QUOTENMETER die Relationen klar: Live hatten 6,82 Millionen Zuschauer die aktuelle Episode gesehen. Das war ein deutlicher Schwund im Vergleich zu den 8,28 Millionen, die den Auftakt nach der Midseason-Pause gesehen hatten. Aber weiter unten in dem Text, gleich nach einer raumgreifenden Werbung, konnte man lesen, dass Showtime mit seiner neuen Folge von „Homeland“ 0,93 Millionen Neugierige gefunden hatte. Ob das noch jemand gelesen hat?
„Man kann es so sagen: Die Zombie-Serie «The Walking Dead» steckt knöcheltief im Quoten-Morast. Am Sonntagabend holte die zweite Folge der Staffel 8B die niedrigsten Reichweiten seit Staffel eins bei den 18- bis 49-Jährigen. Insgesamt lief es in Staffel zwei, am 4. März 2012, schlechter. Heißt: Die Zeiten, in denen die AMC-Serie Werte jenseits der 15-Millionen-Marke holte, sind in ganz weite Ferne gerückt“, schrieb das Rating-Portal QUOTENMETER am 6. März.
Andere deutsche Online-Medien zogen nach und zelebrierten genüsslich den Absturz der Erfolgsserie. Dabei stellte QUOTENMETER die Relationen klar: Live hatten 6,82 Millionen Zuschauer die aktuelle Episode gesehen. Das war ein deutlicher Schwund im Vergleich zu den 8,28 Millionen, die den Auftakt nach der Midseason-Pause gesehen hatten. Aber weiter unten in dem Text, gleich nach einer raumgreifenden Werbung, konnte man lesen, dass Showtime mit seiner neuen Folge von „Homeland“ 0,93 Millionen Neugierige gefunden hatte. Ob das noch jemand gelesen hat?
Dienstag, 6. März 2018
„Bad Banks“ – eine Serie zwischen Koks und Kohle
Wenn nur 20 Prozent von dem stimmen, was Christian Schwochow auf ARTE und im ZDF in seinem Thriller über korrupte Banken zeigt, dann sind wir alle verloren, faktisch regiert von Soziopathen, die sich am Ende nur deshalb retten, weil der deutsche Finanzminister in den finalen Verhandlungen einfach nicht die körperliche Kondition hat, um das Rettungs-Marathon durchzuhalten.
Finanzkrisen sind, so der skrupellose Banker Quirin Sydow (Tobias Moretti), vielleicht erforderlich, um das ‚System‘ widerstandsfähiger zu machen und seine Immunkräfte zu stärken. Sydow ist maßgeblich daran beteiligt, dass die deutsche Global Invest heimlich Schrottpapiere in Milliardenhöhe an eine Tochterbank verscherbelt hat, um die eigenen Bilanzen aufzubrezeln. Sydows selbstkritische und gleichzeitig anmaßende Quintessenz ist Teil seines schriftlichen Testaments, denn eigentlich ist er gerade dabei, sich ein Messer ins Herz zu rammen. Denn gerade ist alles aufgeflogen.
Finanzkrisen sind, so der skrupellose Banker Quirin Sydow (Tobias Moretti), vielleicht erforderlich, um das ‚System‘ widerstandsfähiger zu machen und seine Immunkräfte zu stärken. Sydow ist maßgeblich daran beteiligt, dass die deutsche Global Invest heimlich Schrottpapiere in Milliardenhöhe an eine Tochterbank verscherbelt hat, um die eigenen Bilanzen aufzubrezeln. Sydows selbstkritische und gleichzeitig anmaßende Quintessenz ist Teil seines schriftlichen Testaments, denn eigentlich ist er gerade dabei, sich ein Messer ins Herz zu rammen. Denn gerade ist alles aufgeflogen.
Dienstag, 27. Februar 2018
Black Panther
Im 18. Film des Marvel Cinematic Universe (MCU) bekommt der erste afrikanische Superheld der Comicgeschichte nach seinem Auftritt in „Captain America: Civil War“ (Originaltitel) seinen ersten Soloauftritt im MCU. Die Kritiker jubeln, die Fans sind gespalten.
Auf rogerebert.com schreibt der Kritiker Odie Henderson, dass „Black Panther“ einer der besten Filme des Jahres ist. Nun ist die zitierte Website ein Monolith der intellektuellen Filmkritik in den USA, der 2013 verstorbene Roger Ebert war einer der bedeutendsten amerikanischen Kritiker seines Landes. Ein Urteil auf rogerebert.com hat also ein gewisses Gewicht, obwohl niemand wissen kann, wie Ebert über „Black Panther“ geurteilt hätte.
Auf rogerebert.com schreibt der Kritiker Odie Henderson, dass „Black Panther“ einer der besten Filme des Jahres ist. Nun ist die zitierte Website ein Monolith der intellektuellen Filmkritik in den USA, der 2013 verstorbene Roger Ebert war einer der bedeutendsten amerikanischen Kritiker seines Landes. Ein Urteil auf rogerebert.com hat also ein gewisses Gewicht, obwohl niemand wissen kann, wie Ebert über „Black Panther“ geurteilt hätte.
Mittwoch, 21. Februar 2018
Shape of Water
Mit seiner Mischung aus Märchen und Monsterfilm hat Guillermo del Toro nicht nur seine Zuneigung für absonderliche Kreaturen erneut unter Beweis gestellt, sondern auch eine Hommage an die Bilderpracht des klassischen Kinos abgeliefert. „Shape of Water“ verdient mehr als einen Oscar.
Es fällt nicht schwer, auch Guillermo del Toros neuen Film als politisches Statement zu lesen. Der von Michael Shannon gekonnt ekelig gespielte Regierungsagent Richard Strickland ist ein homophober, rassistischer und frauenfeindlicher Widerling, der nicht nur eine Analogie anbietet, sondern gleich mehrere. Vielleicht etwas Lästerei über Trump & Co., vielleicht aber auch eine Sympathiebekundung für die allgegenwärtige #MeToo-Bewegung, beides lässt sich in den Film hineinlesen.
Es fällt nicht schwer, auch Guillermo del Toros neuen Film als politisches Statement zu lesen. Der von Michael Shannon gekonnt ekelig gespielte Regierungsagent Richard Strickland ist ein homophober, rassistischer und frauenfeindlicher Widerling, der nicht nur eine Analogie anbietet, sondern gleich mehrere. Vielleicht etwas Lästerei über Trump & Co., vielleicht aber auch eine Sympathiebekundung für die allgegenwärtige #MeToo-Bewegung, beides lässt sich in den Film hineinlesen.
Donnerstag, 15. Februar 2018
Star Trek: Discovery – wie ging es weiter?
Die Fortsetzung nach der Midseason-Pause machte einiges gut, konnte aber trotz grandioser Settings und einem kinoreifen Look nur bedingt das Gefühl erzeugen, im Star Trek-Universum angekommen zu sein. Dennoch ist die Serie kein Flop.
In 1x10 „Despite Yourself“ begann die zweite Staffelhälfte von „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einer Überraschung, die keine war: Die Crew der Discovery war in einem Spiegeluniversum gelandet. Dies war zuvor bereits in den Fanforen diskutiert worden.
Im Star Trek-Serien-Kosmos ist das Spiegeluniversum eine Kopie des uns bekannten Universums, in der alle Serienfiguren als Spiegelversionen existieren. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Geschichte in dieser Schattenwelt militärisch und ethisch aus dem Runder gelaufen ist. Kurz gesagt: Die Guten sind dort böse, die Bösen gut.
In 1x10 „Despite Yourself“ begann die zweite Staffelhälfte von „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einer Überraschung, die keine war: Die Crew der Discovery war in einem Spiegeluniversum gelandet. Dies war zuvor bereits in den Fanforen diskutiert worden.
Im Star Trek-Serien-Kosmos ist das Spiegeluniversum eine Kopie des uns bekannten Universums, in der alle Serienfiguren als Spiegelversionen existieren. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Geschichte in dieser Schattenwelt militärisch und ethisch aus dem Runder gelaufen ist. Kurz gesagt: Die Guten sind dort böse, die Bösen gut.
Samstag, 10. Februar 2018
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Bei den 90th Academy Awards, der Oscarverleihung 2018, tritt Martin McDonaghs Film in sieben Kategorien an – die Nominierungen sind allesamt verdient. Bei den Golden Globe Awards wurde die dunkelschwarze Tragödie ‚Bester Film‘, hatte das ‚Beste Drehbuch‘ und wie erwartet wurden Frances McDormand und Sam Rockwell ebenfalls ausgezeichnet. Woody Harrelson leider nicht, und der hätte es am meisten verdient.
Nein, ein Film der Coen Brothers ist „Three Billboards“ nicht. Dem Film fehlt dafür die sadistische Lust, von Idioten zu erzählen, die sich kraft purer Dämlichkeit ins Verderben stürzen, während schlicht gestrickte, aber moralisch integre und letztlich gar nicht so dumme Menschen den Sieg gegen das Böse davontragen. Allerdings spielt in „Three Billboards“ France McDormand mit, da können schnell Missverständnisse entstehen.
Und nein, auch Quentin Tarantino hat nicht Pate gestanden, obwohl es skurrile Figuren und absurde Dialoge gibt und die Gewalt eruptiv und unberechenbar hervorbricht. Dafür ist Martin McDonaghs Film formal nicht selbstverliebt genug, sondern viel zu eckig, zu kantig und zu arrhythmisch.
Nein, ein Film der Coen Brothers ist „Three Billboards“ nicht. Dem Film fehlt dafür die sadistische Lust, von Idioten zu erzählen, die sich kraft purer Dämlichkeit ins Verderben stürzen, während schlicht gestrickte, aber moralisch integre und letztlich gar nicht so dumme Menschen den Sieg gegen das Böse davontragen. Allerdings spielt in „Three Billboards“ France McDormand mit, da können schnell Missverständnisse entstehen.
Und nein, auch Quentin Tarantino hat nicht Pate gestanden, obwohl es skurrile Figuren und absurde Dialoge gibt und die Gewalt eruptiv und unberechenbar hervorbricht. Dafür ist Martin McDonaghs Film formal nicht selbstverliebt genug, sondern viel zu eckig, zu kantig und zu arrhythmisch.
Freitag, 9. Februar 2018
River
„River“ ist eine britische Miniserie, in der ein eigenbrötlerische Ermittler mit Toten spricht, während er den Mord an seiner Kollegin aufklären muss. Die Serie wird von Netflix gestreamt und ist aktuell bis Anfang März in der ARTE-Mediathek zu sehen.
Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård) und seine Kollegin Detective Sergeant Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) fahren im Auto durch die Nacht, sie halten an einem Drive-In. „Beeil dich, einen Burger, extra Käse, ohne Zwiebel.“ River kriegt es nicht hin, er bestellt für Stevie einen Burger mit Zwiebeln. Beide frozeln über Fastfood und Gesundheit, River etwas verschlossen, Stevenson zunehmend fröhlich. Dann hört man im Autoradio Tina Charles’ Disco-Hit „I Love to Love”, während die Credits laufen. Stevie singt mit. Kurz danach fällt River ein verdächtiges Fahrzeug auf, der Fahrer, ein junger Dealer, flüchtet. River verfolgt ihn durch Straßen und Hinterhöfe, am Ende stürzt der Flüchtige von einem Balkon und liegt zerschmettert auf dem Dach eines parkenden Autos. Die Kollege des Metropolitan Police Service wimmeln wenig später am Tatort herum, River hört sich die Kritik seiner nörgelnden Vorgesetzten Detective Chief Inspektor Chrissie Read (Lesly Manville) an: dies sei schon der dritte Wagen, den er in dieser Woche gemeldet hat. Und davon würde Stevie nicht lebendig. Stevie lacht nur:“ Was weiß die schon?“ Und während beide wegegehen, sieht man in Stevies Hinterkopf ein faustgroßes Einschussloch.
Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård) und seine Kollegin Detective Sergeant Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) fahren im Auto durch die Nacht, sie halten an einem Drive-In. „Beeil dich, einen Burger, extra Käse, ohne Zwiebel.“ River kriegt es nicht hin, er bestellt für Stevie einen Burger mit Zwiebeln. Beide frozeln über Fastfood und Gesundheit, River etwas verschlossen, Stevenson zunehmend fröhlich. Dann hört man im Autoradio Tina Charles’ Disco-Hit „I Love to Love”, während die Credits laufen. Stevie singt mit. Kurz danach fällt River ein verdächtiges Fahrzeug auf, der Fahrer, ein junger Dealer, flüchtet. River verfolgt ihn durch Straßen und Hinterhöfe, am Ende stürzt der Flüchtige von einem Balkon und liegt zerschmettert auf dem Dach eines parkenden Autos. Die Kollege des Metropolitan Police Service wimmeln wenig später am Tatort herum, River hört sich die Kritik seiner nörgelnden Vorgesetzten Detective Chief Inspektor Chrissie Read (Lesly Manville) an: dies sei schon der dritte Wagen, den er in dieser Woche gemeldet hat. Und davon würde Stevie nicht lebendig. Stevie lacht nur:“ Was weiß die schon?“ Und während beide wegegehen, sieht man in Stevies Hinterkopf ein faustgroßes Einschussloch.
Dienstag, 6. Februar 2018
Ihre beste Stunde
London 1940: Kurz nach der Rettung der britischen Armee aus Dünkirchen verlangt das britische Informations-Ministerium nach einem Propagandafilm. Ausgerechnet eine in Sachen Film unerfahrene Werbetexterin soll dem Ganzen die weibliche Note geben.
Catrin Cole (Gemma Arterton) kommt zum Film wie die Jungfrau zum Kino. Schreibende Männer sind rar, sie sind an der Front. Ihre beste Stunde hat Catrin Cole, nachdem sie auffallend gute Texte für ein Cartoon geschrieben hat und nun den Auftrag erhält, für einen neuen Spielfilm den passenden Stoff zu evaluieren. Während deutsche Bomben auf London fallen, müssen nämlich unbeirrt weiter Filme produziert werden. Nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch, um den Durchhaltewillen der Briten zu stärken. Was passt also besser als die wahre Geschichte von zwei jungen Frauen, beide Zwillinge, die den Kutter ihres trunksüchtigen Onkels kurzerhand entführen, zum französischen Dünkirchen schippern und zahlreiche britische Soldaten in die Heimat bringen?
Catrin Cole (Gemma Arterton) kommt zum Film wie die Jungfrau zum Kino. Schreibende Männer sind rar, sie sind an der Front. Ihre beste Stunde hat Catrin Cole, nachdem sie auffallend gute Texte für ein Cartoon geschrieben hat und nun den Auftrag erhält, für einen neuen Spielfilm den passenden Stoff zu evaluieren. Während deutsche Bomben auf London fallen, müssen nämlich unbeirrt weiter Filme produziert werden. Nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch, um den Durchhaltewillen der Briten zu stärken. Was passt also besser als die wahre Geschichte von zwei jungen Frauen, beide Zwillinge, die den Kutter ihres trunksüchtigen Onkels kurzerhand entführen, zum französischen Dünkirchen schippern und zahlreiche britische Soldaten in die Heimat bringen?
Sonntag, 28. Januar 2018
Spacewalker – Die Zeit der Ersten
Neues aus Russland: nach dem bereits von mir rezensierten Sci-Fi-Film „Attraction“ möchte ich eine weitere aktuelle russische Produktion vorstellen: „Die Zeit der Ersten“ (The Age of Pioneers), der in Deutschland unter dem Titel „Spacewalker“ vermarktet wird. Dmitriy Kiselev erzählt die Geschichte der Kosmonauten Alexey Leonov und Pavel Belyayev, die 1965 mit der Woschod 2 ins All flogen. Leonov verließ die Raumkapsel für einige Minuten und war der erste Mensch, der sich frei im Weltall bewegte.
Der österreichische „Standard“ verpasste dem Film das Label „Kriegsfilm“. Entweder aus Unkenntnis oder in der weisen Erkenntnis, dass „Die Zeit der Ersten“ eigentlich kein Science-Fiction-Film ist, sondern ein Drama, das ein Kapitel des Kalten Kriegs beleuchtet: den Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltall.
Aber diese thematische Kurzfassung ist allein schon ziemlicher Blödsinn, denn von Vorherrschaft konnte weder damals noch heute gesprochen werden. Im Gegenteil: das unter einem enormen Zeitdruck durchgeführte Projekt war dermaßen riskant, dass die Geschichte der Woschod 2 weniger ein Space Adventure, sondern vielmehr ein Selbstmordkommando war. Gelegenheiten zum Sterben gab es genug.
Der österreichische „Standard“ verpasste dem Film das Label „Kriegsfilm“. Entweder aus Unkenntnis oder in der weisen Erkenntnis, dass „Die Zeit der Ersten“ eigentlich kein Science-Fiction-Film ist, sondern ein Drama, das ein Kapitel des Kalten Kriegs beleuchtet: den Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltall.
Aber diese thematische Kurzfassung ist allein schon ziemlicher Blödsinn, denn von Vorherrschaft konnte weder damals noch heute gesprochen werden. Im Gegenteil: das unter einem enormen Zeitdruck durchgeführte Projekt war dermaßen riskant, dass die Geschichte der Woschod 2 weniger ein Space Adventure, sondern vielmehr ein Selbstmordkommando war. Gelegenheiten zum Sterben gab es genug.
Freitag, 26. Januar 2018
Akte X – Staffel 11: zwischen schräg und brillant
Es ist vermutlich die letzte Staffel der X-Files: Gillian Anderson will nicht mehr. Nun hoffen die Fans, dass das Team um Chris Carter die Geschichte wenigstens vernünftig zu Ende erzählt. Wie das möglich ist, steht in den Sternen. Immer noch ist die Wahrheit irgendwo da draußen, wo auch immer.
Der Auftakt der neuen zehnteiligen Staffel versetzte auch den gläubigsten Fans einen schweren Schlag. Bereits die 10. Staffel, die einen Relaunch der Serie nach 15 Jahren Pause im Januar 2016 präsentierte, ließ den Zuschauer hin- und hergerissen zurück. Die Fortsetzung der Mythologie-Geschichte in der Rahmenerzählung „My Struggle“ bot nämlich einige Ungereimtheiten und endete mit einer globalen Pandemie und einem Raumschiff, das über allen schwebte, während Mulder (David Duchovny) um sein Leben kämpfte. Nicht nur er, sondern alle Menschen waren infiziert. Das „Spartan“-Virus hatte sich global ausgebreitet. Die Menschheit stand vor der Ausrottung. Eilten jetzt etwa die Aliens zur Rettung herbei?
Der Auftakt der neuen zehnteiligen Staffel versetzte auch den gläubigsten Fans einen schweren Schlag. Bereits die 10. Staffel, die einen Relaunch der Serie nach 15 Jahren Pause im Januar 2016 präsentierte, ließ den Zuschauer hin- und hergerissen zurück. Die Fortsetzung der Mythologie-Geschichte in der Rahmenerzählung „My Struggle“ bot nämlich einige Ungereimtheiten und endete mit einer globalen Pandemie und einem Raumschiff, das über allen schwebte, während Mulder (David Duchovny) um sein Leben kämpfte. Nicht nur er, sondern alle Menschen waren infiziert. Das „Spartan“-Virus hatte sich global ausgebreitet. Die Menschheit stand vor der Ausrottung. Eilten jetzt etwa die Aliens zur Rettung herbei?
Donnerstag, 4. Januar 2018
The Long Road Home
Mit der Military Action-Serie „The Long Road Home” hat sich National Geographic Channel ein Bein gestellt. Die achtteilige Serie basiert auf zwar realen Ereignissen während des Irakeinsatzes der US-Army, erzählt aber vom Leiden der Soldaten, ohne auch nur den geringsten Blick auf die historischen Hintergründe zu werfen.
Was lediglich ein Routineeinsatz werden sollte, verwandelt sich für ein texanisches Platoon in die pure Hölle. Abgeschnitten von den eigenen Einheiten müssen sich die Soldaten nach einem Überfall ausgerechnet in einem von Widerstandskräften beherrschten Viertel von Bagdad verschanzen. Der erste gefallene Kamerad ist ein Schock für die kleine Einheit um Lt. Shane Aguero (E.J. Bonilla). Permanenter Beschuss von den gegenüberliegenden Häusern macht eine Flucht unmöglich, die Munition wird knapp und Befreiungsversuche durch andere Einheiten scheitern, weil in den labyrinthischen Straßen Bagdads das Platoon nicht lokalisiert werden kann und die Einsatztruppen nun selbst unter schweren Beschuss geraten. Die Zahl der Toten nimmt zu, während in der Heimat die verzweifelten Familien um Informationen ringen. Während der verantwortliche Offizier, Lieutenant Colonel Gray Volesky (Michael Kelly, „House of Cards“) nach einer militärischen Lösung sucht, versucht seine Frau Leann (Sarah Wayne Callies, „The Walking Dead“) in der texanischen Heimat die verängstigten Frauen der Soldaten zu beruhigen. Bald wird klar, dass dies nicht möglich ist.
Was lediglich ein Routineeinsatz werden sollte, verwandelt sich für ein texanisches Platoon in die pure Hölle. Abgeschnitten von den eigenen Einheiten müssen sich die Soldaten nach einem Überfall ausgerechnet in einem von Widerstandskräften beherrschten Viertel von Bagdad verschanzen. Der erste gefallene Kamerad ist ein Schock für die kleine Einheit um Lt. Shane Aguero (E.J. Bonilla). Permanenter Beschuss von den gegenüberliegenden Häusern macht eine Flucht unmöglich, die Munition wird knapp und Befreiungsversuche durch andere Einheiten scheitern, weil in den labyrinthischen Straßen Bagdads das Platoon nicht lokalisiert werden kann und die Einsatztruppen nun selbst unter schweren Beschuss geraten. Die Zahl der Toten nimmt zu, während in der Heimat die verzweifelten Familien um Informationen ringen. Während der verantwortliche Offizier, Lieutenant Colonel Gray Volesky (Michael Kelly, „House of Cards“) nach einer militärischen Lösung sucht, versucht seine Frau Leann (Sarah Wayne Callies, „The Walking Dead“) in der texanischen Heimat die verängstigten Frauen der Soldaten zu beruhigen. Bald wird klar, dass dies nicht möglich ist.
Montag, 1. Januar 2018
Star Trek: Discovery
12 Jahre nach dem Ende von „Star Trek: Enterprise“ können die Trekkies tief durchatmen. Star Trek ist wieder zurück. Doch die Reaktionen fielen gemischt aus. Die Kritiker waren zufrieden bis begeistert, vielen Fans war „Star Trek: Discovery“ zu düster. Auch die Klingonen wurden zum Ärgernis, weil sie nicht wie Klingonen aussahen. Dabei liefert der aufwändige CBS-Relaunch grandiose Bilder. Vielleicht reicht das nicht.
Ganz zu Beginn ist die USS Discovery noch nicht dabei. Sie taucht erst später auf. Da befindet sich die Föderation bereits im Krieg gegen die Klingonen. Über acht Mio. US-Dollar kostete jede der neuen Star Trek-Episoden – da musste man es richtig krachen lassen und bot gleich zu Beginn Weltraumschlachten à la carte. Star Trek-Puristen missfiel dies, aber auch in früheren Serien gab es militärische Auseinandersetzungen – etwa mit den emotionslosen, alles assimilierenden Borg. Aber das passierte halt selten. Nun aber zieht die Crew in „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einem paranoiden, möglicherweise psychisch gestörten, aber taktisch genial operierenden Captain in einen totalen Krieg – pathetische Durchhalteparolen sind mit an Bord.
Ganz zu Beginn ist die USS Discovery noch nicht dabei. Sie taucht erst später auf. Da befindet sich die Föderation bereits im Krieg gegen die Klingonen. Über acht Mio. US-Dollar kostete jede der neuen Star Trek-Episoden – da musste man es richtig krachen lassen und bot gleich zu Beginn Weltraumschlachten à la carte. Star Trek-Puristen missfiel dies, aber auch in früheren Serien gab es militärische Auseinandersetzungen – etwa mit den emotionslosen, alles assimilierenden Borg. Aber das passierte halt selten. Nun aber zieht die Crew in „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einem paranoiden, möglicherweise psychisch gestörten, aber taktisch genial operierenden Captain in einen totalen Krieg – pathetische Durchhalteparolen sind mit an Bord.
Freitag, 22. Dezember 2017
Best of 2017
69 Filme wurden in 2017 gesichtet. Und wie üblich lag der Schwerpunkt auf DVD- und Bluray-Veröffentlichungen. Aktuelle Kinofilme fehlen natürlich nicht im Ranking, aber sie bilden nicht den Schwerpunkt. So entstand wie üblich eine Hitliste, in der auch Filme Beachtung fanden, die nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie im Fokus der öffentlichen Beachtung stehen. Gutes Beispiel: „Captain Fantastic“ von Matt Ross – ein Independent Movie mit Viggo Mortenson, der bereits 2016 in die Kinos kam und leider nur 300.000 Zuschauer begeistern konnte.
Dienstag, 12. Dezember 2017
Vor die Wand gefahren: Das Midseason-Finale von „The Walking Dead“
„The Walking Dead“ verabschiedete sich mit einer haarsträubenden Episode in die Winterpause. Die Kritik nimmt zu, immer mehr Fans steigen aus. Es geht längst nicht um die Quoten, sondern um die Qualität der Scripts und damit auch um die Kompetenz der Macher. Mittlerweile muss befürchtet werden, dass Showrunner Scott M. Gimple und sein Team die Serie komplett vor die Wand fahren.
Das Midseason-Finale habe ich mit blankem Entsetzen gesehen. „How It’s Gotta Be“ war eine Abfolge hastig zusammengewürfelter Szenen. Ziemlich kurz, unübersichtlich arrangiert, womöglich, um möglichst viele Figuren unterzubringen - bis zur letzten Nebenfigur. Eine zusammenhängende Handlung war kaum zu erkennen und in einigen Foren vermuteten die Zuschauer, dass sie womöglich eine Folge verpasst haben – so konfus wurden die Handlungsschnipsel zusammengefügt. Zudem spielte alles bei Nacht, in tiefster Finsternis, und alles war so dunkel, dass man kaum etwas erkennen konnte. Aber die Qualität des Scripts hätte auch durch Tageslicht nicht aufgehellt werden können.
Samstag, 9. Dezember 2017
Silence
„Der Islam hasst uns“, stellte Donald Trump unlängst fest. Nun hat er seinen Muslim-Bann vor dem Verfassungsgericht in Washington durchsetzen können. Endgültig, wie es scheint. In Martin Scorseses „Silence“ sind es die Japaner, die Anfang des 17. Jahrhunderts ihre Türen verrammeln. Sie unterdrücken und töten die christlichen Minderheiten unter ihren Landsleuten. Und: europäische Priester sollen keinen Fuß mehr in ihr Land setzen. Überhaupt möchte man den Kontakt mit Ausländern auf ein Minimum beschränken. Liefert die sogenannte Abschließungspolitik der Japaner etwa eine Blaupause für aktuelle Probleme?
Ob derartige Analogien angemessen und sinnvoll sind, ist eigentlich egal. Verwendet werden sie ohnehin, also kann man sie auch diskutieren. So tauchte in den Foren, die Martin Scorseses Film diskutierten, bald die Idee auf, ob man die Japaner nicht verstehen müsse. Immerhin würden auch die Deutschen kein Vergnügen darin finden, sich von einer Flut von Muslimen überrennen zu lassen und dabei nicht nur ihre kulturelle Identität einzubüßen, sondern auch ihre politische Souveränität.
Ob derartige Analogien angemessen und sinnvoll sind, ist eigentlich egal. Verwendet werden sie ohnehin, also kann man sie auch diskutieren. So tauchte in den Foren, die Martin Scorseses Film diskutierten, bald die Idee auf, ob man die Japaner nicht verstehen müsse. Immerhin würden auch die Deutschen kein Vergnügen darin finden, sich von einer Flut von Muslimen überrennen zu lassen und dabei nicht nur ihre kulturelle Identität einzubüßen, sondern auch ihre politische Souveränität.
Mittwoch, 6. Dezember 2017
Attraction
Das russische Kino hat sich von seinem Niedergang nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erholt. Die Zahl der Kinos hat zugenommen, der Marktanteil russischer Produktionen liegt bei 25%. Nun sollen aufwändige Blockbuster den internationalen Markt erobern. Fjodor Bondartschuks Sci-Fi-Film „Attraction“ erfindet bei diesem Versuch zwar das Rad nicht neu, überzeugt aber durch kraftvolle Bilder und eine besonders am Ende doch sehr originelle Geschichte.
Dass Genrefilme bekannte Formeln variieren, sollte kein Anlass zum Meckern sein. Das plötzliche Auftauchen eines Raumschiffs über einer Großstadt, seine Landung und den berühmten ‚First Contact’ kennt man aus dem Klassiker „The Day The Earth Stood Still“ (Robert Wise, 1951), der 2008 überflüssigerweise von Scott Derrickson recycelt wurde. In beiden Filmen bekam die Erde von dem Vertreter einer technologisch und ethisch überlegenen Alien-Zivilisation ein schlechtes Führungszeugnis ausgestellt.
In „Attraction“ spielt Rinal Muchametow den Botschafter einer 47 Lichtjahre entfernten Kultur, die wegen der miesen Zukunftsprognose eigentlich kein Interesse an uns hat. Hakon, so nennt sich der Fremde, nennt präzise Zahlen: viele Milliarden Menschen seien durch Kriege ums Leben gekommen, ökologisch richten wir unseren Heimatplaneten zugrunde und in 600 Jahren sei ohnehin alles vorbei. Dann nämlich hätten sich die Bewohner des blauen Planeten selbst ausgerottet. Und er ist auch nicht gekommen, um eine letzte Warnung auszusprechen. Denn die Erde ist ein hoffnungsloser Fall, die soziale Aggressivität der Menschen sei zu groß. Neu ist das seit dem Hollywood-Klassiker von Robert Wise nicht, falsch aber auch nicht.
Dass Genrefilme bekannte Formeln variieren, sollte kein Anlass zum Meckern sein. Das plötzliche Auftauchen eines Raumschiffs über einer Großstadt, seine Landung und den berühmten ‚First Contact’ kennt man aus dem Klassiker „The Day The Earth Stood Still“ (Robert Wise, 1951), der 2008 überflüssigerweise von Scott Derrickson recycelt wurde. In beiden Filmen bekam die Erde von dem Vertreter einer technologisch und ethisch überlegenen Alien-Zivilisation ein schlechtes Führungszeugnis ausgestellt.
In „Attraction“ spielt Rinal Muchametow den Botschafter einer 47 Lichtjahre entfernten Kultur, die wegen der miesen Zukunftsprognose eigentlich kein Interesse an uns hat. Hakon, so nennt sich der Fremde, nennt präzise Zahlen: viele Milliarden Menschen seien durch Kriege ums Leben gekommen, ökologisch richten wir unseren Heimatplaneten zugrunde und in 600 Jahren sei ohnehin alles vorbei. Dann nämlich hätten sich die Bewohner des blauen Planeten selbst ausgerottet. Und er ist auch nicht gekommen, um eine letzte Warnung auszusprechen. Denn die Erde ist ein hoffnungsloser Fall, die soziale Aggressivität der Menschen sei zu groß. Neu ist das seit dem Hollywood-Klassiker von Robert Wise nicht, falsch aber auch nicht.
Donnerstag, 16. November 2017
„Bones“ ging zu Ende – nur wenige schauten zu
Serien haben ein Verfallsdatum. Andere nicht: „Die Simpsons“ gibt es seit 1989, eine Ende ist auch nach 29 Staffeln nicht in Sicht. Und Soaps wie „General Hospital“ laufen ununterbrochen seit 1963 und haben es auf über 10.000 Episoden gebracht. Die Geschichte um die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan und FBI-Special Agent Seeley Booth ist allerdings nach 12 Staffeln und 246 gelösten Fällen endgültig auserzählt – sie war in ihren besten Zeiten eine Perle der konventionellen Erzählkunst. Bye bye, Bones.
Das Geheimnis von „Bones“ war die Leichtigkeit des Seins. Zwar wurde zu Beginn jeder Episode eine gruselige Leiche präsentiert, aber danach konnte sich der Zuschauer sicher sein, dass er in „Bones“ garantiert nicht dauerhaft mit deprimierenden Storylines konfrontiert wird. Die FOX-Serie war in Sachen Sex und Gewalt absolut familientauglich und überforderte nicht. Beinahe jeder Fall wurde am Ende der Episode gelöst und dabei setzte das Team der leicht unterkühlten und hochintelligenten Anthropologin Temperance Brennan (Emily Deschanel) alle nur erdenklichen Verfahren der modernen Wissenschaft ein, um die kriminalistischen Rätsel zu lösen. Und am Ende des Tages war dann die Welt wieder in Ordnung.
Das Geheimnis von „Bones“ war die Leichtigkeit des Seins. Zwar wurde zu Beginn jeder Episode eine gruselige Leiche präsentiert, aber danach konnte sich der Zuschauer sicher sein, dass er in „Bones“ garantiert nicht dauerhaft mit deprimierenden Storylines konfrontiert wird. Die FOX-Serie war in Sachen Sex und Gewalt absolut familientauglich und überforderte nicht. Beinahe jeder Fall wurde am Ende der Episode gelöst und dabei setzte das Team der leicht unterkühlten und hochintelligenten Anthropologin Temperance Brennan (Emily Deschanel) alle nur erdenklichen Verfahren der modernen Wissenschaft ein, um die kriminalistischen Rätsel zu lösen. Und am Ende des Tages war dann die Welt wieder in Ordnung.
Freitag, 3. November 2017
Verleugnung
Gibt es geschichtliche Fakten, die sich einer Debatte entziehen, obwohl sie hieb- und stichfest bewiesen worden sind? Oder gehört es zu den postfaktischen Zeiten, dass alles neu verhandelt werden kann, auch wenn dabei gelogen wird, dass sich die Balken biegen? Mick Jackson und David Hare rekonstruieren in „Verleugnung“ den Prozess gegen die Historikerin Deborah Lipstadt, der 1996 in London mit der Niederlage des Klägers endet. Der hieß David Irving. Er ist bis heute einer der bekanntesten Holocaust-Leugner der Zeitgeschichte geblieben.
In dem amerikanisch-britischen Spielfilm „Verleugnung“ (Originaltitel: Denial) wird Deborah Lipstadt (Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz), eine US-amerikanische Professorin für Holocaust-Studien, mit einer Verleumdungsklage konfrontiert, die der bekannte Holocaust-Leugner David Irving (Timothy Spall) in England gegen sie anstrengt. Der Grund: Die Historikerin hatte den zum Zeitpunkt des Prozesses 58-jährigen Buchautor in ihrem Buch Denying the Holocaust – The Growing Assault on Truth and Memory als Geschichtsrevisionisten und als Lügner bezeichnet und damit angeblich seine berufliche Reputation beschädigt. Nach britischem Recht liegt in einem Verleumdungsfall die Beweislast allerdings beim Angeklagten. Nicht David Irving muss seine Thesen untermauern, nein, Lipstadt musste dem Richter Sir Charles Gray beweisen, dass es den Holocaust gegeben hat.
In dem amerikanisch-britischen Spielfilm „Verleugnung“ (Originaltitel: Denial) wird Deborah Lipstadt (Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz), eine US-amerikanische Professorin für Holocaust-Studien, mit einer Verleumdungsklage konfrontiert, die der bekannte Holocaust-Leugner David Irving (Timothy Spall) in England gegen sie anstrengt. Der Grund: Die Historikerin hatte den zum Zeitpunkt des Prozesses 58-jährigen Buchautor in ihrem Buch Denying the Holocaust – The Growing Assault on Truth and Memory als Geschichtsrevisionisten und als Lügner bezeichnet und damit angeblich seine berufliche Reputation beschädigt. Nach britischem Recht liegt in einem Verleumdungsfall die Beweislast allerdings beim Angeklagten. Nicht David Irving muss seine Thesen untermauern, nein, Lipstadt musste dem Richter Sir Charles Gray beweisen, dass es den Holocaust gegeben hat.
Mittwoch, 1. November 2017
The Deuce - David Simons neue Serie fordert Geduld
Man soll es nicht tun. Nämlich Serien daran zu messen, was der oder die Showrunner zuvor gemacht haben. Aber man tut es. David Simon, der zusammen mit Ed Burns „The Wire“ kreiert hat, erzählt nun zusammen mit George Pelecanos in „The Deuce“ von der Erfindung der Pornoindustrie in den frühen 1970er Jahren. Eine interessante Geschichte, eine gute erste Staffel – „The Wire“ wird aber nicht vom Thron gestoßen.
Die Geschichte mit den Pornos kommt später, sie schleicht sich langsam an. „The Deuce“ erzählt überwiegend von Prostituierten und ihren Zuhältern. Das Zeitkolorit der 1970er Jahre fängt die Serie dabei visuell überzeugend ein. Der Times Square: dreckige Straßen, auf denen Unrat liegt und sich Penner in den Kellereingängen durch die Nacht bringen. Vergammelte Häuser, Neppläden für Touristen, Striptease-Bars und die nicht sonderlich einladenden Kinos auf dem Strip, in denen Bertoluccis “The Conformist“ oder „The Omega Man“ gezeigt werden. Sie warten förmlich darauf, dass bald ganz andere Filme über die Leinwand laufen werden. Und wer das Herz des Broadways so kennt, wie heute aussieht, wird es zu schätzen wissen, dass „The Deuce“ die Spuren des Niedergangs dieses legendären New Yorker Künstlerviertels so naturalistisch in Bilder fasst. Wohin das führt, kann man ahnen, wenn Curtis Mayfield im Main Title „Don’t worry. If there’s a hell below, we’re all going to go“ singt.
Die Geschichte mit den Pornos kommt später, sie schleicht sich langsam an. „The Deuce“ erzählt überwiegend von Prostituierten und ihren Zuhältern. Das Zeitkolorit der 1970er Jahre fängt die Serie dabei visuell überzeugend ein. Der Times Square: dreckige Straßen, auf denen Unrat liegt und sich Penner in den Kellereingängen durch die Nacht bringen. Vergammelte Häuser, Neppläden für Touristen, Striptease-Bars und die nicht sonderlich einladenden Kinos auf dem Strip, in denen Bertoluccis “The Conformist“ oder „The Omega Man“ gezeigt werden. Sie warten förmlich darauf, dass bald ganz andere Filme über die Leinwand laufen werden. Und wer das Herz des Broadways so kennt, wie heute aussieht, wird es zu schätzen wissen, dass „The Deuce“ die Spuren des Niedergangs dieses legendären New Yorker Künstlerviertels so naturalistisch in Bilder fasst. Wohin das führt, kann man ahnen, wenn Curtis Mayfield im Main Title „Don’t worry. If there’s a hell below, we’re all going to go“ singt.
Donnerstag, 26. Oktober 2017
The Walking Dead mit umstrittenem Staffelauftakt
War das die angekündigte Wende? Action und Explosionen hatte das Team um Scott M. Gimple versprochen. Sie lieferten. Dazu gab es auch Mysteriöses, Flashforwards, Traumvisionen - und es wurde kräftig mit der Zeitlinie gespielt. Easter Eggs und nostalgische Reminiszenzen schmeckten am Ende ein Horsd’œuvre ab, das sich als großer Wurf entpuppen kann – oder auch als fauler Zauber.
Dienstag, 17. Oktober 2017
Elle
Seit „Black Book“ hat Paul Verhoeven keinen Kinofilm mehr gemacht. Nach zehnjähriger Pause tauchte der holländische Regisseur wieder an einem Set auf und wurde danach für „Elle“ mit einer wahren Flut von Preisen überhäuft. Das Geringste, was man über Verhoevens Skizze einer schwer traumatisierten Frau sagen kann, ist, dass „Elle“ ein fesselnder Psychothriller geworden ist.
Ja, „Elle“ ist sogar komisch. Während Paul Verhoevens Hauptfigur Michèle Leblanc sehr kompetent und dominant mit ihrer Freundin Anna (Anne Consigny) im gemeinsamen Unternehmen erfolgreich äußerst gewalthaltige Computerspiele produziert, ist ihre Familie ein Trümmerfeld. Michèles Sohn Vincent (Jonas Bloquet) hat es nur zu einem Job in einem Burger-Schuppen gebracht. Seine schwangere jähzornige Freundin Josie (Alice Isaaz) hat ihn vollständig unter ihre Fuchtel genommen und Vincent ist nach der Geburt des Kindes selbst dann nicht imstande, den wahren Vater zu erkennen, als ihm im Krankenhaus ein farbiges Kind in die Arme gelegt wird. Michèles greise Mutter Irène (Judith Magre) lässt sich regelmäßig mit Botox liften und führt ein reges Sexualleben mit deutlichen jüngeren Männern. Und Michèle? Die hat sich von ihrem Mann Richard, einem erfolglosen Schriftsteller, getrennt und unterhält mit dem Mann (Christian Berkel) ihrer Freundin Anna eine beinahe desinteressierte Affäre. Dabei mimt sie beim Sex auch mal eine Tote, um ihren Lover in Fahrt zu bringen.
Ja, „Elle“ ist sogar komisch. Während Paul Verhoevens Hauptfigur Michèle Leblanc sehr kompetent und dominant mit ihrer Freundin Anna (Anne Consigny) im gemeinsamen Unternehmen erfolgreich äußerst gewalthaltige Computerspiele produziert, ist ihre Familie ein Trümmerfeld. Michèles Sohn Vincent (Jonas Bloquet) hat es nur zu einem Job in einem Burger-Schuppen gebracht. Seine schwangere jähzornige Freundin Josie (Alice Isaaz) hat ihn vollständig unter ihre Fuchtel genommen und Vincent ist nach der Geburt des Kindes selbst dann nicht imstande, den wahren Vater zu erkennen, als ihm im Krankenhaus ein farbiges Kind in die Arme gelegt wird. Michèles greise Mutter Irène (Judith Magre) lässt sich regelmäßig mit Botox liften und führt ein reges Sexualleben mit deutlichen jüngeren Männern. Und Michèle? Die hat sich von ihrem Mann Richard, einem erfolglosen Schriftsteller, getrennt und unterhält mit dem Mann (Christian Berkel) ihrer Freundin Anna eine beinahe desinteressierte Affäre. Dabei mimt sie beim Sex auch mal eine Tote, um ihren Lover in Fahrt zu bringen.
Mittwoch, 11. Oktober 2017
Empörung
Mit „Empörung“ (Indignation) ist dem bekannten Independent Movie-Produzenten James Schamus bei seiner ersten Regiearbeit ein Glücksgriff gelungen. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Philip Roth ist ein allegorisch-realistischer Film, der gerade wegen seiner inneren Ruhe eine subtile Tiefe bei der Figurenzeichnung erhält.
Geschichte ist ohne Fiktionalisierung nur noch schwer greifbar. Über die McCarthy-Ära erfährt man im Kino einiges in „Trumbo“, über das Abstreifen der 1950er Jahre erzählt die TV-Serie „Mad Men“ als Geschichte eines weitreichenden kulturellen Paradigmenwechsels, festgemacht am Aufkommen weiblicher Emanzipation und neuer sexueller Freiheiten. Filmische Reisen in die 1950er Jahre sind auch deswegen per se Spiegelbilder des Hier und Jetzt.
Das hört sich längst nicht mehr paradox an, denn die enorme kulturelle und politische Distanz zu einer Dekade, die man medial als Prä-„Mad Men“-Ära bezeichnen kann, zeigt besonders nachhaltig, was verschwunden ist und was uns immer noch widerfährt. Es scheint zwar, als sei der restaurative Mief der 1950er verschwunden, auch die bigotte Sexualmoral. Aber spätestens, wenn man die verklemmten ethnischen und religiösen Vorurteile in und Schamus’ Literaturadaption beobachtet, erkennt man, dass sich hinter den geschickt getarnten Grundsatzdiskussionen zwischen einem vermeintlich liberalen Dekan und seinem Studenten aus der jüdischen Mittelschicht ein Ungeist breitmacht, der 70 Jahre später nicht restlos verschwunden ist, sondern viel aggressiver und selbstbewusster auftritt.
Geschichte ist ohne Fiktionalisierung nur noch schwer greifbar. Über die McCarthy-Ära erfährt man im Kino einiges in „Trumbo“, über das Abstreifen der 1950er Jahre erzählt die TV-Serie „Mad Men“ als Geschichte eines weitreichenden kulturellen Paradigmenwechsels, festgemacht am Aufkommen weiblicher Emanzipation und neuer sexueller Freiheiten. Filmische Reisen in die 1950er Jahre sind auch deswegen per se Spiegelbilder des Hier und Jetzt.
Das hört sich längst nicht mehr paradox an, denn die enorme kulturelle und politische Distanz zu einer Dekade, die man medial als Prä-„Mad Men“-Ära bezeichnen kann, zeigt besonders nachhaltig, was verschwunden ist und was uns immer noch widerfährt. Es scheint zwar, als sei der restaurative Mief der 1950er verschwunden, auch die bigotte Sexualmoral. Aber spätestens, wenn man die verklemmten ethnischen und religiösen Vorurteile in und Schamus’ Literaturadaption beobachtet, erkennt man, dass sich hinter den geschickt getarnten Grundsatzdiskussionen zwischen einem vermeintlich liberalen Dekan und seinem Studenten aus der jüdischen Mittelschicht ein Ungeist breitmacht, der 70 Jahre später nicht restlos verschwunden ist, sondern viel aggressiver und selbstbewusster auftritt.
Freitag, 6. Oktober 2017
Blade Runner 2049
Man darf nicht in die Falle laufen. Natürlich wird man Denis Villeneuves Sequel „Blade Runner 2049“ mit Ridley Scotts Masterpiece vergleichen. „Blade Runner“, jedenfalls in der Version des Final Cut (2007), ist ein Standalone Art Piece und ein Kinomythos dazu. Über drei Jahrzehnte später trifft das Sequel auf eine andere Zeit und auch ein anderes Kino. Und auf andere Zuschauer. Zwischen beiden Filmen liegen zudem komplizierte transmediale Strategien. Zieht man dies ins Kalkül, schneidet „Blade Runner 2049“ ordentlich ab. Denis Villeneuve ist ein streckenweise schöner Film gelungen, auch wenn man im Kino nicht mehr mit großen Augen staunt.
Die Debatten haben bereits begonnen. „Blade Runner 2049 entpuppt sich nicht nur als einer der besten Science-Fiction-Filme des Jahres oder der Dekade, sondern als einer der besten Science-Fiction-Filme überhaupt“, schreibt der Redakteur von Filmstarts, und überhaupt sei Villeneuves Sequel der bessere Film. Offen gesagt: Diesen Enthusiasmus kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe Probleme damit, Ridley Scotts komplexes Original (das - je nach Zählweise - in 3-5 verschiedenen Schnittversionen vorliegt) mit Villeneuves nicht weniger komplexen Interpretation des Themas abzugleichen, ohne „Blade Runner 2049“ ein zweites Mal gesehen zu haben. Trotzdem wird ein erster Versuch gewagt.
Die Debatten haben bereits begonnen. „Blade Runner 2049 entpuppt sich nicht nur als einer der besten Science-Fiction-Filme des Jahres oder der Dekade, sondern als einer der besten Science-Fiction-Filme überhaupt“, schreibt der Redakteur von Filmstarts, und überhaupt sei Villeneuves Sequel der bessere Film. Offen gesagt: Diesen Enthusiasmus kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe Probleme damit, Ridley Scotts komplexes Original (das - je nach Zählweise - in 3-5 verschiedenen Schnittversionen vorliegt) mit Villeneuves nicht weniger komplexen Interpretation des Themas abzugleichen, ohne „Blade Runner 2049“ ein zweites Mal gesehen zu haben. Trotzdem wird ein erster Versuch gewagt.
Dienstag, 19. September 2017
Get out
Chris Washington heißt der junge farbige Fotograf aus New York, der mit seiner Freundin Rose eine Reise in das ruhige provinzielle Amerika antritt. Rose ist weiß, aber Sorgen müsse sich Chris nicht machen. Ihre Eltern seien liberal, beteuert Rose, immerhin hätten sie Barack Obama gewählt. Und tatsächlich scheinen alle auf dem Landsitz der wohlhabenden Familie Armitage ihrer afroamerikanischen Mitbürger regelrecht zu lieben. Das kann nicht gut gehen und dass Chris den gleichen Nachnamen hat wie der erste Präsident der USA, wird ihm auch nicht helfen. Und so endet Jordan Peeles Horrorfilm „Get out“ mit einem Blutbad.
Gut, dass „Get out“ gerade auf Bluray und DVD erschienen ist. Das passt zu den aktuellen Ereignissen. Denn Schwarze haben es in den USA nicht leicht. Diese Formulierung ist – zugegeben – ein Euphemismus. Das reale Leben sieht so aus: Ein mutmaßlicher Drogendealer wird von einem Cop im Bundesstaat Missouri mit fünf Schüssen getötet, der Beamte wurde vor einigen Tagen in St. Louis freigesprochen, obwohl er die Exekution in einem Video angekündigt hat. Das Ergebnis: Unruhen und Chaos auf den Straßen.
Nur darf man von „Get out“, der in den USA Anfang dieses Jahres einen wahren Triumphzug antrat, keine politische Aufklärung erwarten. Denn wer dringend „Get out“ benötigt hat, um sich endgültig Klarheit über den rassistischen Wahn zu verschaffen, der hat zuvor schon nicht richtig getickt. Oder konsequent die Zeitungslektüre verweigert. Nein, „Get out“ zielt nicht auf den Kopf, sondern auf die Eingeweide.
Gut, dass „Get out“ gerade auf Bluray und DVD erschienen ist. Das passt zu den aktuellen Ereignissen. Denn Schwarze haben es in den USA nicht leicht. Diese Formulierung ist – zugegeben – ein Euphemismus. Das reale Leben sieht so aus: Ein mutmaßlicher Drogendealer wird von einem Cop im Bundesstaat Missouri mit fünf Schüssen getötet, der Beamte wurde vor einigen Tagen in St. Louis freigesprochen, obwohl er die Exekution in einem Video angekündigt hat. Das Ergebnis: Unruhen und Chaos auf den Straßen.
Nur darf man von „Get out“, der in den USA Anfang dieses Jahres einen wahren Triumphzug antrat, keine politische Aufklärung erwarten. Denn wer dringend „Get out“ benötigt hat, um sich endgültig Klarheit über den rassistischen Wahn zu verschaffen, der hat zuvor schon nicht richtig getickt. Oder konsequent die Zeitungslektüre verweigert. Nein, „Get out“ zielt nicht auf den Kopf, sondern auf die Eingeweide.
Samstag, 26. August 2017
Better Call Saul: Season 3 – alles wie gehabt, aber noch besser!
In Season 3 muss sich Jimmy McGill immer noch mit seinem Bruder Chuck auseinandersetzen, aus der „Battle of Brothers“ wird nun eine unbarmherzige Auseinandersetzung, bei der es am Ende nur Verlierer gibt. Mike Ehrmantraut wird dagegen immer tiefer in die Auseinandersetzung mit Drogenboss Hector Salamanca hineingezogen und lernt dabei eine zentrale Figur aus „Breaking Bad“ näher kennen, als ihm lieb ist. In der 3. Staffel der AMC-Serie kommen die Einschläge immer näher, aber die Hauptfiguren hören sie erst, als es beinahe zu spät ist.
Himmel, hört das überhaupt nicht mehr auf? Auch in der 3. Staffel müssen wir darauf warten, dass sich Jimmy McGill (Bob Odenkirk) in Saul Goodman verwandelt, jenen umtriebigen und gelinde gesagt doch sehr verschlagenen Anwalt, der für Walter White in „Breaking Bad“ die Kastanien aus dem Feuer holt. Doch auch diesmal passiert sie nicht, jene Verwandlung, die aus dem Trickster Slippin’ Jimmy den Anwalt für die bösen Buden macht. Angedeutet wird sie allerdings schon.
Himmel, hört das überhaupt nicht mehr auf? Auch in der 3. Staffel müssen wir darauf warten, dass sich Jimmy McGill (Bob Odenkirk) in Saul Goodman verwandelt, jenen umtriebigen und gelinde gesagt doch sehr verschlagenen Anwalt, der für Walter White in „Breaking Bad“ die Kastanien aus dem Feuer holt. Doch auch diesmal passiert sie nicht, jene Verwandlung, die aus dem Trickster Slippin’ Jimmy den Anwalt für die bösen Buden macht. Angedeutet wird sie allerdings schon.
Montag, 7. August 2017
„Dunkirk“ – der Kriegsfilm: ein Genre am Limit
Angeblich soll Sam Fuller über die Möglichkeit einer authentischen Kriegserfahrung im Kino gesagt haben, dass man dazu nur ein Maschinengewehr im Kinosaal aufstellen müsse, um danach Teile des Publikum niederzumähen.
Fuller hat nicht nur selbst Kriegsfilme gedreht, sondern als Soldat handfeste Kriegserfahrungen gemacht. Vielleicht braucht man das, um aus den vermeintlichen Desillusionierungen des modernen Kriegsfilms die versteckten alten Ideologien herauszulesen. Im Moment ist das Genre wieder dabei, dem Publikum auch ohne derart rabiate Mittel auf der Leinwand etwas zu zeigen, was sich ‚wahr’ anfühlt. Zuletzt in Christopher Nolans „Dunkirk“. Das ist nicht neu, das hat er bereits Anfang dieses Jahrhunderts gegeben. Erstaunlich ist nur, dass alle wieder jubeln. Auch die Kritiker.
Fuller hat nicht nur selbst Kriegsfilme gedreht, sondern als Soldat handfeste Kriegserfahrungen gemacht. Vielleicht braucht man das, um aus den vermeintlichen Desillusionierungen des modernen Kriegsfilms die versteckten alten Ideologien herauszulesen. Im Moment ist das Genre wieder dabei, dem Publikum auch ohne derart rabiate Mittel auf der Leinwand etwas zu zeigen, was sich ‚wahr’ anfühlt. Zuletzt in Christopher Nolans „Dunkirk“. Das ist nicht neu, das hat er bereits Anfang dieses Jahrhunderts gegeben. Erstaunlich ist nur, dass alle wieder jubeln. Auch die Kritiker.
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