Nach drei Episoden der dritten Staffel von „Westworld“ werden die Zuschauer und Streamer mit unliebsamen Fakten konfrontiert: die HBO-Serie wird es auf SKY und seinen unterschiedlichen Plattformen nicht mehr in synchronisierter Fassung geben.
Im Moment kann man die von Jonathan Nolan und Lisa Joy geschaffene Serie in den nächsten Wochen bei Sky Ticket, Sky Q und Sky Go on Demand nur in der Originalfassung sehen, bestenfalls mit Untertiteln. SKY Atlantic HD steigt aus, berichtete QUOTENMETER am 14.4. Im Juni soll alles wieder „normal“ werden, doch mit dem Gebrauch dieses Wortes muss man in Corona-Zeiten vorsichtig umgehen.
Donnerstag, 16. April 2020
Dienstag, 7. April 2020
Yesterday - eine witzige und doch sehr floskelhafte Komödie
In die Vergangenheit zu reisen und die Lottozahlen aus der Zukunft mitzunehmen – wer könnte der Versuchung widerstehen? In Danny Boyles Komödie „Yesterday“ führt ein anderer Weg die Hauptfigur zu unsterblichem Ruhm: sie wacht in einer Parallelwelt auf und kennt als Einzige die Songs der Beatles.
Ganau das widerfährt Jack Malick. Der ist ein erfolgloser Songwriter – kann er der Versuchung widerstehen? Kann er nicht. Der Film ist danach eine Stunde lang witzig und äußerst unterhaltsam, dann rutscht „Yesterday“ ins Floskelhafte ab und bleibt bis zur letzten Minute vorhersehbar.
Freitag, 3. April 2020
Picard - die neue Star Trek-Serie hat starke und schwache Momente
„Great Expectations“ – der Titel eines Romans von Charles Dickens könnte auch die Begeisterung gut auf den Punkt bringen, die recht groß war, als bekannt wurde, dass CBS mit „Picard“ endlich ein richtiges Sequel auf die Reise schicken wollte. Allerdings: Sind die Erwartungen groß, ist es die Fallhöhe auch.
Dann war es soweit: „Picard“ konnte mit Patrick Stewart als Jean-Luc Picard und anderen bekannten Darstellern aus „Star Trek: The Next Generation“ und „Star Trek: Voyager“ besonders am Anfang kräftig punkten. Danach gab dabei ein paar schöne Momente, jede Menge Nostalgie, aber leider auch ein paar Bruchlandungen zu sehen. Note: Befriedigend.
Dann war es soweit: „Picard“ konnte mit Patrick Stewart als Jean-Luc Picard und anderen bekannten Darstellern aus „Star Trek: The Next Generation“ und „Star Trek: Voyager“ besonders am Anfang kräftig punkten. Danach gab dabei ein paar schöne Momente, jede Menge Nostalgie, aber leider auch ein paar Bruchlandungen zu sehen. Note: Befriedigend.
Montag, 30. März 2020
Das Wunder von Marseille
„Das Wunder von Marseille“ – das ist in jeder Hinsicht ist ein doppelsinniger Filmtitel. 2011 gewann Fahim Mohammad, der 11-jährige Held des Films, als Migrant ohne Papiere die französische U 12-Meisterschaft, an der er nach dem Willen der Verbandsfunktionäre gar nicht hätte teilnehmen dürfen. Später wurde er sogar Schüler-Weltmeister. Ein Wunder.
Dass sein Vater Nura vom französischen Premierminister François Fillon nur dank des Schachtalents seines Sohns eine Aufenthaltserlaubnis erhielt, war angesichts der zu diesem Zeitpunkt deutlich restriktiveren Einwanderungspolitik das zweite Wunder. Vater und Sohn durften danach bis heute in Frankreich bleiben – natürlich auch als öffentlichkeitswirksame Beispiel einer gelungenen Migrationspolitik.
Dass sein Vater Nura vom französischen Premierminister François Fillon nur dank des Schachtalents seines Sohns eine Aufenthaltserlaubnis erhielt, war angesichts der zu diesem Zeitpunkt deutlich restriktiveren Einwanderungspolitik das zweite Wunder. Vater und Sohn durften danach bis heute in Frankreich bleiben – natürlich auch als öffentlichkeitswirksame Beispiel einer gelungenen Migrationspolitik.
Mittwoch, 18. März 2020
In diesen Corona-Zeiten…
Natürlich hat auch der Filmclub – zumindest vorübergehend – in Zeiten von Corona aufgehört zu existieren. Keine Filme mehr, zumindest nicht mehr gemeinsam. Dafür regelmäßige Kontaktpflege und Austausch von Informationen – was der eine nicht weiß, das weiß der andere. Einige Gedanken dazu, quasi Off-Label verwendet.
Sonntag, 8. März 2020
Unterleuten - Das zerrissene Dorf
Goldfarbene Felder, aber immer noch ein Land in der Strukturkrise. Matti Geschonneck erzählt in dem ZDF-Dreiteiler von einem Dorf mitten in Brandenburg, das in eine schwere Krise gerät. Erst gab es die Treuhand, nun fallen Investoren in Unterleuten ein, die einen Windpark bauen wollen.
Die Verfilmung von Julie Zehs gleichnamigen Roman wurde als TV-Meilenstein angekündigt. „Unterleuten“ ist tatsächlich ein sehenswerter Dreiteiler geworden, gespielt vom Who is Who der deutschen Schauspielergarde. Ein düsteres Gesellschaftsdrama und ein Spiegelbild der Kleinkariertheit, das allerdings eine Frage nicht beantwortet.
Die Verfilmung von Julie Zehs gleichnamigen Roman wurde als TV-Meilenstein angekündigt. „Unterleuten“ ist tatsächlich ein sehenswerter Dreiteiler geworden, gespielt vom Who is Who der deutschen Schauspielergarde. Ein düsteres Gesellschaftsdrama und ein Spiegelbild der Kleinkariertheit, das allerdings eine Frage nicht beantwortet.
Sonntag, 16. Februar 2020
Aniara
Filme bewegen sich in Grenzbereichen. Einige zerschellen an der Grenzmauer, weil sie halbherzig sind, andere übersteigen sie mutig. Aber nicht immer ist das, was man jenseits der Mauer findet, auch das, was man sich erhoffte. Der SF-Film „Aniara“ von Pella Kågerman und Hugo Lilja gelingt der Aufstieg. Was danach kommt, war nicht zu erwarten, nämlich wenig Sci-Fi, dafür aber eine Meditation über das, was der Mensch nicht kann in der Leere des Weltalls.
„Aniara“ ist die Verfilmung eines Versepos von Harry Martinson und seit Februar auf Bluray und DVD erhältlich. Der Film ist nie in die deutschen Kinos gekommen. Zu Recht, man erträgt ihn kaum. Er ist zu gut.
„Aniara“ ist die Verfilmung eines Versepos von Harry Martinson und seit Februar auf Bluray und DVD erhältlich. Der Film ist nie in die deutschen Kinos gekommen. Zu Recht, man erträgt ihn kaum. Er ist zu gut.
Montag, 10. Februar 2020
Ad Astra
„Zu den Sternen“ heißt der deutsche Verleihtitel. Er vermittelt sehnsuchtsvoll das Appellative, das Science-Fiction so wunderbar und auch naiv erscheinen lässt. Beyond frontiers könnte man auch sagen, Grenzen überwinden, das Neue als Herausforderung annehmen. Oder Astronomy is looking up, wie man es im Labor der Astronomin „Ellie“ Arroway (Jodie Foster) in Robert Zemeckis „Contact” lesen kann.
Der Film von James Gray lässt dagegen nur wenig Raum für Optimismus und Utopien. Er erzählt stattdessen davon, dass der Mensch auf der Reise zu den Sternen auch immer sich selbst mitnimmt. Und dass er deshalb besser zu Hause bleiben sollte. DVD und Bluray liegen seit dem 6. Februar vor.
Der Film von James Gray lässt dagegen nur wenig Raum für Optimismus und Utopien. Er erzählt stattdessen davon, dass der Mensch auf der Reise zu den Sternen auch immer sich selbst mitnimmt. Und dass er deshalb besser zu Hause bleiben sollte. DVD und Bluray liegen seit dem 6. Februar vor.
Sonntag, 26. Januar 2020
Picard – die CBS-Serie ist angenehm konservativ
Das Alte ist das bessere Neue. Gut, Zweifel sind berechtigt, auf jeden Fall steckt in diesem Aphorismus ein Stück ehrlicher Emotion – es ist der Wunsch nach dem Vertrauten, das ein klein wenig neu sein darf.
Viele Trekkies scheinen nach zwei Staffeln „Discovery“ genau dieses Gefühl herbeigesehnt zu haben. Dies zeigen auch die überdeutlich positiven Stimmen nach der ersten Episode der neuen Star Trek-Serie „Picard“. Aber eins muss am Ende stimmen: das neue Alte muss auch gut sein.
Viele Trekkies scheinen nach zwei Staffeln „Discovery“ genau dieses Gefühl herbeigesehnt zu haben. Dies zeigen auch die überdeutlich positiven Stimmen nach der ersten Episode der neuen Star Trek-Serie „Picard“. Aber eins muss am Ende stimmen: das neue Alte muss auch gut sein.
Freitag, 17. Januar 2020
Messiah - die neue Netflix-Serie ist ein Spektakel
Was würde passieren, wenn der Sohn Gottes wiederkehrt? Eine intelligente, aber keineswegs originelle Frage, denn über eine Antwort haben Theologen und Philosophen schon früher nachgedacht. Nicht selten fiel die Antwort düster aus: Man würde Jesus festnehmen, natürlich als Terrorist.
Genau das geschieht in der zehnteiligen Serie „Messiah“, als ein Wanderprediger in Damaskus auftaucht und danach querbeet durch alle Religionen Anhänger um sich schart. Ist er der Messias oder ein Scharlatan? Auf der Suche nach einer Antwort begibt sich der Mystery-Thriller von Netflix auf eine Gratwanderung, die fast zwangsläufig eine Antwort schuldig bleiben müsste. Aber Netflix kennt keinen Konjunktiv.
Genau das geschieht in der zehnteiligen Serie „Messiah“, als ein Wanderprediger in Damaskus auftaucht und danach querbeet durch alle Religionen Anhänger um sich schart. Ist er der Messias oder ein Scharlatan? Auf der Suche nach einer Antwort begibt sich der Mystery-Thriller von Netflix auf eine Gratwanderung, die fast zwangsläufig eine Antwort schuldig bleiben müsste. Aber Netflix kennt keinen Konjunktiv.
Montag, 13. Januar 2020
Dracula - NETFLIX-Serie verflacht nach starkem Beginn
Inmitten eines scheinbar sich immerwährend steigernden Peak TVs, das fast wie aus dem Handgelenk jährlich Serien im dreistelligen Bereich auf den Markt wirft, muss man schnell entscheiden, was man sich zumutet und was nicht. Im Falle der BBC-Miniserie „Dracula“ lautet der Rat: bitte die erste Folge anschauen, dann auf den Rest verzichten.
Mittwoch, 1. Januar 2020
Best of 2019
Ca. 65 Filme wurden im vergangenen Jahr gesichtet. Das ist eine gute Bilanz. Die Bedeutung von Serien nahm wie erwartet nicht ab. Dies spiegelte auch die hohe Anzahl von Rezensionen wider. Es wird Zeit, darauf zu reagieren. Der Filmclub wird deshalb in der Jahresbilanz sowohl die besten zehn Filme als auch die besten zehn Serien vorstellen.
Bester Film des Jahres wurde Quentin Tarantinos Once Upon A Time In Hollywood. Beste Serie ist Chernobyl - allerdings als primus inter pares, denn vier weitere Serien entpuppten sich ebenfalls als Highlights des seriellen Erzählens.
Bester Film des Jahres wurde Quentin Tarantinos Once Upon A Time In Hollywood. Beste Serie ist Chernobyl - allerdings als primus inter pares, denn vier weitere Serien entpuppten sich ebenfalls als Highlights des seriellen Erzählens.
Donnerstag, 26. Dezember 2019
Watchmen - HBO und Damon Lindelof riskieren viel
Damon Lindelofs Serie wurde bereits zur „Jahrhundertserie“ erklärt, bevor die letzten Episoden gelaufen waren. Die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, nicht wenige Fans teilten ihr Urteil. In den USA dümpelte die Serie trotzdem vor sich hin: ca. 0,7 Mio. Zuschauer wollten bei HBO zuschauen, zuletzt zogen die Quoten etwas an. So bescheiden treten Kultserien auf, die erst in einigen Dekaden verstanden werden. Aber auch Flops.
Ist „Watchmen“ ein Flop oder tatsächlich ein Geniestreich? Eher Letzteres, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Man beginnt am besten mit der Aussage: „Watchmen“ ist kein Flop. Diese Aussage halte ich für richtig, alles andere ist ziemlich kompliziert. Man muss zunächst bereit sein, alle Erwartungen an eine Serie über Bord zu werfen. Man braucht Geduld und muss akzeptieren, dass Kugelschreiber und Notizbuch beim Zuschauen in Griffweite sind. Nun, diese Utensilien beschränken die Reichweite bei den Quoten ganz entschieden, sind im praktischen Einsatz aber enorm hilfreich.
Ist „Watchmen“ ein Flop oder tatsächlich ein Geniestreich? Eher Letzteres, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Man beginnt am besten mit der Aussage: „Watchmen“ ist kein Flop. Diese Aussage halte ich für richtig, alles andere ist ziemlich kompliziert. Man muss zunächst bereit sein, alle Erwartungen an eine Serie über Bord zu werfen. Man braucht Geduld und muss akzeptieren, dass Kugelschreiber und Notizbuch beim Zuschauen in Griffweite sind. Nun, diese Utensilien beschränken die Reichweite bei den Quoten ganz entschieden, sind im praktischen Einsatz aber enorm hilfreich.
Donnerstag, 12. Dezember 2019
The Handmaid’s Tale – Staffel 3 mit starker zweiten Hälfte
In den USA musste man über ein Jahr auf die Fortsetzung der Hulu-Serie warten, in Deutschland war es kaum besser. „The Handmaid’s Tale“ gibt es aber weder bei Netflix noch bei Amazon oder Sky zu sehen. Die Lizenzen haben andere ergattert. Dafür sind DVDs und Blurays seit Anfang Dezember auf dem Markt.
Im Überangebot von neuen Serien und veränderter Genretrends ist die dystopische Hulu-Serie nach wie vor ein Solitär. Auch die dritte Staffel gehört zum besten, was derzeit zu sehen ist. Allerdings muss man etwas Geduld aufbringen. „The Handmaid’s Tale“ nimmt sich zunächst viel Zeit, startet dann aber gewaltig durch.
Mittwoch, 4. Dezember 2019
The Irishman
Männer, die in Erinnerungen schwelgen. Wer bei NETFLIX die dreieinhalb Stunden für Martin Scorseses Alterswerk „The Irishman“ auf sich nimmt, wird gleich nach dem Abspann zu einem Round-Table-Gespräch eingeladen. Scorsese, Robert De Niro, Al Pacino und Jos Pesci sitzen zusammen und sprechen über das Kino und das Leben in der Mafia.
Alte Männer, so lautet die Einsicht des Quartetts, wissen mehr über das Leben und wie es endet. Ohne Glamour. Martin Scorsese, der mit Grandezza einige Meisterwerke über das Leben ohne Gesetz gedreht hat, zeigt, dass am Ende nur Tod oder Leere auf einen Mobster warten.
Alte Männer, so lautet die Einsicht des Quartetts, wissen mehr über das Leben und wie es endet. Ohne Glamour. Martin Scorsese, der mit Grandezza einige Meisterwerke über das Leben ohne Gesetz gedreht hat, zeigt, dass am Ende nur Tod oder Leere auf einen Mobster warten.
Mittwoch, 27. November 2019
The Hate U Give
Amandla Stenberg (u.a. The Hunger Games, 2012) ist als Starr Carter einfach umwerfend. Wenn man wissen will, wie es sich anfühlt, einer rassistisch ausgegrenzten Minderheit anzugehören, muss man sich die 21-jährige Schauspielerin in „The Hate U Give“ anschauen.
Sozialisiert in einem Ghetto, besucht sie eine teure private High-School und hat einen weißen Freund. Starr ist cool. Ihre Assimilationsleistungen sind allerdings gewaltig, denn sie muss zwei Sprachen beherrschen: den elaborierten Talk der zum Teil stinkreichen Klassenkameraden und den Slang ihres Milieus, einem Viertel, in dem Gewalt zum Alltag gehört.
Sozialisiert in einem Ghetto, besucht sie eine teure private High-School und hat einen weißen Freund. Starr ist cool. Ihre Assimilationsleistungen sind allerdings gewaltig, denn sie muss zwei Sprachen beherrschen: den elaborierten Talk der zum Teil stinkreichen Klassenkameraden und den Slang ihres Milieus, einem Viertel, in dem Gewalt zum Alltag gehört.
Mittwoch, 6. November 2019
Tom Clancy’s Jack Ryan – die zweite Staffel überzeugt nicht restlos
War die ikonische Figur des Erfolgsautoren Tom Clancy in der ersten Staffel noch in den Kampf gegen den islamistischen Terror verwickelt, so führt Jack Ryans Weg ihn nun nach Venezuela, wo er wieder einmal recht starrköpfig den Kampf gegen einen neuen Schurken aufnimmt: den rechtspopulistischen Präsidenten Nicolás Reyes.
Man muss nicht viel Phantasie aufbringen, um die Parallelen zu Nicolás Maduro zu erkennen, dem aktuellen Präsidenten des krisengeschüttelten Landes. Und noch weniger Phantasie ist nötig, um zu erkennen, dass ein Agententhriller, der sich ausgiebig mit den Verhältnissen in Venezuela beschäftigt, auf irgendeine Weise auch eine politische Agenda besitzt. Die Frage ist, welche das ist.
Man muss nicht viel Phantasie aufbringen, um die Parallelen zu Nicolás Maduro zu erkennen, dem aktuellen Präsidenten des krisengeschüttelten Landes. Und noch weniger Phantasie ist nötig, um zu erkennen, dass ein Agententhriller, der sich ausgiebig mit den Verhältnissen in Venezuela beschäftigt, auf irgendeine Weise auch eine politische Agenda besitzt. Die Frage ist, welche das ist.
Samstag, 26. Oktober 2019
Joker
The Same As It Ever Was – Todd Phillips Film über die Vorgeschichte des berühmten Gegenspielers des DC-Comic-Helden Batman hat zu einem Rauschen im Blätterwald geführt und auch zu bizarren öffentlichen Debatten über Gewalt und Kunstfreiheit im Kino.
Man kann sich angesichts der ganzen Aufregung also darauf verlassen, dass der Film ziemlich gut sein muss. Ist er auch, bloß sollte man im Kino besser kein Prequel der Batman-Filme erwarten. „Joker“ ist eine tiefschwarze und deprimierende Tragödie mit einem Joaquin Phoenix in absoluter Höchstform. Wer allerdings die Origin Story des Joker sucht, sollte dies besser in den Comics tun.
Man kann sich angesichts der ganzen Aufregung also darauf verlassen, dass der Film ziemlich gut sein muss. Ist er auch, bloß sollte man im Kino besser kein Prequel der Batman-Filme erwarten. „Joker“ ist eine tiefschwarze und deprimierende Tragödie mit einem Joaquin Phoenix in absoluter Höchstform. Wer allerdings die Origin Story des Joker sucht, sollte dies besser in den Comics tun.
Sonntag, 13. Oktober 2019
„El Camino: A Breaking Bad Movie“ - die Geschichte wird weitererzählt
Im November 2018 fanden in Albuquerque geheimnisvolle Dreharbeiten für einen Film mit einem nichtssagenden Arbeitstitel statt. Als erste Gerüchte über eine Beziehung des Projekts zur Erfolgsserie „Breaking Bad“ in Umlauf kamen, war alles bereits abgedreht.
Tatsächlich hatte sich „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan im Geheimen einen Herzenswunsch erfüllt. Mit „El Camino: A Breaking Bad Movie“ wird pünktlich zum 10. Geburtstag seiner Mega-Serie (2008-2013) die Geschichte weitererzählt. Diesmal für Netflix. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Jesse Pinkman, der rechten Hand des toten Drogenbosses Walter White. Eine rundum überzeugende Geschichte ist dabei nicht entstanden, dafür aber einige schöne „Breaking Bad“-Momente.
Tatsächlich hatte sich „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan im Geheimen einen Herzenswunsch erfüllt. Mit „El Camino: A Breaking Bad Movie“ wird pünktlich zum 10. Geburtstag seiner Mega-Serie (2008-2013) die Geschichte weitererzählt. Diesmal für Netflix. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Jesse Pinkman, der rechten Hand des toten Drogenbosses Walter White. Eine rundum überzeugende Geschichte ist dabei nicht entstanden, dafür aber einige schöne „Breaking Bad“-Momente.
Mittwoch, 25. September 2019
The Loudest Voice - Russel Crowe spielt ein Sexmonster
Beim Casting für die Showtime-Serie „The Loudest Voice“ hätte ich bei der Besetzung der Hauptrolle eher an John Goodman gedacht, tatsächlich spielt aber Russell Crowe den Ex-CEO Roger Ailes, der als Macher von Fox News zwanzig Jahre lang nicht nur den Medienmarkt, sondern auch die Politik in den USA aufmischte.
Viele amerikanische Zuschauer werden „The Loudest Voice“ nicht mögen. Dass Russell Crowe für seine Darstellung eines Mannes, der Frauen sexuell ausbeutete und nicht ganz unwesentlich an Donald Traums Aufstieg beteiligt war, einen EMMY verdient hat, ist allerdings nach wenigen Folgen klar.
Viele amerikanische Zuschauer werden „The Loudest Voice“ nicht mögen. Dass Russell Crowe für seine Darstellung eines Mannes, der Frauen sexuell ausbeutete und nicht ganz unwesentlich an Donald Traums Aufstieg beteiligt war, einen EMMY verdient hat, ist allerdings nach wenigen Folgen klar.
Donnerstag, 12. September 2019
The Sisters Brothers
Der neue Film des französischen Autorenfilmers Jacques Audiard ist ein Spätwestern, vielleicht auch ein Noir Western – möglicherweise auch eine Entzauberung klassischer Westernmythen, die trotzdem respektvoll mit diesem Genre umgeht.
Auf jeden Fall wird von einer existenziellen Selbstfindung in einer unberechenbaren, gewalttätigen Welt erzählt. Aber das hat Audiard bereits in früheren Filmen getan. Auch diesmal ist ein filmisches Juwel entstanden.
Auf jeden Fall wird von einer existenziellen Selbstfindung in einer unberechenbaren, gewalttätigen Welt erzählt. Aber das hat Audiard bereits in früheren Filmen getan. Auch diesmal ist ein filmisches Juwel entstanden.
Dienstag, 27. August 2019
Mindhunter - die NETFLIX-Serie ist ein Volltreffer
Nach der aufsehenerregenden 1. Staffel der NETFLIX-Serie „Mindhunter“ geht die Analyse von und die Suche nach Serienmördern in neun neuen Episoden auf NETFLIX weiter.
Die zweite Staffel vertieft die Charakterentwicklung der Ermittler Holden Ford und Bill Tench und der Wissenschaftlerin Wendy Carr und stellt einen der spektakulärsten Kriminalfälle der 1970er Jahre in den Mittelpunkt - die Atlanta-Morde, die von 1979 bis 1981 insgesamt 28 farbige Kinder und Jugendliche das Leben kostete. Spannend, vielschichtig und auch ohne blutige Szenen erschreckend realistisch – auch die zweite Staffel ist ein Fall für Binge Viewer.
Die zweite Staffel vertieft die Charakterentwicklung der Ermittler Holden Ford und Bill Tench und der Wissenschaftlerin Wendy Carr und stellt einen der spektakulärsten Kriminalfälle der 1970er Jahre in den Mittelpunkt - die Atlanta-Morde, die von 1979 bis 1981 insgesamt 28 farbige Kinder und Jugendliche das Leben kostete. Spannend, vielschichtig und auch ohne blutige Szenen erschreckend realistisch – auch die zweite Staffel ist ein Fall für Binge Viewer.
Sonntag, 18. August 2019
Once Upon a Time in Hollywood
Mit seinem nach eigener Aussage vorletzten Film zeichnet Quentin Tarantino nicht nur ein impressionistisches Bild der Film-und TV-Industrie Hollywoods in den 1960er-Jahren, sondern auch das Ende der Flower Power-Ära, die durch die „Tate-LaBianca-Morde“ ein abruptes Ende fand.
„Once Upon a Time in Hollywood“ erzählt allerdings nicht von den Stars eines recht gnadenlosen Business, sondern von den Profis aus der zweiten Reihe: einem abgehalfterten TV-Westernstar und seinem besten Freund, einem Stuntman. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt spielen die spannendsten Buddys seit „Pulp Fiction“ und weil Quentin Tarantino nicht nur das Kino liebt, sondern auch an seine Macht glaubt, dürfen seine Helden am Ende wieder einmal die Realität korrigieren. „Once Upon a Time in Hollywood“ ist ein Meisterwerk.
„Once Upon a Time in Hollywood“ erzählt allerdings nicht von den Stars eines recht gnadenlosen Business, sondern von den Profis aus der zweiten Reihe: einem abgehalfterten TV-Westernstar und seinem besten Freund, einem Stuntman. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt spielen die spannendsten Buddys seit „Pulp Fiction“ und weil Quentin Tarantino nicht nur das Kino liebt, sondern auch an seine Macht glaubt, dürfen seine Helden am Ende wieder einmal die Realität korrigieren. „Once Upon a Time in Hollywood“ ist ein Meisterwerk.
Samstag, 17. August 2019
Widows
Drei Gangsterbräute wollen den Männern endlich ein Schnippchen schlagen und planen im Alleingang einen großen Coup. Es war ein Jugendtraum von Steve McQueen, die 1983 und 1985 von ITV ausgestrahlte britische TV-Serie „Widows“ von Lynda La Plante irgendwann zu verfilmen.
Beim britischen Regisseur hatte die Serie in jungen Jahren einen mächtigen Eindruck hinterlassen. Nun also das Remake, das eigentlich keins ist, da AMC sich bereits 2002 an dem Stoff versuchte. Steve McQueens neuer Film ist sehenswert, kann aufgrund seiner Drehbuchschwächen aber nicht restlos überzeugen.
Beim britischen Regisseur hatte die Serie in jungen Jahren einen mächtigen Eindruck hinterlassen. Nun also das Remake, das eigentlich keins ist, da AMC sich bereits 2002 an dem Stoff versuchte. Steve McQueens neuer Film ist sehenswert, kann aufgrund seiner Drehbuchschwächen aber nicht restlos überzeugen.
Sonntag, 4. August 2019
Der Name der Rose - die Serienadaption von Umberto Ecos Roman
Über dreißig Jahre nach Jean-Jacques Annaud Verfilmung des Umberto Eco-Bestsellers „Der Name der Rose“ hat sich nun der Serienmarkt an einer frisch aufgepeppten Version versucht.
Regisseur Giacomo Battiato erfindet das Rad zwar nicht neu, liefert aber eine gediegene Erzählung ab, die besonders in den letzten Episoden Fahrt aufnimmt. Das ist nicht immer stimmig, aber trotz gelegentlich hämischer Kritikerschelte kaum schlechter als Annauds Kultfilm. Dies liegt weniger an der sattsam bekannten Geschichte, sondern an den respektablen Darstellerleistungen.
Regisseur Giacomo Battiato erfindet das Rad zwar nicht neu, liefert aber eine gediegene Erzählung ab, die besonders in den letzten Episoden Fahrt aufnimmt. Das ist nicht immer stimmig, aber trotz gelegentlich hämischer Kritikerschelte kaum schlechter als Annauds Kultfilm. Dies liegt weniger an der sattsam bekannten Geschichte, sondern an den respektablen Darstellerleistungen.
Sonntag, 7. Juli 2019
Spider-Man: Far From Home
Nach dem furiosen „Endgame“ schließt Marvel die Phase 3 seines Marvel Cinematic Universe mit einem neuen Solo-Film von Spider-Man ab. Doch der von Tom Holland gespielte Spinnenmann hat es nicht nur mit gefährlichen Widersachern zu tun, sondern auch mit Kräften aus einer Parallelwelt, die an ihm zerren. Es ist unsere Welt und es sind vor allen Dingen die Verwerfungen des Medienmarktes, die darüber entscheiden werden, was aus ihm wird.
„Spider-Man: Far From Home“ ist vor diesem Hintergrund ein spannender Film geworden. In einem kompliziert gewordenen Erzählkosmos, in dem Parallelwelten und Zeitreisen für viele Rätsel sorgen, befindet sich der neue Marvel-Film irgendwo zwischen LSD-Trip und einer netten Coming-of-Age-Geschichte. Ordentliches Popcorn-Kino, aber sicher kein weiterer Höhepunkt des Marvel-Kosmos.
„Spider-Man: Far From Home“ ist vor diesem Hintergrund ein spannender Film geworden. In einem kompliziert gewordenen Erzählkosmos, in dem Parallelwelten und Zeitreisen für viele Rätsel sorgen, befindet sich der neue Marvel-Film irgendwo zwischen LSD-Trip und einer netten Coming-of-Age-Geschichte. Ordentliches Popcorn-Kino, aber sicher kein weiterer Höhepunkt des Marvel-Kosmos.
Sonntag, 23. Juni 2019
Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm
Wer sich für deutsche Literatur- und Theatergeschichte interessiert und auch für einen der genialsten Dichter und Denker des 20. Jh., der kommt um Joachim A. Langs Film nicht herum. Schwere Kost? Ja! Aber leicht serviert. Der Film macht Spaß, auch Zuschauern, die zuletzt in der Schule mit Bertolt Brecht zu tun hatten. Lang ist ein ausgezeichneter Brecht-Kenner und so zeigt er in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt: Denken macht Spaß, ist aber kein Zuckerschlecken.
„Mackie Messer“ ist ein opulentes Stück Kino mit ausgezeichneten Darstellern, aber auch eine Lektion darüber, was Brecht vorschwebte, als er Ende der 1930er Jahre die „Dreigroschenoper“, seinen großen Theaterhit, auch auf die Kinoleinwände der Weimarer Republik bringen wollte. Die Filmproduzenten wollten Unterhaltung, Brecht dagegen mehr Politik. Man zog vor Gericht und Brecht machte aus dem Prozess ein Lehrstück. Der deutsche Regisseur Joachim A. Lang zeigt nun, wie der „Dreigroschenfilm“ hätte aussehen können.
„Mackie Messer“ ist ein opulentes Stück Kino mit ausgezeichneten Darstellern, aber auch eine Lektion darüber, was Brecht vorschwebte, als er Ende der 1930er Jahre die „Dreigroschenoper“, seinen großen Theaterhit, auch auf die Kinoleinwände der Weimarer Republik bringen wollte. Die Filmproduzenten wollten Unterhaltung, Brecht dagegen mehr Politik. Man zog vor Gericht und Brecht machte aus dem Prozess ein Lehrstück. Der deutsche Regisseur Joachim A. Lang zeigt nun, wie der „Dreigroschenfilm“ hätte aussehen können.
Dienstag, 11. Juni 2019
Chernobyl - der Horror der Fakten
Was hat HBO nach „Game of Thrones“ noch im Köcher? Eine ganze Menge. Mit der Miniserie über den Super-GAU, der sich 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat ereignete, katapultierte sich HBO innerhalb weniger Tage in der IMDB auf Platz 1 der „Top Rated TV Shows“.
Mit Showrunner Graig Mazin, der bis lang nicht gerade mit anspruchsvoller Kost glänzen konnte, und dem schwedischen Musiker und Regisseur Johan Renck, der nur vereinzelt in den Regielisten von „Breaking Bad“, „The Walking Dead“ und „Vikings“ aufgetaucht ist, haben zwei wenig prominente Filmemacher nun ein gewaltiges TV-Gewitter inszeniert, das zu den dichtesten und unangenehmsten im aktuellen Serien-Kosmos gehört. „Chernobyl“ geht nicht nur unter die Haut, sondern schlägt auch auf den Magen
Mit Showrunner Graig Mazin, der bis lang nicht gerade mit anspruchsvoller Kost glänzen konnte, und dem schwedischen Musiker und Regisseur Johan Renck, der nur vereinzelt in den Regielisten von „Breaking Bad“, „The Walking Dead“ und „Vikings“ aufgetaucht ist, haben zwei wenig prominente Filmemacher nun ein gewaltiges TV-Gewitter inszeniert, das zu den dichtesten und unangenehmsten im aktuellen Serien-Kosmos gehört. „Chernobyl“ geht nicht nur unter die Haut, sondern schlägt auch auf den Magen
Montag, 10. Juni 2019
Designated Survivor - die dritte Staffel hat eine harte Agenda
Wie ein Phönix aus der Asche kam sie zurück, zuvor lieblos ad acta gelegt: „Designated Survivor, die vor anderthalb Jahren von ABC nach zwei Staffeln gecancelte Serie. Jenes Politdrama, das von einem Mann erzählt, der eigentlich kein Politiker sein will, aber plötzlich der mächtigste Mann der westlichen Welt ist.
Hatten nicht viele gesagt, dass diese Geschichte auserzählt ist? Nun ist der von Kiefer Sutherland gespielte Idealist Tom Kirkman, der kein Pragmatiker der Macht sein wollte, wieder da. In der letzten der zehn neuen Folgen holt er sich erneut seinen Therapeuten ins Weiße Haus, weil die Schuld an ihm nagt. Unmittelbar vor dem Finale der Präsidentschaftswahlen hat Kirkman zwar nicht gelogen, aber bewusst geschwiegen, um seinen größten Widersacher politisch zu vernichten. Darf das einer wie er, darf man das überhaupt? Das sind nicht die einzigen Fragen, die in einer Serie gestellt werden. „Designated Survivor“ wird sogar im letzten Drittel zu einer bitterbösen Anti-Trump-Brandrede. Überhaupt nicht fair, ausgewogen, objektiv und nett, sondern gallig, parteiisch und wütend.
Hatten nicht viele gesagt, dass diese Geschichte auserzählt ist? Nun ist der von Kiefer Sutherland gespielte Idealist Tom Kirkman, der kein Pragmatiker der Macht sein wollte, wieder da. In der letzten der zehn neuen Folgen holt er sich erneut seinen Therapeuten ins Weiße Haus, weil die Schuld an ihm nagt. Unmittelbar vor dem Finale der Präsidentschaftswahlen hat Kirkman zwar nicht gelogen, aber bewusst geschwiegen, um seinen größten Widersacher politisch zu vernichten. Darf das einer wie er, darf man das überhaupt? Das sind nicht die einzigen Fragen, die in einer Serie gestellt werden. „Designated Survivor“ wird sogar im letzten Drittel zu einer bitterbösen Anti-Trump-Brandrede. Überhaupt nicht fair, ausgewogen, objektiv und nett, sondern gallig, parteiisch und wütend.
Dienstag, 21. Mai 2019
Game of Thrones ist fertig – aber wie…!
Wer nach dem Ende einer der epochalsten Serien der jüngeren Seriengeschichte die von HBO geplanten Prequels sehen will, muss etwas nicht richtig verstanden haben. Denn wer sich nach der 8. Staffel anschauen will, was vor tausend Jahren in Westeros geschah, wird dabei das Ende der Mutterserie garantiert nicht aus dem Kopf bekommen. Ein Kommentar
Sonntag, 12. Mai 2019
Leave No Trace
„Leave No Trace" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Rock aus dem Jahr 2009. Rock hatte fünf Jahre zuvor einen Artikel über einen Mann gelesen, der mit seiner 12 Jahre alten Tochter vier Jahre lang ein eremitisches Leben in den Wäldern von Oregon führte. Der Vietnam-Veteran unterrichtete sein Kind mithilfe alter Enzyklopädien, beide ernährten sich von dem, was die Natur hergab.
Die Independent-Regisseurin Debra Granik adaptierte Rocks Buch zusammen mit der Filmproduzentin Anne Rossellini für den Film. Granik faszinierte dabei nicht nur der Non-Konformismus der beiden Außenseiter, sondern auch die Beherrschung von Überlebenstechniken, von denen der urbane Stadtmensch längst nichts mehr weiß.
Die Independent-Regisseurin Debra Granik adaptierte Rocks Buch zusammen mit der Filmproduzentin Anne Rossellini für den Film. Granik faszinierte dabei nicht nur der Non-Konformismus der beiden Außenseiter, sondern auch die Beherrschung von Überlebenstechniken, von denen der urbane Stadtmensch längst nichts mehr weiß.
Freitag, 3. Mai 2019
Die wandernde Erde – Sci-Fi-Katastrophenfilm exklusiv auf Netflix
Die Verfilmung von Cixin Lius Storysammlung „Die wandernde Erde“ ist mit einem Einspielergebnis von fast 700 Mio. US-Dollar im Moment der dritterfolgreichste Film an den chinesischen Kinokassen – hinter den Marvel-Filmen „Avengers: Endgame“ und „Captain Marvel“. Regisseur Frant Gwo zeigt einige spektakuläre Bilder – Story und Figurenentwicklung hinken mühsam hinterher.
Wieder einmal muss die Erde gerettet werden. Diesmal aber nicht vor einer ökologischen Katastrophe, sondern vor der guten alten Sonne, die sich langsam, aber tödlich zu einem Roten Riesen aufbläht. Gerade mal sieben Minuten dauert die Pre-Titel-Sequence, dann ist bereits eine der Hauptfiguren eingeführt und die gesamte Vorgeschichte erzählt.
Wieder einmal muss die Erde gerettet werden. Diesmal aber nicht vor einer ökologischen Katastrophe, sondern vor der guten alten Sonne, die sich langsam, aber tödlich zu einem Roten Riesen aufbläht. Gerade mal sieben Minuten dauert die Pre-Titel-Sequence, dann ist bereits eine der Hauptfiguren eingeführt und die gesamte Vorgeschichte erzählt.
Sonntag, 28. April 2019
„Avengers: Endgame“: Wie Kino funktioniert
Die Rekorde werden purzeln. 643 Mio. US-Dollar hat der neue Marvel-Film in den ersten drei Tagen eingespielt, die 2 Milliarden-Grenze wird vermutlich keine sein. Die Fans strömen weltweit ins Kino und wollen sich ungestört bespaßen lassen, die Kritiker (längst nicht alle) wittern Eskapismus und finstere Mächte am Werk.
Ja, „Avengers: Endgame“ ist augenbetäubend, größenwahnsinnig und nicht frei von Logiklöchern. Aber er ist auch ernsthaft, witzig, charmant und menschlich. Aber nie langweilig. Gutes Kino halt.
Ja, „Avengers: Endgame“ ist augenbetäubend, größenwahnsinnig und nicht frei von Logiklöchern. Aber er ist auch ernsthaft, witzig, charmant und menschlich. Aber nie langweilig. Gutes Kino halt.
Sonntag, 21. April 2019
Star Trek Discovery: Die zweite Staffel brilliert in der ersten Staffelhälfte und ruiniert sich dann selbst
CBS hat das Kunststück fertiggebracht, in der ersten Staffelhälfte fast alles richtig zu machen und ein echtes „Star Trek“-Gefühl zu erzeugen. Einige Episoden waren so gut, dass man das Gefühl hatte, die Serie könne den Spagat hinbekommen: nämlich jene Kultur einzupflegen, die die Trekkies seit Jahrzehnten an das Star Trek-Universum bindet, und den kommerziellen Ansprüchen des Networks zu genügen. Doch am Ende scheiterte STD am Größenwahn.
Im Erzählkosmos eines Brannon Braga, der jetzt Mastermind bei „The Orville“ ist, gab es in „Star Trek: The Next Generation“ und „Star Trek: Voyager“ auch groß angelegte Story Arcs (man denke nur an die „Borg“), aber die Serie verlor nur selten das Gefühl für die Figuren und die Logik der Ereignisse. Heute mag das hausbacken wirken, aber noch immer fühlen sich viele Fans in dieser altmodischen, langsamen Welt sehr wohl. „Star Trek: Discovery“ blähte dagegen einen vielversprechenden Plot in der zweiten Hälfte zu einer gigantomanischen Erzählblase auf, in der es um nicht weniger als um die Rettung jeglichen Lebens in unserer Galaxis ging. Ging es nicht eine Nummer kleiner?
Im Erzählkosmos eines Brannon Braga, der jetzt Mastermind bei „The Orville“ ist, gab es in „Star Trek: The Next Generation“ und „Star Trek: Voyager“ auch groß angelegte Story Arcs (man denke nur an die „Borg“), aber die Serie verlor nur selten das Gefühl für die Figuren und die Logik der Ereignisse. Heute mag das hausbacken wirken, aber noch immer fühlen sich viele Fans in dieser altmodischen, langsamen Welt sehr wohl. „Star Trek: Discovery“ blähte dagegen einen vielversprechenden Plot in der zweiten Hälfte zu einer gigantomanischen Erzählblase auf, in der es um nicht weniger als um die Rettung jeglichen Lebens in unserer Galaxis ging. Ging es nicht eine Nummer kleiner?
Freitag, 5. April 2019
The Walking Dead reloaded: Staffel 9 ist gut, bringt die Serie aber nicht vom Fleck
Die Untoten schlurfen ihrer 10. Staffel entgegen. Einige nicht, sie sind in der bitteren Winterkälte Georgias zu Eisblöcken gefroren, stehen monolithisch in der winterkalten Landschaft, was Daryl nutzt, um einem von ihnen mit dem Kolben seines Bogens den Kopf abzuschlagen. Es regnet Eissplitter.
Man konnte diese Bildmetapher unterschiedlich deuten. Wer wohlwollend ist, goutiert dies als innovative Idee. Wer schlechter drauf ist, erkennt den Stillstand im Aufbruch, denn nach wie vor sieht es bei einigen Quoten für die Serie schlecht aus.
Man konnte diese Bildmetapher unterschiedlich deuten. Wer wohlwollend ist, goutiert dies als innovative Idee. Wer schlechter drauf ist, erkennt den Stillstand im Aufbruch, denn nach wie vor sieht es bei einigen Quoten für die Serie schlecht aus.
Mittwoch, 3. April 2019
The Highwaymen
Über 50 Jahre nach Arthur Penns mythologisierendem Film „Bonnie an Clyde“ versucht John Lee Hancock Junior mit einem Wechsel der Perspektive eine historisch akkuratere Version der Geschichte um die Barrow-Gang auf die Leinwand zu bringen. Das ist dem Film über weite Strecken gelungen.
Das berüchtigte Gangster-Pärchen ist in dem Film kaum zu sehen. Stattdessen erzählt Hancock („Blind Side – Die große Chance) die Geschichte von Frank Hamer und Maney Gault, den beiden ehemaligen Texas Rangern, die Bonnie und Clyde zusammen mit vier lokalen Polizeibeamten am 23. May 1934 in Louisiana blutig zur Strecke brachten. „The Highwaymen“ ist seit einer Woche ausschließlich bei NETFLIX zu sehen.
Freitag, 22. März 2019
„Trautmann“ – ein Film aus der faktenfreien Zeit
Marcus H. Rosenmüller setzt dem in Deutschland lange unbekannt gebliebenen Torhüter Bernd „Bert“ Trautmann in seinem gleichnamigen Film ein hochemotionales Denkmal. Ein Film über den Deutschen, der bis 1964 insgesamt 545-mal im Fußballtor von Manchester City stand, war überfällig. Er hätte nur gelingen müssen.
„Trautmann“ (The Keeper) ist zwar nicht auf ganzer Linie gescheitert. Der Film bleibt aber mutlos, weil er es mit den Fakten nicht genau nimmt, Trautmanns Biografie sogar verfälscht und sich in den Ambitionen des Regisseurs verzettelt. Rosenmüller umkurvt zugegeben elegant alle politischen und historischen Zumutungen eines spannenden Fußballerlebens und verpasst dem Publikum stattdessen einen kompakten Wellness-Einlauf, der aus der Hauptfigur einen tragischen Helden macht. Enttäuschend.
„Trautmann“ (The Keeper) ist zwar nicht auf ganzer Linie gescheitert. Der Film bleibt aber mutlos, weil er es mit den Fakten nicht genau nimmt, Trautmanns Biografie sogar verfälscht und sich in den Ambitionen des Regisseurs verzettelt. Rosenmüller umkurvt zugegeben elegant alle politischen und historischen Zumutungen eines spannenden Fußballerlebens und verpasst dem Publikum stattdessen einen kompakten Wellness-Einlauf, der aus der Hauptfigur einen tragischen Helden macht. Enttäuschend.
Dienstag, 19. März 2019
A Star Is Born
Ein gefeierter Country-Rockstar entdeckt ein schüchternes Mädchen, das phantastisch singen kann. Er holt die Widerstrebende bei einem Gig auf die Bühne. Sie singt sich die Seele aus dem Leib. Ein entscheidendes Momentum: A star is born. Das Mädchen wird zum Pop-Star, der Rockstar versinkt in Drogen und Alkohol, ruiniert seine Karriere und bringt sich um.
Plotbeschreibung oder Spoiler? Weder noch. Eher schon eine Symptombeschreibung, denn die Krankheit, an der Bradley Coopers Melodram „A Star Is Born“ leidet, heißt Recycling. Was in der Müllverwertung eine tolle Sache ist, das führt im Filmbusiness leider nur zu oft zu einem riesigen Haufen neuen Schrotts.
Plotbeschreibung oder Spoiler? Weder noch. Eher schon eine Symptombeschreibung, denn die Krankheit, an der Bradley Coopers Melodram „A Star Is Born“ leidet, heißt Recycling. Was in der Müllverwertung eine tolle Sache ist, das führt im Filmbusiness leider nur zu oft zu einem riesigen Haufen neuen Schrotts.
Dienstag, 5. März 2019
True Detective Staffel 3: Weder Fisch noch Fleisch
Viel diskutiert, umstritten - und doch streckenweise klug. Die dritte Staffel von „True Detective“ besitzt alle Eigenschaften, um zu polarisieren. Sie streut falsche Fährten aus, um dem Zuschauer erst in der letzten Folge zu erklären, welche Geschichte er tatsächlich gesehen hat.
Wer das akzeptieren kann, hat die emotional berührende Zersplitterung des Lebens seiner Hauptfigur erlebt, die im Dschungel Vietnams beginnt und dort als letzte schreckhafte Erinnerung auch fortgesetzt wird. Zwischendurch hat sich Hays bedingungslos einer Sache verschrieben, einem 35-jährigen Suchen nach der Wahrheit in einem Labyrinth, in dem auch der Rest seines Lebens zerbricht und an dessen Ende nur ein kleiner Lichtstreif Hoffnung übrigbleibt.
Wer das akzeptieren kann, hat die emotional berührende Zersplitterung des Lebens seiner Hauptfigur erlebt, die im Dschungel Vietnams beginnt und dort als letzte schreckhafte Erinnerung auch fortgesetzt wird. Zwischendurch hat sich Hays bedingungslos einer Sache verschrieben, einem 35-jährigen Suchen nach der Wahrheit in einem Labyrinth, in dem auch der Rest seines Lebens zerbricht und an dessen Ende nur ein kleiner Lichtstreif Hoffnung übrigbleibt.
Sonntag, 17. Februar 2019
Black Earth Rising - komplexer Politthriller bei Netflix
Der aktuell von Netflix gestreamte Politthriller „Black Earth Rising“ gehört mit zum Besten, was derzeit zu sehen ist. Auch zum Schwierigsten. Man kann sich leicht im Plot verirren, man sollte sich sogar über den Völkermord in Ruanda und die aktuelle Geschichte des Landes einiges anlesen, bevor man sich dem Binge Watching hingibt.
„Die Koproduktion von BBC Two und Netflix mutet dem Publikum vieles zu. Sie balanciert immer wieder auf der Grenze zur Überforderung, überschreitet diese hier und da und sammelt die Zuschauer erst spät mit Erklärungen wieder ein“, schrieb Benedict Frank in der „Süddeutschen“. Das trifft den Kern, nur bringen diese Erklärungen dann am Ende auch die gewünschte Klarheit. Sehenswert.
„Die Koproduktion von BBC Two und Netflix mutet dem Publikum vieles zu. Sie balanciert immer wieder auf der Grenze zur Überforderung, überschreitet diese hier und da und sammelt die Zuschauer erst spät mit Erklärungen wieder ein“, schrieb Benedict Frank in der „Süddeutschen“. Das trifft den Kern, nur bringen diese Erklärungen dann am Ende auch die gewünschte Klarheit. Sehenswert.
Abonnieren
Posts (Atom)