Mittwoch, 26. Mai 2021

Army of the Dead - Zack Snyder hat die Zombies wiederentdeckt


Patient X kann zum Untergang der Menschheit führen: er ist ein riesiger Zombie mit besonderen Fähigkeiten. Ein Hochsicherheits-Konvoi der US-Army transportiert ihn von der Area 51 durch die Wüste Nevadas zu einem unbekannten Ziel. Die Soldaten haben aber Pech, denn das einzige Fahrzeug, das sonst noch in dieser Nacht unterwegs ist, ist das Auto eines frisch vermählten Paares. Schlimm: die beiden wollen Sex, während gleichzeitig das Fahrzeug gesteuert werden soll. Noch schlimmer: nach einem frontalen Zusammenstoß entkommt der Riesenzombie aus seinem Käfig, rekrutiert sofort die ersten Mitglieder seiner „Army of the Dead“ und marschiert nach Las Vegas.

Zack Snyders Versuch, für NETFLIX dem zu Tode gerittenen Genre des Zombie-Horrorfilms etwas Neues abzuringen, gelingt nur teilweise. Snyder persifliert das Genre in Grund und Boden und setzt dabei ganz auf den Überwältigungseffekt der schamlosen Übertreibung. Das ist garantiert nicht jedermanns Sache. Was Snyder aber kann: er findet starke Bilder. Visuell ist „Army of the Dead“ ein Hingucker. Und damit sind nicht nur die Kamerabilder gemeint.

Dienstag, 25. Mai 2021

Wahl der Waffen - Alain Corneaus Filmklassiker wurde hervorragend restauriert


Der französische Regisseur Alain Corneau (1943-2010) erreichte nicht die Anerkennung, die Jean-Pierre Melville mit seinen stilprägenden Gangsterfilmen bis heute behielt. Aber Corneaus 1981 entstandener Film „Wahl der Waffen“ blieb dafür einer der letzten seiner Art: ein Genrefilm, der sich 9 Jahre nach Melvilles letztem Film ganz dem Geist des Film noir verschrieb, aber mit der Figur des von Gerard Depardieu gespielten Mickey die Ikonisierung des Gangsters à la Melville dekonstruierte.
Nun hat White Pearls Classics den sorgfältig restaurierten Film auf Bluray und DVD veröffentlicht und präsentiert mit seinem Media Book einen fast vergessenen Klassiker in einer technischen Qualität, die locker dem Vergleich mit aktuellen, digital produzierten Filmen standhält.

Samstag, 22. Mai 2021

The Nevers - HBO-Serie mit Licht und Schatten

Das britische Empire hat es schwer: Es ist das Jahr 1896, als ein Raumschiff über London erscheint und viel Klitzerkram vom Himmel regnet. Danach besitzen viele Frauen plötzlich Superkräfte. Sie heißen von nun an „The Touched“ (Die Berührten), werden von maskierten Vigilanten gejagt und haben auch in der Upper Class einen schweren Stand. 

Frauen, die mehr können als Männer. Das hört sich nach einem feministischen Plot an, ist aber keiner. Auch wenn einige weiße alte Männer abschätzig über Frauen mit Superkräften lästern…

Freitag, 14. Mai 2021

Vergiftete Wahrheit - der Öko-Thriller von Todd Haynes schockiert


Manchmal ist die Wahrheit so hart, dass man sie eigentlich nicht wissen will. Gerade in Corona-Zeiten ist dies keine neue Erkenntnis. Todd Haynes filmische Abrechnung mit dem globalen Chemiegiganten DuPont ist harte Wahrheit - und es folgt ein Schock, wenn man nicht rechtzeitig aus dem Film aussteigt.
Warum? Es gibt technische Innovationen, die in Laboren herangezüchtet werden und bei uns allen als Haushaltsprodukte landen. Die Gefahren erkennt man erst viel später. Und die sind im übelsten Sinne, aber auf eine andere Weise, erfolgreicher als ein Virus, denn „bei uns allen“ ist wörtlich zu verstehen. 97% der Weltbevölkerung haben PFOA im Blut. Vermutlich haben die meisten Haushalte auch eine Teflon-Pfanne in der Küche. Wie beides zusammenhängt, erfährt man in „Vergiftete Wahrheit.“

Montag, 10. Mai 2021

Der Fall Richard Jewell

Clint Eastwoods bislang letzter Film kam bereits Ende 2019 in die amerikanischen Kinos. Dann kam Corona und es dauerte über ein Jahr, bis der „Der Fall Richard Jewell“ die deutschen Streamingportale erreichte und nun auch auf Bluray und DVD erhältlich ist. In wenigen Tagen wird der widerspenstige Moralist Clint Eastwood 91 Jahre alt und er will offenbar nicht aufhören.
„Der Fall Richard Jewell“ basiert auf wahren Begebenheiten. 1996 wurde der Security-Mitarbeiter Richard Jewell drei Tage lang zum nationalen Helden, nachdem er während der Olympischen Spiele in Atlanta in einem Park einen verdächtigen Rucksack entdeckte, in dem eine Bombe tickte. Durch sein entschlossenes Handeln rettete Jewell vielen Menschen das Leben. Dann begannen die Medien und das FBI mit einer Treibjagd. Aus dem Helden wurde ein Täter.

Samstag, 24. April 2021

#allesdichtmachen - Professor Dr. Dr. Boerne und die Querdenker

„Professor Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne“ ist ein hochintelligenter, aber schwer narzisstischer Gerichtsmediziner. Eingenordet wird diese fiktive Figur im Münsteraner „Tatort“ von seinem Buddy, dem bodenständigen Kriminalhauptkommissar Frank Thiel. Aber als Team lösen beide die kniffligsten Kriminalfälle. Nicht zuletzt auch, weil der arrogante Boerne eben auch ein extrem kompetenter Mediziner ist. Jan Josef Liefers und Axel Prahl schauspielern dieses Erfolgsgespann seit 2002 und werden für ihre scharfzüngigen Duelle von Millionen Fans geliebt.
Krimi, Slapstick oder Klamauk? Egal. Im wahren Leben hätte Jan Josef Liefers aber einen guten Freund wie Frank Thiel dringend benötigt. Der hätte ihm – womöglich sehr ruppig – erklärt, dass man besser die Finger von einer Aktion wie #allesdichtmachen lässt. Zu windig, zu wenig durchdacht, zu nah dran an der „Querdenker“-Szene. Doch Thiel war nicht da, als Liefers allen Ernstes vor der Kamera das Standard-Narrativ der Querdenker herunterbetete. Nämlich, dass alle Medien in Corona-Zeiten gleichgeschaltet sind. In Gottes Namen, von wem eigentlich?

Samstag, 3. April 2021

Clara (A Billion Stars – Im Universum ist man nicht allein)

Akash Sherman ist zweifellos ein Talent. Der kanadische Autor und Filmemacher heimste bereits als 16-Jähriger seinen ersten Festivalpreis ein. 2011 wurde sein Kurzfilm „For them, for You“ beim Future of Cinema Film Festival in Michigan mit zwei Preisen ausgezeichnet.
Dass Sherman sich im Science-Fiction-Genre gut aufgehoben fühlt, zeigte vier Jahre später sein erster Film „The Rocket List“. Der erzählt von einer Handvoll Jugendlicher, die angesichts des bevorstehenden Weltuntergangs wichtige Artefakte der menschlichen Kultur in einer Zeitkapsel bewahren wollen. Das 2018 produzierte Drama „Clara“ besteht aus viel Science, am Ende aus noch mehr Fiction und kann mittlerweile gestreamt werden. Es lohnt sich, aber mit Einschränkungen.

Sonntag, 7. März 2021

Greenland

Dem neuen Film von Gerard Butler war in den Kinos nur eine kurze Zeit vergönnt. In den USA wurde der Kinostart mehrfach verschoben. Am Ende sorgte die Corona-Pandemie dafür, dass „Greenland“ per Video on Demand vermarktet wird. In Deutschland ist er bei mehreren Streaming-Anbietern zu sehen.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie, die versucht, vor dem Einschlag eines riesigen Meteors eine unterirdische Bunkeranlage in Grönland zu erreichen, die von der US-Regierung für den Fall eines globalen Massensterbens gebaut wurde. „Greenland“ ist kein herkömmlicher Katastrophenfilm, sondern ein emotionales Familiendrama, das über weite Strecken sehenswert ist. Auch wegen Gerard Butler und Morena Baccarin, die ihre Rollen sehr glaubwürdig spielen.

Donnerstag, 18. Februar 2021

George A. Romeros „Dawn of the Dead“ in 4 K – und das auch noch legal!

Ist “Dawn of the Dead” Trash, der verboten und beschlagnahmt werden muss? Zumindest in Deutschland lautete die Antwort: Ja! Jahrzehntelang war George A. Romeros Kultklassiker über wandelnde Tote auf dem Index. Erst 2019 wurde die Indizierung aufgehoben, was natürlich das miese Geschäft mit verstümmelten Bootleg-Versionen auf der Stelle zerstörte. Gut so.
Nun hat Koch Media Home Entertainment Romeros Meisterwerk gleich in mehreren Editionen remastered auf den Markt gebracht, darunter auch eine deutschsynchronisierte native 4 K-Fassung des Argento-Cuts. Im Folgenden gehe ich nicht nur auf die Bedeutung des Films ein, sondern auch auf die Special Edition, die den Romero-Fans alle relevanten Schnittversionen des Films anbietet.

Freitag, 12. Februar 2021

Neues aus der Welt - Spätwestern mit Tom Hanks und Helena Zengel


Die einleitende Idee ist originell, die Geschichte ist es nicht. Das macht aber nichts, denn gute Geschichten kann man immer erzählen. Bloß sieht sie momentan nicht im Kino, sondern bei Netflix.
Mit seinem Spät-Western „Neues aus der Welt“ ist Paul Greengrass ein Glücksgriff gelungen. Denn in dem Film stimmt alles: die melancholische Geschichte eines Mannes, dem 1870 sein Homecoming nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg erst noch gelingen muss. Die wunderschönen Bilder von Dariusz Wolski, eine naturgewaltige Nebendarstellerin und ein Happy End, das man bei einem Film mit Tom Hanks zwar erwartet, das zum Glück aber glaubhaft ist, weil das Melodramatische den Realismus der Geschichte nicht aushebelt.

Dienstag, 2. Februar 2021

Das Damengambit – Netflix-Serie macht Schach wieder populär

Dass eine Serie über Schach zum Streaming-Hit wird, war Ende Oktober nicht absehbar. Einige Monate später ist „The Queen’s Gambit“ (Das Damengambit) die meistgesehene Serie bei NETFLIX. Und in den Kaufhäusern sind Schachspiele ausverkauft. 
Doch was fasziniert die Zuschauer eigentlich? Die heimliche Liebe zum Schach? Eher nicht. Viele enthusiastische Fans der siebenteiligen Serie werden nicht einmal wissen, wie die Figuren gezogen werden. Dann
fasziniert doch wohl eher das von Anya Taylor-Joy brillant gespielte drogenabhängige Schachgenie, das von Erfolg zu Erfolg eilt, ohne sein destruktives Ego aus eigener Kraft in den Griff zu bekommen. 


Samstag, 30. Januar 2021

Die Ausgrabung (The Dig) – eine sehenswerte Meditation über die Unvergänglichkeit

Mit „The Dig“ hat Netflix die Rechte an einem Stück Kinokunst von BBC Films übernommen, ein Film, der in jeder Hinsicht kein Mainstream ist: zu leise, zu wenig Handlung, eher ein Meditation über Leben und Tod und die Unvergänglichkeit.
Eine kluge Entscheidung, denn Regisseur Simon Stone erzählt in seinem zweiten Spielfilm nicht nur davon, wie kurz vor dem Beginn der Zweiten Weltkriegs im englischen Suffolk die vielleicht wichtigste archäologische Entdeckung aller Zeiten möglich wurde. Sondern auch davon, wie Menschen ihrem Handeln einen Sinn geben, während man eigentlich das Gegenteil erwartet.

Samstag, 9. Januar 2021

Feinde – dem ethischen Diskurs der ARD fehlte die Substanz

Das von der ARD angekündigte zweiteilige TV-Experiment wollte eine Debatte entfachen und die Zuschauer zum Mitdenken motivieren. Ein Perspektivwechsel sollte in „Feinde“ einen brisanten Entführungsfall von zwei Seiten beleuchten, doch die beabsichtigte Dialektik scheiterte weniger an der ethischen Fragestellung, sondern an der mangelnden dramaturgischen Substanz.

Stattdessen entzog sich Ferdinand von Schirachs Geschichte der Konstellation eines bekannten Falls, der Entführung von Jakob von Metzler, um die Geschichte so hinzubiegen, dass sie zur Botschaft des Erzählers passte.

Donnerstag, 24. Dezember 2020

The Midnight Sky - ein düsteres Weihnachtsgeschenk von NETFLIX

Es gibt einige Filme, die man sich zu Weihnachten eigentlich nicht anschauen will. Alle Menschen sind tot. Die wenigen Überlebenden werden es bald sein. Und ein alter sterbender Mann unternimmt alles, um ein letztes Gespräch mit seiner Tochter zu führen, die mit einem Raumschiff von einer Jupiter-Mission zurückkehrt.
Selten war eine Dystopie unspektakulärer. Dafür ist sie ehrlich. „The Midnight Sky“ ist sicher nicht George Clooneys eindrucksvollster Film, aber sein konsequenter Minimalismus und der völlig Verzicht auf ein tröstendes Ende lassen eine existenzielle Skepsis spüren, die am Ende ohne eine sedierende Botschaft auskommt. Ein überraschend düsteres Weihnachtsgeschenk von Netflix.

Montag, 21. Dezember 2020

Tenet – Christopher Nolans Mission Impossible


Er hat es wieder getan. In seinem neuen Film „Tenet“ wirft Christopher Nolan erneut die Naturgesetze über Bord. Glauben Sie, dass eine Tasse, die von einem Tisch auf den Boden gefallen ist, sich wieder zusammensetzen kann, indem sich ihre zerborstenen Teile wieder zusammenfügen und sie zurück auf den Tisch fliegt?
Wohl nicht, auch Christopher Nolan dürfte nicht ernsthaft daran glauben, möchte aber dem Zuschauer zeigen, wie eine Welt aussieht, in der dies geschieht. Das Ergebnis ist ein Film, der einen beim Zuschauen nicht im Geringsten berührt. Egal, in welche Richtung der Zeitpfeil sich richtet: „Tenet“ ist Zeitverschwendung.

Samstag, 12. Dezember 2020

Mank - David Finchers Film hält sich nicht immer an die Fakten

Nach Alfonso Cuaróns „Roma“ präsentiert Netflix mit „Mank“ exklusiv einen weiteren Kunstfilm der Extraklasse und unterstreicht damit seine Ambitionen, erlesenen Meisterwerken einen Platz im Pantheon der großen Filmemacher zu verschaffen.
Wow, dieser Teaser liest sich wie Werbung. Ist es aber nicht. Fincher liefert zwar ein genaues Bild des Studiosystems Hollywoods in den 1930er Jahren ab, erzählt dabei aus seiner Sicht, wie 1940 das Drehbuch für Orson Welles „Citizen Kane“ entstanden ist und demontiert ziemlich lässig Filmmogule wie Louis B. Mayer, den Studioboss von MGM. Aber „Mank“ - visuell zweifellos ein Meisterwerk - gerät als Period Drama auf die schiefe Bahn. Fincher schreibt einen Teil der Geschichte und ihrer Geschichten nämlich neu, um seine eigene Botschaft verkünden zu können.
„Mank“ soll eine Eloge auf die Drehbuchautoren sein, ist aber ausgerechnet dort nicht historisch korrekt, wo es um die Titelfigur geht – den Drehbuchautoren Herman J. Mankiewicz.

Samstag, 28. November 2020

The Walking Dead – World Beyond – ein lupenreiner Flop

Es möge keiner sagen, dass das Sujet einer Zombie-Apokalypse per se auserzählt ist. Sowas haben Kritiker bereits vor Jahrzehnten von den Western behauptet, doch aller Unkenrufe zum Trotz hält sich das Genre. Es gibt sogar sehenswerte Westernserien wie „Godless“.
Tatsächlich hängt alles von der Qualität einer Erzählung ab. Ist die Story gut, dann ist die Serie gut. Eine einfache Formel. Wie man eine Geschichte richtig vor die Wand fährt, gehört dagegen in jedes Filmseminar. Damit die Macher von morgen etwas lernen. „World Beyond“ ist idealer Lehrstoff.

Freitag, 27. November 2020

Luther – Season 5 - die neue Staffel ist ein Blutbad


ZDFneo erledigte seinen Job mit äußerster Konsequenz: die fünfte und vorerst letzte Staffel der beliebten Cop-Serie wurde mitten in der Nacht versendet und gleichzeitig in der Mediathek geparkt. Eine Serie, die zuvor in Deutschland mehr als nur eine kleine Fangemeinde erreichte.
Bei der Erstausstrahlung auf BBC One pulverisierte „Luther“ vor zwei Jahren alle vorherigen Quoten und erreichte knapp 10 Mio. Zuschauer. In Deutschland musste man zwei Jahre warten und sicher hätte man zumindest auch dank der Fans von Idris Elba überdurchschnittliche Quoten erreichen können. Herausfinden wird man das nun nicht mehr.

Mittwoch, 11. November 2020

Motherless Brooklyn - gelungener Noir-Film von Edward Norton

Ein neues „Chinatown“ sei der Film von Edward Norton nicht, schrieb ein deutscher Kritiker. Das sollte er auch nicht werden. Der Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans von Jonathan Letham fehlt der eisige Zynismus der Hauptfigur in Roman Polanskis Noir-Klassiker.
Norton hat in seiner zweiten Regiearbeit auch die Hauptrolle übernommen und spielt das Privat Eye stattdessen als zerbrechliche Person, die sich mit einem Tourette-Syndrom herumschlagen muss. Wer Geduld mitbringt, wird mit einem außergewöhnlichen Film belohnt.

Freitag, 16. Oktober 2020

Les Misérables (Die Wütenden) - Gewalt in den Banlieues

Ladj Ly hat keine Filmhochschule besucht. Der farbige Regisseur ist in den Banlieues nahe Paris aufgewachsen, er ist Autodidakt und seine große Liebe ist die Kamera. Mit seiner ersten Regiearbeit erzielte er nicht nur den Durchbruch, sondern wurde über Nacht zum Shooting-Star der französischen Filmszene.
Der Film beginnt mit Bildern des Triumphes: auf den Straßen feiern die Menschen den Sieg der französischen Fußballmannschaft bei der WM 2018. Ladj Ly hat diese Bilder spontan eingefangen, er ist einfach mit der Kamera losgezogen. Das Material hat er im Prolog seines Films verwendet, man sieht überwiegend glückliche schwarze Kids. Aber die Gemeinschaft ist trügerisch: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit scheint es nur noch im Fußball zu geben. Für die Dauer eines Spiels“, interpretiert Ly die Bilder. Danach beginnt ein Film, der mit dieser Illusion endgültig aufräumen will.

Samstag, 10. Oktober 2020

Pandemie

Trash kann beglückend sein. Man gönnt sich ja sonst nichts, brabbelt man vor sich hin, obwohl Verzicht in unserer hedonistischen Spaßgesellschaft nur selten der Fall ist. Auch nicht in einer Krise, die man sich sorgenbefreit wegphantasiert, mit Argumenten, die von Köchen und Schlagersängern geliefert werden.
In diesen Zeiten könnte also ein Film, der so richtig abledert in Sachen Pandemie, richtig befreiend wirken, wenn die Macher ein Szenario ausbreiten, in dem das maximale Grauen herrscht. Das geschieht in „Pandemie“ (The Flu), einem Katastrophenfilm des südkoreanischen Regisseurs Kim Sung-su. Aber das Vergnügen am Trash lässt schnell nach, denn „Pandemie“ verbreitet epischen Wahnsinn.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Devs - eine Serie am Rande des Machbaren

Alex Garlands Sci-Fi-Serie „Devs“ wurde im deutschsprachigen Raum von den Kritikern erstaunlich einhellig gehypt. Schnell machte das verdächtige Prädikat „Beste Sci-Fi-Serie aller Zeiten“ die Runde, so als hätte es – qualitativ betrachtet - monolithische Serien wie „Battleship Galactica“ oder den komplexen Star Trek-Kosmos nie gegeben.

Ein Teil der Faszination der Serie war einem Thema zu verdanken, das die Philosophie seit Jahrhunderten und die Physik spätestens seit Einstein zu komplexen Debatten angeregt hat: es geht um den Determinismus. „Devs“ geriet dabei mit einer simplen Vereinfachung der komplexen Zusammenhänge schnell auf die falsche Spur, auch wenn die Serie von den metaphysischen sozialen Konsequenzen des Determinismus recht ordentlich erzählt.

Montag, 5. Oktober 2020

The Walking Dead: World Beyond

Noch ein Spin-off. Während die Mutterserie nach der nächsten Staffel beendet wird, sollen weitere Ableger auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Untoten im TWD-Serienkosmos ihr Unwesen treiben können. Fans und erst recht Aussteiger fragen sich, ob das sein muss. 

Die Antwort ist einfach.

Montag, 28. September 2020

21 Bridges

Eigentlich ist „21 Bridges“ ein Zombiefilm – man hat den Plot zu oft oder so ähnlich gesehen. Nun sieht man die Darsteller als Verkörperung von unzähligen Genrevorbilder wie Untote durch die Handlung stapfen. Nach knapp der Hälfte der Zeit hat man prompt alle Geheimnisse entschlüsselt und weiß auch, wer der Hauptschurke ist. 

Warum dieser 08/15-Copfilm dann doch einigermaßen sehenswert ist, ist eine andere Geschichte. Und die hat viel mit dem Hauptdarsteller zu tun, denn in Brian Kirks Film sehen wir Chadwick Boseman in einer seiner letzten Rollen. Retten kann er den visuell sehr starken Film aber nicht, auch wenn es spannend ist zu sehen, wie schön man schlechte Drehbücher abfilmen kann.

Sonntag, 6. September 2020

Away - Netflix-Serie zwischen Soap und Science-Fiction

Vertrauen, Loyalität und Freundschaft sind der Kleister, der nicht nur in einem Raumschiff auf dem Weg zum Mars vonnöten ist, sondern auch auf dem Blauen Planeten, wo die Familien der Raumfahrer ihre ziemlich irdischen Probleme bewältigen müssen. „Away“ erzählt davon, aber auch davon, dass man ein Raumschiff nicht einfach wenden kann, um wieder nach Hause zu düsen. 
 
Die Netflix-Serie bemüht sich nicht einmal darum, auf Stereotypien zu verzichten, bringt alles aber so nett rüber, dass ein richtig nettes Stück Familienunterhaltung entstanden ist. Das liegt an einem fabelhaften Cast, angeführt von der Oscar- und Golden Globe-Gewinnerin Hilary Swank in Bestform.

Freitag, 31. Juli 2020

The Collapse

Was würde mit unserer Gesellschaft passieren, wenn das globale System morgen zusammenbrechen würde? Die achtteilige französische Miniserie „The Collapse“ beantwortet diese Frage mit gnadenloser Konsequenz. 
Ohne die Technologien der modernen westlichen Industriegesellschaften sind die Menschen dem Untergang geweiht.
Erst zerfallen die technischen, dann die ökonomischen Strukturen und fast gleichzeitig auch die moralischen. Die Stationen des Zerfalls werden in „The Collapse“ parabelhaft erzählt, die Episoden sind aber trotz oder vielleicht auch wegen ihrer analytischen Schärfe außergewöhnlich spannend erzählte Geschichten.

Samstag, 25. Juli 2020

Sløborn – Die ZDFneo-Serie hätte gelingen können

Es war nicht beabsichtigt, aber nun ist die ZDF-Serie „Sløborn“ tatsächlich der erste Corona-Film geworden, obwohl das SARS-CoV-2-Virus gar nicht in der achteiligen Serie vorkommt.
Dafür wütet global und auch auf der Nordseeinsel Sløborn die Taubengrippe. Die Menschen sterben nicht diskret auf Intensivstationen, sondern aus Augen und Nase blutend vor aller Augen. „Sløborn“ ist also nicht zimperlich, hat viele gute und präzise beobachtete Momente, stellt sich am Ende aber durch stereotype Genremuster und ein fragwürdiges politisches Statement ins Abseits.

Sonntag, 21. Juni 2020

The Vast of Night (Die Weite der Nacht)


„The Vast of Night“ ist ein Independent-Film, den niemand zeigen wollte. Erst beim Slamdance Film Festival 2019 konnte Andrew Patterson seinen Debütfilm zeigen. Steven Soderbergh, der auf dem Festival seinen mit dem iPhone gedrehten Film High Flying Bird vorstellte, war hingerissen. Doch erst, als Amazon Pattersons Sci-Fi-Geschichte ins Programm aufgenommen hatte, was sicher, dass diese kleine Perle des Genrekinos nicht in einem schwarzen Loch verschwinden würde.

Donnerstag, 18. Juni 2020

Essay über Sam Peckinpahs „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“

Vor 36 Jahren starb Sam Peckinpah. Der US-Regisseur blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1984 ein Außenseiter im Filmbusiness. Peckinpah war kritisch, rebellisch, eigensinnig. Einige seiner Filme waren blutig, die Gründe dafür nicht immer auf Anhieb nachvollziehbar.
Peckinpah leitete die Ära des Spätwestern ein, veränderte aber auch die Bildsprache des Genres. Vor zwei Jahren erschien eines seiner Spätwerke auf Bluray: „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“ – eine Mischung aus Roadmovie und Spätwestern. Auch diese Verschmelzung zweier Genres soll der Regisseur erfunden haben. Grund genug, sich „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“ noch einmal anzuschauen und darüber nachzudenken, was wir von Sam Peckinpah lernen können.


Freitag, 12. Juni 2020

Deutschstunde - Christian Schwochows gelungene Literaturverfilmung

Schon wieder eine Verfilmung der „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz? Wieder eine Lehrstunde über den Nationalsozialismus? Nicht wenige Zeitgenossen haben die Nase davon voll. Sie wollen frei sein von Belehrung, Pädagogisierung und Zwangserziehung – der Protest ist lauter geworden.
Christian Schwochows Neuverfilmung mit Ulrich Noethen und Tobias Moretti in den Hauptrollen nötigt den Zuschauer tatsächlich zum Nachdenken. Das ist gut so. „Deutschstunde“ setzt sich dabei aber nicht nur mit deutscher Geschichte auseinander. Er ist auch eine bebilderte Psychopathologie der Pflicht. Und derartige Befunde überdauern Jahrzehnte, weil die Zahl der Patienten einfach nicht zurückgehen will.


Mittwoch, 10. Juni 2020

Westworld Staffel 3 – Das Rätsel ist die Botschaft

Die zweite Staffel der HBO-Serie war ein Kampf, den der Zuschauer erst nach etlichen Durchgängen und unter Nutzung einschlägiger Literatur gewinnen konnte. In der ersten Staffel war dies auch so, aber da hatte die Serie von Jonathan Nolan und Lisa Joy noch ein Thema. Die dritte Staffel scheint auch einige zu haben, aber es hat nicht mehr viel mit dem zu tun, was uns „Westworld“ anfangs intelligent und glaubwürdig erklärte: die Bewusstwerdung einer Maschinenintelligenz. Nicht alles war in Season 3 schlecht, aber unterm Strich war es enttäuschend wenig.
Jonathan Nolan und Lisa Joy sind nicht dumm. Im Gegenteil. Sie geben kluge Interviews und scheinen sich in soziologischen und medientheoretischen Debatten wie Fische im Wasser zu bewegen. Ob sich die beiden Showrunner bei Marshall McLuhan bedient haben, weiß ich nicht. Aber die dritte Season erinnert doch sehr an den Medientheoretiker, der einst den enigmatischen Satz „The Medium is the message“ formulierte. 


Sonntag, 17. Mai 2020

Into the Night

Es gibt Serien, deren Ausgangsidee nicht nur witzig und vielversprechend ist, sondern schlichtweg originell und einmalig. In der Netflix-Serie „Into the Night“ fliegt eine Handvoll Verzweifelter in die Nacht, um den tödlichen Strahlen der Sonne zu entkommen. Immer nach Westen!
Aber schon bald stellt sich nicht nur die Frage, wie man die Maschine auftankt und an Lebensmittel gelangt, sondern ob man seine Reisegefährten überhaupt ertragen kann.  Showrunner Jason George macht aus dieser fragilen Ausgangskonstellation eine solide, durchgehend spannende Geschichte, deren überschaubares Potential in nur sechs Episoden stimmig entfaltet wird.

Donnerstag, 16. April 2020

Westworld – von Corona kalt erwischt

Nach drei Episoden der dritten Staffel von „Westworld“ werden die Zuschauer und Streamer mit unliebsamen Fakten konfrontiert: die HBO-Serie wird es auf SKY und seinen unterschiedlichen Plattformen nicht mehr in synchronisierter Fassung geben.
 

Im Moment kann man die von Jonathan Nolan und Lisa Joy geschaffene Serie in den nächsten Wochen bei Sky Ticket, Sky Q und Sky Go on Demand nur in der Originalfassung sehen, bestenfalls mit Untertiteln. SKY Atlantic HD steigt aus, berichtete QUOTENMETER am 14.4. Im Juni soll alles wieder „normal“ werden, doch mit dem Gebrauch dieses Wortes muss man in Corona-Zeiten vorsichtig umgehen.

Dienstag, 7. April 2020

Yesterday - eine witzige und doch sehr floskelhafte Komödie


In die Vergangenheit zu reisen und die Lottozahlen aus der Zukunft mitzunehmen – wer könnte der Versuchung widerstehen? In Danny Boyles Komödie „Yesterday“ führt ein anderer Weg die Hauptfigur zu unsterblichem Ruhm: sie wacht in einer Parallelwelt auf und kennt als Einzige die Songs der Beatles.
Ganau das widerfährt Jack Malick. Der ist ein erfolgloser Songwriter – kann er der Versuchung widerstehen? Kann er nicht. Der Film ist danach eine Stunde lang witzig und äußerst unterhaltsam, dann rutscht „Yesterday“ ins Floskelhafte ab und bleibt bis zur letzten Minute vorhersehbar.

Freitag, 3. April 2020

Picard - die neue Star Trek-Serie hat starke und schwache Momente

„Great Expectations“ – der Titel eines Romans von Charles Dickens könnte auch die Begeisterung gut auf den Punkt bringen, die recht groß war, als bekannt wurde, dass CBS mit „Picard“ endlich ein richtiges Sequel auf die Reise schicken wollte. Allerdings: Sind die Erwartungen groß, ist es die Fallhöhe auch. 


Dann war es soweit: „Picard“ konnte mit Patrick Stewart als Jean-Luc Picard und anderen bekannten Darstellern aus „Star Trek: The Next Generation“ und „Star Trek: Voyager“ besonders am Anfang kräftig punkten. Danach gab dabei ein paar schöne Momente, jede Menge Nostalgie, aber leider auch ein paar Bruchlandungen zu sehen. Note: Befriedigend.

Montag, 30. März 2020

Das Wunder von Marseille

„Das Wunder von Marseille“ – das ist in jeder Hinsicht ist ein doppelsinniger Filmtitel. 2011 gewann Fahim Mohammad, der 11-jährige Held des Films, als Migrant ohne Papiere die französische U 12-Meisterschaft, an der er nach dem Willen der Verbandsfunktionäre gar nicht hätte teilnehmen dürfen. Später wurde er sogar Schüler-Weltmeister. Ein Wunder.
Dass sein Vater Nura vom französischen Premierminister François Fillon nur dank des Schachtalents seines Sohns eine Aufenthaltserlaubnis erhielt, war angesichts der zu diesem Zeitpunkt deutlich restriktiveren Einwanderungspolitik das zweite Wunder. Vater und Sohn durften danach bis heute in Frankreich bleiben – natürlich auch als öffentlichkeitswirksame Beispiel einer gelungenen Migrationspolitik.

Mittwoch, 18. März 2020

In diesen Corona-Zeiten…

Natürlich hat auch der Filmclub – zumindest vorübergehend – in Zeiten von Corona aufgehört zu existieren. Keine Filme mehr, zumindest nicht mehr gemeinsam. Dafür regelmäßige Kontaktpflege und Austausch von Informationen – was der eine nicht weiß, das weiß der andere. Einige Gedanken dazu, quasi Off-Label verwendet.

Sonntag, 8. März 2020

Unterleuten - Das zerrissene Dorf

Goldfarbene Felder, aber immer noch ein Land in der Strukturkrise. Matti Geschonneck erzählt in dem ZDF-Dreiteiler von einem Dorf mitten in Brandenburg, das in eine schwere Krise gerät. Erst gab es die Treuhand, nun fallen Investoren in Unterleuten ein, die einen Windpark bauen wollen.
Die Verfilmung von Julie Zehs gleichnamigen Roman wurde als TV-Meilenstein angekündigt. „Unterleuten“ ist tatsächlich ein sehenswerter Dreiteiler geworden, gespielt vom Who is Who der deutschen Schauspielergarde. Ein düsteres Gesellschaftsdrama und ein Spiegelbild der Kleinkariertheit, das allerdings eine Frage nicht beantwortet.


Sonntag, 16. Februar 2020

Aniara

Filme bewegen sich in Grenzbereichen. Einige zerschellen an der Grenzmauer, weil sie halbherzig sind, andere übersteigen sie mutig. Aber nicht immer ist das, was man jenseits der Mauer findet, auch das, was man sich erhoffte. Der SF-Film „Aniara“ von Pella Kågerman und Hugo Lilja gelingt der Aufstieg. Was danach kommt, war nicht zu erwarten, nämlich wenig Sci-Fi, dafür aber eine Meditation über das, was der Mensch nicht kann in der Leere des Weltalls.
„Aniara“ ist die Verfilmung eines Versepos von Harry Martinson und seit Februar auf Bluray und DVD erhältlich. Der Film ist nie in die deutschen Kinos gekommen. Zu Recht, man erträgt ihn kaum. Er ist zu gut.


Montag, 10. Februar 2020

Ad Astra

„Zu den Sternen“ heißt der deutsche Verleihtitel. Er vermittelt sehnsuchtsvoll das Appellative, das Science-Fiction so wunderbar und auch naiv erscheinen lässt. Beyond frontiers könnte man auch sagen, Grenzen überwinden, das Neue als Herausforderung annehmen. Oder Astronomy is looking up, wie man es im Labor der Astronomin Ellie“ Arroway (Jodie Foster) in Robert Zemeckis „Contact” lesen kann.

Der Film von James Gray lässt dagegen nur wenig Raum für Optimismus und Utopien. Er erzählt stattdessen davon, dass der Mensch auf der Reise zu den Sternen auch immer sich selbst mitnimmt. Und dass er deshalb besser zu Hause bleiben sollte. DVD und Bluray liegen seit dem 6. Februar vor.