Der mexikanische Regisseur hat sich viel Zeit genommen, um eine alte Liebe auf die Leinwand zu bringen und ein ästhetisches Vergnügen daraus zu machen. So schön sind die Bilder in „Frankenstein“, dass man beinahe die Figuren vergisst. Die bewegen sich in der vermutlich nicht letzten Verfilmung von Mary Shelleys Roman „Frankenstein – The Modern Prometheus“ ethisch am Abgrund. Auch weil der Mensch ein Mensch ist und eine Kreatur, die kein Mensch ist, unbedingt ein Mensch sein will.
Guillermo del Toro hat aus dieser Tragödie eine Mischung aus Horrorfilm und Melodram gemacht, einen Film, der wie eine Gebrauchsanweisung aussieht. Für einen Film, der als historische Lehrstunde bebildert, was man in der Literaturgeschichte als „Schwarze Romantik“ bezeichnet hat: die Beschreibung des Abgründigen, des menschlichen Wahnsinns, dazu Spuk, Übernatürliches, Gewalt und Tod. Aber Guillermo del Toros „Frankenstein“ ist keineswegs trostlos. Er interpretiert die Vorlage einfach nur etwa anders.