Die letzte Episode der 8. Staffel beendete nicht nur den „All Out War“, sondern präsentierte auch eine Schlusseinstellung, die so aussah wie das Ende der Serie. Schluss und Aus mit der Zombieapokalypse, Vater und Sohn gehen vereint in eine bessere Zukunft. Dazu wird es nicht kommen – es war ein Flashback. Ginge es nach einigen Kritikern und Fans, müsste „The Walking Dead“ auf der Stelle eingestampft werden.
Die achte Staffel endete verblüffend friedlich. Außer ein paar Statisten musste niemand sterben. Die Macher verzichteten trotz einiger auf Click Baiting spezialisierten Medien auf das angekündigte Massensterben wichtiger Figuren und auch Negans Schicksal folgte konsequent der Storyline der Comics.
Dienstag, 17. April 2018
Dienstag, 10. April 2018
Seven Seconds - Netflix präsentiert Serien-Highlight
„Seven Seconds“ ist eine Anthologie-Serie, die sich zwischen Krimi, Cops & Crime & Money-Stuff und Courtroom-Drama einpendelt, für ein Maximum an Spannung sorgt und dann mit einem verstörenden Ende die Zuschauer ratlos zurücklässt.
Ein Unglück kommt selten allein. Das erfährt der junge Cop Peter Jablonski (Beau Knapp) an einem winterlichen Morgen. Seine Frau steht kurz vor der Entbindung, er telefoniert hektisch. Dann kracht es. Jablonski weiß im ersten Moment nicht, wen oder was er überfahren hat, aber ein Bike unter seinem SUV lässt Schlimmes ahnen. Er ruft seine Kollegen an, sein Vorgesetzter Mike DiAngelo (David Lyons) erscheint mit dem ganzen Team und sagt, was zu tun ist: Spuren beseitigen, Wegfahren, Schweigen. Denn Di Angelo hat das Opfer gesehen, einen farbigen Jugendlichen. Cop überfährt Schwarzen, alles Weitere ist vorprogrammiert, no chance: „Für diese Scheiße werden sie dich kreuzigen!“
Ein Unglück kommt selten allein. Das erfährt der junge Cop Peter Jablonski (Beau Knapp) an einem winterlichen Morgen. Seine Frau steht kurz vor der Entbindung, er telefoniert hektisch. Dann kracht es. Jablonski weiß im ersten Moment nicht, wen oder was er überfahren hat, aber ein Bike unter seinem SUV lässt Schlimmes ahnen. Er ruft seine Kollegen an, sein Vorgesetzter Mike DiAngelo (David Lyons) erscheint mit dem ganzen Team und sagt, was zu tun ist: Spuren beseitigen, Wegfahren, Schweigen. Denn Di Angelo hat das Opfer gesehen, einen farbigen Jugendlichen. Cop überfährt Schwarzen, alles Weitere ist vorprogrammiert, no chance: „Für diese Scheiße werden sie dich kreuzigen!“
Mittwoch, 28. März 2018
Akte X – eine große Serie endet mit einem Desaster
Nach der Midseason kehrten die X-Files mit zum Teil grandiosen Folgen aus der Pause zurück. Die letzte Episode hatte erneut Chris Carter zu verantworten. Wie befürchtet gelang es nicht, Sully und Mulder einen würdigen Abgang zu verschaffen. Aber es gibt eine Lösung!
Die Lösung ist recht einfach: Man vergisst 11x10 „My Struggle IV“ einfach, streicht diese Folge komplett aus dem Gedächtnis und betrachtet die 9. Episode als Ende. Denn besser als „Nothing Lasts Forever“ kann ein Finale nicht aussehen. Zuvor zogen die Macher noch einmal alle Register und schenkten den Fans einige witzige Geschichten. Die zeigten, dass man mit guten Scripts Akte X auch in Zukunft weitererzählen könnte.
Die Lösung ist recht einfach: Man vergisst 11x10 „My Struggle IV“ einfach, streicht diese Folge komplett aus dem Gedächtnis und betrachtet die 9. Episode als Ende. Denn besser als „Nothing Lasts Forever“ kann ein Finale nicht aussehen. Zuvor zogen die Macher noch einmal alle Register und schenkten den Fans einige witzige Geschichten. Die zeigten, dass man mit guten Scripts Akte X auch in Zukunft weitererzählen könnte.
Dienstag, 13. März 2018
„Annihilation“ - SciFi exklusiv auf NETFLIX
„Auslöschung“ heißt der deutsche Verleihtitel. Wer denkt da nicht an völlige Zerstörung? In der Physik funktioniert Annihilation anders. Wenn ein Teilchen mit einem Antiteilchen zusammentrifft und beide zerstrahlen, verschwinden sie nicht, sondern verwandeln sich in andere Teilchen. Das kommt dem Film von Alex Garland recht nahe.
Alex Garland hat mit „Ex Machina“ einen sehenswerten Film über Künstliche Intelligenz geschaffen. Gut kam der von Oscar Isaac gespielte Schöpfer der KI dabei nicht weg. Garlands bemerkenswerte Studie über den Überlebenswillen einer KI spielte in Räumen, Laboren, weit entfernt vom Tageslicht. Ein etwas klaustrophobischer Film.
In „Annihilation“ wird der Zuschauer in eine fremde Welt versetzt, die sich aus Fragmenten dessen, was sie gewesen ist, und etwas völlig Anderem, Fremden zusammensetzt. Ein Wald, in dem eine fremdartige Vegetation die Herrschaft übernommen hat und im dem Hirsche auftauchen, die statt eines Geweihs wunderschöne Äste mit farbfrohen Blüten tragen. Und dann völlig synchron davonhüpfen. Dort verwandeln sich die Menschen gelegentlich in Pflanzen, aber man weiß nicht so recht, ob das immer geschieht. Denn dort, wo „The Shimmer“ herrscht, gibt es offenbar keine Gesetze.
Alex Garland hat mit „Ex Machina“ einen sehenswerten Film über Künstliche Intelligenz geschaffen. Gut kam der von Oscar Isaac gespielte Schöpfer der KI dabei nicht weg. Garlands bemerkenswerte Studie über den Überlebenswillen einer KI spielte in Räumen, Laboren, weit entfernt vom Tageslicht. Ein etwas klaustrophobischer Film.
In „Annihilation“ wird der Zuschauer in eine fremde Welt versetzt, die sich aus Fragmenten dessen, was sie gewesen ist, und etwas völlig Anderem, Fremden zusammensetzt. Ein Wald, in dem eine fremdartige Vegetation die Herrschaft übernommen hat und im dem Hirsche auftauchen, die statt eines Geweihs wunderschöne Äste mit farbfrohen Blüten tragen. Und dann völlig synchron davonhüpfen. Dort verwandeln sich die Menschen gelegentlich in Pflanzen, aber man weiß nicht so recht, ob das immer geschieht. Denn dort, wo „The Shimmer“ herrscht, gibt es offenbar keine Gesetze.
Sonntag, 11. März 2018
Malen mit Zahlen – wie US-TV-Quoten einseitig interpretiert werden
Zahlen erzählen uns nicht die Wahrheit. Sie vermitteln Fakten. Zahlen vergleichen sich aber nicht freiwillig mit anderen Zahlen – das tut der Mensch. Das ist nötig, aber die Ergebnisse sind nicht alternativlos. Man darf ruhig selbst hinschauen.
„Man kann es so sagen: Die Zombie-Serie «The Walking Dead» steckt knöcheltief im Quoten-Morast. Am Sonntagabend holte die zweite Folge der Staffel 8B die niedrigsten Reichweiten seit Staffel eins bei den 18- bis 49-Jährigen. Insgesamt lief es in Staffel zwei, am 4. März 2012, schlechter. Heißt: Die Zeiten, in denen die AMC-Serie Werte jenseits der 15-Millionen-Marke holte, sind in ganz weite Ferne gerückt“, schrieb das Rating-Portal QUOTENMETER am 6. März.
Andere deutsche Online-Medien zogen nach und zelebrierten genüsslich den Absturz der Erfolgsserie. Dabei stellte QUOTENMETER die Relationen klar: Live hatten 6,82 Millionen Zuschauer die aktuelle Episode gesehen. Das war ein deutlicher Schwund im Vergleich zu den 8,28 Millionen, die den Auftakt nach der Midseason-Pause gesehen hatten. Aber weiter unten in dem Text, gleich nach einer raumgreifenden Werbung, konnte man lesen, dass Showtime mit seiner neuen Folge von „Homeland“ 0,93 Millionen Neugierige gefunden hatte. Ob das noch jemand gelesen hat?
„Man kann es so sagen: Die Zombie-Serie «The Walking Dead» steckt knöcheltief im Quoten-Morast. Am Sonntagabend holte die zweite Folge der Staffel 8B die niedrigsten Reichweiten seit Staffel eins bei den 18- bis 49-Jährigen. Insgesamt lief es in Staffel zwei, am 4. März 2012, schlechter. Heißt: Die Zeiten, in denen die AMC-Serie Werte jenseits der 15-Millionen-Marke holte, sind in ganz weite Ferne gerückt“, schrieb das Rating-Portal QUOTENMETER am 6. März.
Andere deutsche Online-Medien zogen nach und zelebrierten genüsslich den Absturz der Erfolgsserie. Dabei stellte QUOTENMETER die Relationen klar: Live hatten 6,82 Millionen Zuschauer die aktuelle Episode gesehen. Das war ein deutlicher Schwund im Vergleich zu den 8,28 Millionen, die den Auftakt nach der Midseason-Pause gesehen hatten. Aber weiter unten in dem Text, gleich nach einer raumgreifenden Werbung, konnte man lesen, dass Showtime mit seiner neuen Folge von „Homeland“ 0,93 Millionen Neugierige gefunden hatte. Ob das noch jemand gelesen hat?
Dienstag, 6. März 2018
„Bad Banks“ – eine Serie zwischen Koks und Kohle
Wenn nur 20 Prozent von dem stimmen, was Christian Schwochow auf ARTE und im ZDF in seinem Thriller über korrupte Banken zeigt, dann sind wir alle verloren, faktisch regiert von Soziopathen, die sich am Ende nur deshalb retten, weil der deutsche Finanzminister in den finalen Verhandlungen einfach nicht die körperliche Kondition hat, um das Rettungs-Marathon durchzuhalten.
Finanzkrisen sind, so der skrupellose Banker Quirin Sydow (Tobias Moretti), vielleicht erforderlich, um das ‚System‘ widerstandsfähiger zu machen und seine Immunkräfte zu stärken. Sydow ist maßgeblich daran beteiligt, dass die deutsche Global Invest heimlich Schrottpapiere in Milliardenhöhe an eine Tochterbank verscherbelt hat, um die eigenen Bilanzen aufzubrezeln. Sydows selbstkritische und gleichzeitig anmaßende Quintessenz ist Teil seines schriftlichen Testaments, denn eigentlich ist er gerade dabei, sich ein Messer ins Herz zu rammen. Denn gerade ist alles aufgeflogen.
Finanzkrisen sind, so der skrupellose Banker Quirin Sydow (Tobias Moretti), vielleicht erforderlich, um das ‚System‘ widerstandsfähiger zu machen und seine Immunkräfte zu stärken. Sydow ist maßgeblich daran beteiligt, dass die deutsche Global Invest heimlich Schrottpapiere in Milliardenhöhe an eine Tochterbank verscherbelt hat, um die eigenen Bilanzen aufzubrezeln. Sydows selbstkritische und gleichzeitig anmaßende Quintessenz ist Teil seines schriftlichen Testaments, denn eigentlich ist er gerade dabei, sich ein Messer ins Herz zu rammen. Denn gerade ist alles aufgeflogen.
Dienstag, 27. Februar 2018
Black Panther
Im 18. Film des Marvel Cinematic Universe (MCU) bekommt der erste afrikanische Superheld der Comicgeschichte nach seinem Auftritt in „Captain America: Civil War“ (Originaltitel) seinen ersten Soloauftritt im MCU. Die Kritiker jubeln, die Fans sind gespalten.
Auf rogerebert.com schreibt der Kritiker Odie Henderson, dass „Black Panther“ einer der besten Filme des Jahres ist. Nun ist die zitierte Website ein Monolith der intellektuellen Filmkritik in den USA, der 2013 verstorbene Roger Ebert war einer der bedeutendsten amerikanischen Kritiker seines Landes. Ein Urteil auf rogerebert.com hat also ein gewisses Gewicht, obwohl niemand wissen kann, wie Ebert über „Black Panther“ geurteilt hätte.
Auf rogerebert.com schreibt der Kritiker Odie Henderson, dass „Black Panther“ einer der besten Filme des Jahres ist. Nun ist die zitierte Website ein Monolith der intellektuellen Filmkritik in den USA, der 2013 verstorbene Roger Ebert war einer der bedeutendsten amerikanischen Kritiker seines Landes. Ein Urteil auf rogerebert.com hat also ein gewisses Gewicht, obwohl niemand wissen kann, wie Ebert über „Black Panther“ geurteilt hätte.
Mittwoch, 21. Februar 2018
Shape of Water
Mit seiner Mischung aus Märchen und Monsterfilm hat Guillermo del Toro nicht nur seine Zuneigung für absonderliche Kreaturen erneut unter Beweis gestellt, sondern auch eine Hommage an die Bilderpracht des klassischen Kinos abgeliefert. „Shape of Water“ verdient mehr als einen Oscar.
Es fällt nicht schwer, auch Guillermo del Toros neuen Film als politisches Statement zu lesen. Der von Michael Shannon gekonnt ekelig gespielte Regierungsagent Richard Strickland ist ein homophober, rassistischer und frauenfeindlicher Widerling, der nicht nur eine Analogie anbietet, sondern gleich mehrere. Vielleicht etwas Lästerei über Trump & Co., vielleicht aber auch eine Sympathiebekundung für die allgegenwärtige #MeToo-Bewegung, beides lässt sich in den Film hineinlesen.
Es fällt nicht schwer, auch Guillermo del Toros neuen Film als politisches Statement zu lesen. Der von Michael Shannon gekonnt ekelig gespielte Regierungsagent Richard Strickland ist ein homophober, rassistischer und frauenfeindlicher Widerling, der nicht nur eine Analogie anbietet, sondern gleich mehrere. Vielleicht etwas Lästerei über Trump & Co., vielleicht aber auch eine Sympathiebekundung für die allgegenwärtige #MeToo-Bewegung, beides lässt sich in den Film hineinlesen.
Donnerstag, 15. Februar 2018
Star Trek: Discovery – wie ging es weiter?
Die Fortsetzung nach der Midseason-Pause machte einiges gut, konnte aber trotz grandioser Settings und einem kinoreifen Look nur bedingt das Gefühl erzeugen, im Star Trek-Universum angekommen zu sein. Dennoch ist die Serie kein Flop.
In 1x10 „Despite Yourself“ begann die zweite Staffelhälfte von „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einer Überraschung, die keine war: Die Crew der Discovery war in einem Spiegeluniversum gelandet. Dies war zuvor bereits in den Fanforen diskutiert worden.
Im Star Trek-Serien-Kosmos ist das Spiegeluniversum eine Kopie des uns bekannten Universums, in der alle Serienfiguren als Spiegelversionen existieren. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Geschichte in dieser Schattenwelt militärisch und ethisch aus dem Runder gelaufen ist. Kurz gesagt: Die Guten sind dort böse, die Bösen gut.
In 1x10 „Despite Yourself“ begann die zweite Staffelhälfte von „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einer Überraschung, die keine war: Die Crew der Discovery war in einem Spiegeluniversum gelandet. Dies war zuvor bereits in den Fanforen diskutiert worden.
Im Star Trek-Serien-Kosmos ist das Spiegeluniversum eine Kopie des uns bekannten Universums, in der alle Serienfiguren als Spiegelversionen existieren. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Geschichte in dieser Schattenwelt militärisch und ethisch aus dem Runder gelaufen ist. Kurz gesagt: Die Guten sind dort böse, die Bösen gut.
Samstag, 10. Februar 2018
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Bei den 90th Academy Awards, der Oscarverleihung 2018, tritt Martin McDonaghs Film in sieben Kategorien an – die Nominierungen sind allesamt verdient. Bei den Golden Globe Awards wurde die dunkelschwarze Tragödie ‚Bester Film‘, hatte das ‚Beste Drehbuch‘ und wie erwartet wurden Frances McDormand und Sam Rockwell ebenfalls ausgezeichnet. Woody Harrelson leider nicht, und der hätte es am meisten verdient.
Nein, ein Film der Coen Brothers ist „Three Billboards“ nicht. Dem Film fehlt dafür die sadistische Lust, von Idioten zu erzählen, die sich kraft purer Dämlichkeit ins Verderben stürzen, während schlicht gestrickte, aber moralisch integre und letztlich gar nicht so dumme Menschen den Sieg gegen das Böse davontragen. Allerdings spielt in „Three Billboards“ France McDormand mit, da können schnell Missverständnisse entstehen.
Und nein, auch Quentin Tarantino hat nicht Pate gestanden, obwohl es skurrile Figuren und absurde Dialoge gibt und die Gewalt eruptiv und unberechenbar hervorbricht. Dafür ist Martin McDonaghs Film formal nicht selbstverliebt genug, sondern viel zu eckig, zu kantig und zu arrhythmisch.
Nein, ein Film der Coen Brothers ist „Three Billboards“ nicht. Dem Film fehlt dafür die sadistische Lust, von Idioten zu erzählen, die sich kraft purer Dämlichkeit ins Verderben stürzen, während schlicht gestrickte, aber moralisch integre und letztlich gar nicht so dumme Menschen den Sieg gegen das Böse davontragen. Allerdings spielt in „Three Billboards“ France McDormand mit, da können schnell Missverständnisse entstehen.
Und nein, auch Quentin Tarantino hat nicht Pate gestanden, obwohl es skurrile Figuren und absurde Dialoge gibt und die Gewalt eruptiv und unberechenbar hervorbricht. Dafür ist Martin McDonaghs Film formal nicht selbstverliebt genug, sondern viel zu eckig, zu kantig und zu arrhythmisch.
Freitag, 9. Februar 2018
River
„River“ ist eine britische Miniserie, in der ein eigenbrötlerische Ermittler mit Toten spricht, während er den Mord an seiner Kollegin aufklären muss. Die Serie wird von Netflix gestreamt und ist aktuell bis Anfang März in der ARTE-Mediathek zu sehen.
Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård) und seine Kollegin Detective Sergeant Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) fahren im Auto durch die Nacht, sie halten an einem Drive-In. „Beeil dich, einen Burger, extra Käse, ohne Zwiebel.“ River kriegt es nicht hin, er bestellt für Stevie einen Burger mit Zwiebeln. Beide frozeln über Fastfood und Gesundheit, River etwas verschlossen, Stevenson zunehmend fröhlich. Dann hört man im Autoradio Tina Charles’ Disco-Hit „I Love to Love”, während die Credits laufen. Stevie singt mit. Kurz danach fällt River ein verdächtiges Fahrzeug auf, der Fahrer, ein junger Dealer, flüchtet. River verfolgt ihn durch Straßen und Hinterhöfe, am Ende stürzt der Flüchtige von einem Balkon und liegt zerschmettert auf dem Dach eines parkenden Autos. Die Kollege des Metropolitan Police Service wimmeln wenig später am Tatort herum, River hört sich die Kritik seiner nörgelnden Vorgesetzten Detective Chief Inspektor Chrissie Read (Lesly Manville) an: dies sei schon der dritte Wagen, den er in dieser Woche gemeldet hat. Und davon würde Stevie nicht lebendig. Stevie lacht nur:“ Was weiß die schon?“ Und während beide wegegehen, sieht man in Stevies Hinterkopf ein faustgroßes Einschussloch.
Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård) und seine Kollegin Detective Sergeant Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) fahren im Auto durch die Nacht, sie halten an einem Drive-In. „Beeil dich, einen Burger, extra Käse, ohne Zwiebel.“ River kriegt es nicht hin, er bestellt für Stevie einen Burger mit Zwiebeln. Beide frozeln über Fastfood und Gesundheit, River etwas verschlossen, Stevenson zunehmend fröhlich. Dann hört man im Autoradio Tina Charles’ Disco-Hit „I Love to Love”, während die Credits laufen. Stevie singt mit. Kurz danach fällt River ein verdächtiges Fahrzeug auf, der Fahrer, ein junger Dealer, flüchtet. River verfolgt ihn durch Straßen und Hinterhöfe, am Ende stürzt der Flüchtige von einem Balkon und liegt zerschmettert auf dem Dach eines parkenden Autos. Die Kollege des Metropolitan Police Service wimmeln wenig später am Tatort herum, River hört sich die Kritik seiner nörgelnden Vorgesetzten Detective Chief Inspektor Chrissie Read (Lesly Manville) an: dies sei schon der dritte Wagen, den er in dieser Woche gemeldet hat. Und davon würde Stevie nicht lebendig. Stevie lacht nur:“ Was weiß die schon?“ Und während beide wegegehen, sieht man in Stevies Hinterkopf ein faustgroßes Einschussloch.
Dienstag, 6. Februar 2018
Ihre beste Stunde
London 1940: Kurz nach der Rettung der britischen Armee aus Dünkirchen verlangt das britische Informations-Ministerium nach einem Propagandafilm. Ausgerechnet eine in Sachen Film unerfahrene Werbetexterin soll dem Ganzen die weibliche Note geben.
Catrin Cole (Gemma Arterton) kommt zum Film wie die Jungfrau zum Kino. Schreibende Männer sind rar, sie sind an der Front. Ihre beste Stunde hat Catrin Cole, nachdem sie auffallend gute Texte für ein Cartoon geschrieben hat und nun den Auftrag erhält, für einen neuen Spielfilm den passenden Stoff zu evaluieren. Während deutsche Bomben auf London fallen, müssen nämlich unbeirrt weiter Filme produziert werden. Nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch, um den Durchhaltewillen der Briten zu stärken. Was passt also besser als die wahre Geschichte von zwei jungen Frauen, beide Zwillinge, die den Kutter ihres trunksüchtigen Onkels kurzerhand entführen, zum französischen Dünkirchen schippern und zahlreiche britische Soldaten in die Heimat bringen?
Catrin Cole (Gemma Arterton) kommt zum Film wie die Jungfrau zum Kino. Schreibende Männer sind rar, sie sind an der Front. Ihre beste Stunde hat Catrin Cole, nachdem sie auffallend gute Texte für ein Cartoon geschrieben hat und nun den Auftrag erhält, für einen neuen Spielfilm den passenden Stoff zu evaluieren. Während deutsche Bomben auf London fallen, müssen nämlich unbeirrt weiter Filme produziert werden. Nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch, um den Durchhaltewillen der Briten zu stärken. Was passt also besser als die wahre Geschichte von zwei jungen Frauen, beide Zwillinge, die den Kutter ihres trunksüchtigen Onkels kurzerhand entführen, zum französischen Dünkirchen schippern und zahlreiche britische Soldaten in die Heimat bringen?
Sonntag, 28. Januar 2018
Spacewalker – Die Zeit der Ersten
Neues aus Russland: nach dem bereits von mir rezensierten Sci-Fi-Film „Attraction“ möchte ich eine weitere aktuelle russische Produktion vorstellen: „Die Zeit der Ersten“ (The Age of Pioneers), der in Deutschland unter dem Titel „Spacewalker“ vermarktet wird. Dmitriy Kiselev erzählt die Geschichte der Kosmonauten Alexey Leonov und Pavel Belyayev, die 1965 mit der Woschod 2 ins All flogen. Leonov verließ die Raumkapsel für einige Minuten und war der erste Mensch, der sich frei im Weltall bewegte.
Der österreichische „Standard“ verpasste dem Film das Label „Kriegsfilm“. Entweder aus Unkenntnis oder in der weisen Erkenntnis, dass „Die Zeit der Ersten“ eigentlich kein Science-Fiction-Film ist, sondern ein Drama, das ein Kapitel des Kalten Kriegs beleuchtet: den Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltall.
Aber diese thematische Kurzfassung ist allein schon ziemlicher Blödsinn, denn von Vorherrschaft konnte weder damals noch heute gesprochen werden. Im Gegenteil: das unter einem enormen Zeitdruck durchgeführte Projekt war dermaßen riskant, dass die Geschichte der Woschod 2 weniger ein Space Adventure, sondern vielmehr ein Selbstmordkommando war. Gelegenheiten zum Sterben gab es genug.
Der österreichische „Standard“ verpasste dem Film das Label „Kriegsfilm“. Entweder aus Unkenntnis oder in der weisen Erkenntnis, dass „Die Zeit der Ersten“ eigentlich kein Science-Fiction-Film ist, sondern ein Drama, das ein Kapitel des Kalten Kriegs beleuchtet: den Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltall.
Aber diese thematische Kurzfassung ist allein schon ziemlicher Blödsinn, denn von Vorherrschaft konnte weder damals noch heute gesprochen werden. Im Gegenteil: das unter einem enormen Zeitdruck durchgeführte Projekt war dermaßen riskant, dass die Geschichte der Woschod 2 weniger ein Space Adventure, sondern vielmehr ein Selbstmordkommando war. Gelegenheiten zum Sterben gab es genug.
Freitag, 26. Januar 2018
Akte X – Staffel 11: zwischen schräg und brillant
Es ist vermutlich die letzte Staffel der X-Files: Gillian Anderson will nicht mehr. Nun hoffen die Fans, dass das Team um Chris Carter die Geschichte wenigstens vernünftig zu Ende erzählt. Wie das möglich ist, steht in den Sternen. Immer noch ist die Wahrheit irgendwo da draußen, wo auch immer.
Der Auftakt der neuen zehnteiligen Staffel versetzte auch den gläubigsten Fans einen schweren Schlag. Bereits die 10. Staffel, die einen Relaunch der Serie nach 15 Jahren Pause im Januar 2016 präsentierte, ließ den Zuschauer hin- und hergerissen zurück. Die Fortsetzung der Mythologie-Geschichte in der Rahmenerzählung „My Struggle“ bot nämlich einige Ungereimtheiten und endete mit einer globalen Pandemie und einem Raumschiff, das über allen schwebte, während Mulder (David Duchovny) um sein Leben kämpfte. Nicht nur er, sondern alle Menschen waren infiziert. Das „Spartan“-Virus hatte sich global ausgebreitet. Die Menschheit stand vor der Ausrottung. Eilten jetzt etwa die Aliens zur Rettung herbei?
Der Auftakt der neuen zehnteiligen Staffel versetzte auch den gläubigsten Fans einen schweren Schlag. Bereits die 10. Staffel, die einen Relaunch der Serie nach 15 Jahren Pause im Januar 2016 präsentierte, ließ den Zuschauer hin- und hergerissen zurück. Die Fortsetzung der Mythologie-Geschichte in der Rahmenerzählung „My Struggle“ bot nämlich einige Ungereimtheiten und endete mit einer globalen Pandemie und einem Raumschiff, das über allen schwebte, während Mulder (David Duchovny) um sein Leben kämpfte. Nicht nur er, sondern alle Menschen waren infiziert. Das „Spartan“-Virus hatte sich global ausgebreitet. Die Menschheit stand vor der Ausrottung. Eilten jetzt etwa die Aliens zur Rettung herbei?
Donnerstag, 4. Januar 2018
The Long Road Home
Mit der Military Action-Serie „The Long Road Home” hat sich National Geographic Channel ein Bein gestellt. Die achtteilige Serie basiert auf zwar realen Ereignissen während des Irakeinsatzes der US-Army, erzählt aber vom Leiden der Soldaten, ohne auch nur den geringsten Blick auf die historischen Hintergründe zu werfen.
Was lediglich ein Routineeinsatz werden sollte, verwandelt sich für ein texanisches Platoon in die pure Hölle. Abgeschnitten von den eigenen Einheiten müssen sich die Soldaten nach einem Überfall ausgerechnet in einem von Widerstandskräften beherrschten Viertel von Bagdad verschanzen. Der erste gefallene Kamerad ist ein Schock für die kleine Einheit um Lt. Shane Aguero (E.J. Bonilla). Permanenter Beschuss von den gegenüberliegenden Häusern macht eine Flucht unmöglich, die Munition wird knapp und Befreiungsversuche durch andere Einheiten scheitern, weil in den labyrinthischen Straßen Bagdads das Platoon nicht lokalisiert werden kann und die Einsatztruppen nun selbst unter schweren Beschuss geraten. Die Zahl der Toten nimmt zu, während in der Heimat die verzweifelten Familien um Informationen ringen. Während der verantwortliche Offizier, Lieutenant Colonel Gray Volesky (Michael Kelly, „House of Cards“) nach einer militärischen Lösung sucht, versucht seine Frau Leann (Sarah Wayne Callies, „The Walking Dead“) in der texanischen Heimat die verängstigten Frauen der Soldaten zu beruhigen. Bald wird klar, dass dies nicht möglich ist.
Was lediglich ein Routineeinsatz werden sollte, verwandelt sich für ein texanisches Platoon in die pure Hölle. Abgeschnitten von den eigenen Einheiten müssen sich die Soldaten nach einem Überfall ausgerechnet in einem von Widerstandskräften beherrschten Viertel von Bagdad verschanzen. Der erste gefallene Kamerad ist ein Schock für die kleine Einheit um Lt. Shane Aguero (E.J. Bonilla). Permanenter Beschuss von den gegenüberliegenden Häusern macht eine Flucht unmöglich, die Munition wird knapp und Befreiungsversuche durch andere Einheiten scheitern, weil in den labyrinthischen Straßen Bagdads das Platoon nicht lokalisiert werden kann und die Einsatztruppen nun selbst unter schweren Beschuss geraten. Die Zahl der Toten nimmt zu, während in der Heimat die verzweifelten Familien um Informationen ringen. Während der verantwortliche Offizier, Lieutenant Colonel Gray Volesky (Michael Kelly, „House of Cards“) nach einer militärischen Lösung sucht, versucht seine Frau Leann (Sarah Wayne Callies, „The Walking Dead“) in der texanischen Heimat die verängstigten Frauen der Soldaten zu beruhigen. Bald wird klar, dass dies nicht möglich ist.
Montag, 1. Januar 2018
Star Trek: Discovery
12 Jahre nach dem Ende von „Star Trek: Enterprise“ können die Trekkies tief durchatmen. Star Trek ist wieder zurück. Doch die Reaktionen fielen gemischt aus. Die Kritiker waren zufrieden bis begeistert, vielen Fans war „Star Trek: Discovery“ zu düster. Auch die Klingonen wurden zum Ärgernis, weil sie nicht wie Klingonen aussahen. Dabei liefert der aufwändige CBS-Relaunch grandiose Bilder. Vielleicht reicht das nicht.
Ganz zu Beginn ist die USS Discovery noch nicht dabei. Sie taucht erst später auf. Da befindet sich die Föderation bereits im Krieg gegen die Klingonen. Über acht Mio. US-Dollar kostete jede der neuen Star Trek-Episoden – da musste man es richtig krachen lassen und bot gleich zu Beginn Weltraumschlachten à la carte. Star Trek-Puristen missfiel dies, aber auch in früheren Serien gab es militärische Auseinandersetzungen – etwa mit den emotionslosen, alles assimilierenden Borg. Aber das passierte halt selten. Nun aber zieht die Crew in „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einem paranoiden, möglicherweise psychisch gestörten, aber taktisch genial operierenden Captain in einen totalen Krieg – pathetische Durchhalteparolen sind mit an Bord.
Ganz zu Beginn ist die USS Discovery noch nicht dabei. Sie taucht erst später auf. Da befindet sich die Föderation bereits im Krieg gegen die Klingonen. Über acht Mio. US-Dollar kostete jede der neuen Star Trek-Episoden – da musste man es richtig krachen lassen und bot gleich zu Beginn Weltraumschlachten à la carte. Star Trek-Puristen missfiel dies, aber auch in früheren Serien gab es militärische Auseinandersetzungen – etwa mit den emotionslosen, alles assimilierenden Borg. Aber das passierte halt selten. Nun aber zieht die Crew in „Star Trek: Discovery“ (STD) mit einem paranoiden, möglicherweise psychisch gestörten, aber taktisch genial operierenden Captain in einen totalen Krieg – pathetische Durchhalteparolen sind mit an Bord.
Freitag, 22. Dezember 2017
Best of 2017
69 Filme wurden in 2017 gesichtet. Und wie üblich lag der Schwerpunkt auf DVD- und Bluray-Veröffentlichungen. Aktuelle Kinofilme fehlen natürlich nicht im Ranking, aber sie bilden nicht den Schwerpunkt. So entstand wie üblich eine Hitliste, in der auch Filme Beachtung fanden, die nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie im Fokus der öffentlichen Beachtung stehen. Gutes Beispiel: „Captain Fantastic“ von Matt Ross – ein Independent Movie mit Viggo Mortenson, der bereits 2016 in die Kinos kam und leider nur 300.000 Zuschauer begeistern konnte.
Dienstag, 12. Dezember 2017
Vor die Wand gefahren: Das Midseason-Finale von „The Walking Dead“
„The Walking Dead“ verabschiedete sich mit einer haarsträubenden Episode in die Winterpause. Die Kritik nimmt zu, immer mehr Fans steigen aus. Es geht längst nicht um die Quoten, sondern um die Qualität der Scripts und damit auch um die Kompetenz der Macher. Mittlerweile muss befürchtet werden, dass Showrunner Scott M. Gimple und sein Team die Serie komplett vor die Wand fahren.
Das Midseason-Finale habe ich mit blankem Entsetzen gesehen. „How It’s Gotta Be“ war eine Abfolge hastig zusammengewürfelter Szenen. Ziemlich kurz, unübersichtlich arrangiert, womöglich, um möglichst viele Figuren unterzubringen - bis zur letzten Nebenfigur. Eine zusammenhängende Handlung war kaum zu erkennen und in einigen Foren vermuteten die Zuschauer, dass sie womöglich eine Folge verpasst haben – so konfus wurden die Handlungsschnipsel zusammengefügt. Zudem spielte alles bei Nacht, in tiefster Finsternis, und alles war so dunkel, dass man kaum etwas erkennen konnte. Aber die Qualität des Scripts hätte auch durch Tageslicht nicht aufgehellt werden können.
Samstag, 9. Dezember 2017
Silence
„Der Islam hasst uns“, stellte Donald Trump unlängst fest. Nun hat er seinen Muslim-Bann vor dem Verfassungsgericht in Washington durchsetzen können. Endgültig, wie es scheint. In Martin Scorseses „Silence“ sind es die Japaner, die Anfang des 17. Jahrhunderts ihre Türen verrammeln. Sie unterdrücken und töten die christlichen Minderheiten unter ihren Landsleuten. Und: europäische Priester sollen keinen Fuß mehr in ihr Land setzen. Überhaupt möchte man den Kontakt mit Ausländern auf ein Minimum beschränken. Liefert die sogenannte Abschließungspolitik der Japaner etwa eine Blaupause für aktuelle Probleme?
Ob derartige Analogien angemessen und sinnvoll sind, ist eigentlich egal. Verwendet werden sie ohnehin, also kann man sie auch diskutieren. So tauchte in den Foren, die Martin Scorseses Film diskutierten, bald die Idee auf, ob man die Japaner nicht verstehen müsse. Immerhin würden auch die Deutschen kein Vergnügen darin finden, sich von einer Flut von Muslimen überrennen zu lassen und dabei nicht nur ihre kulturelle Identität einzubüßen, sondern auch ihre politische Souveränität.
Ob derartige Analogien angemessen und sinnvoll sind, ist eigentlich egal. Verwendet werden sie ohnehin, also kann man sie auch diskutieren. So tauchte in den Foren, die Martin Scorseses Film diskutierten, bald die Idee auf, ob man die Japaner nicht verstehen müsse. Immerhin würden auch die Deutschen kein Vergnügen darin finden, sich von einer Flut von Muslimen überrennen zu lassen und dabei nicht nur ihre kulturelle Identität einzubüßen, sondern auch ihre politische Souveränität.
Mittwoch, 6. Dezember 2017
Attraction
Das russische Kino hat sich von seinem Niedergang nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erholt. Die Zahl der Kinos hat zugenommen, der Marktanteil russischer Produktionen liegt bei 25%. Nun sollen aufwändige Blockbuster den internationalen Markt erobern. Fjodor Bondartschuks Sci-Fi-Film „Attraction“ erfindet bei diesem Versuch zwar das Rad nicht neu, überzeugt aber durch kraftvolle Bilder und eine besonders am Ende doch sehr originelle Geschichte.
Dass Genrefilme bekannte Formeln variieren, sollte kein Anlass zum Meckern sein. Das plötzliche Auftauchen eines Raumschiffs über einer Großstadt, seine Landung und den berühmten ‚First Contact’ kennt man aus dem Klassiker „The Day The Earth Stood Still“ (Robert Wise, 1951), der 2008 überflüssigerweise von Scott Derrickson recycelt wurde. In beiden Filmen bekam die Erde von dem Vertreter einer technologisch und ethisch überlegenen Alien-Zivilisation ein schlechtes Führungszeugnis ausgestellt.
In „Attraction“ spielt Rinal Muchametow den Botschafter einer 47 Lichtjahre entfernten Kultur, die wegen der miesen Zukunftsprognose eigentlich kein Interesse an uns hat. Hakon, so nennt sich der Fremde, nennt präzise Zahlen: viele Milliarden Menschen seien durch Kriege ums Leben gekommen, ökologisch richten wir unseren Heimatplaneten zugrunde und in 600 Jahren sei ohnehin alles vorbei. Dann nämlich hätten sich die Bewohner des blauen Planeten selbst ausgerottet. Und er ist auch nicht gekommen, um eine letzte Warnung auszusprechen. Denn die Erde ist ein hoffnungsloser Fall, die soziale Aggressivität der Menschen sei zu groß. Neu ist das seit dem Hollywood-Klassiker von Robert Wise nicht, falsch aber auch nicht.
Dass Genrefilme bekannte Formeln variieren, sollte kein Anlass zum Meckern sein. Das plötzliche Auftauchen eines Raumschiffs über einer Großstadt, seine Landung und den berühmten ‚First Contact’ kennt man aus dem Klassiker „The Day The Earth Stood Still“ (Robert Wise, 1951), der 2008 überflüssigerweise von Scott Derrickson recycelt wurde. In beiden Filmen bekam die Erde von dem Vertreter einer technologisch und ethisch überlegenen Alien-Zivilisation ein schlechtes Führungszeugnis ausgestellt.
In „Attraction“ spielt Rinal Muchametow den Botschafter einer 47 Lichtjahre entfernten Kultur, die wegen der miesen Zukunftsprognose eigentlich kein Interesse an uns hat. Hakon, so nennt sich der Fremde, nennt präzise Zahlen: viele Milliarden Menschen seien durch Kriege ums Leben gekommen, ökologisch richten wir unseren Heimatplaneten zugrunde und in 600 Jahren sei ohnehin alles vorbei. Dann nämlich hätten sich die Bewohner des blauen Planeten selbst ausgerottet. Und er ist auch nicht gekommen, um eine letzte Warnung auszusprechen. Denn die Erde ist ein hoffnungsloser Fall, die soziale Aggressivität der Menschen sei zu groß. Neu ist das seit dem Hollywood-Klassiker von Robert Wise nicht, falsch aber auch nicht.
Donnerstag, 16. November 2017
„Bones“ ging zu Ende – nur wenige schauten zu
Serien haben ein Verfallsdatum. Andere nicht: „Die Simpsons“ gibt es seit 1989, eine Ende ist auch nach 29 Staffeln nicht in Sicht. Und Soaps wie „General Hospital“ laufen ununterbrochen seit 1963 und haben es auf über 10.000 Episoden gebracht. Die Geschichte um die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan und FBI-Special Agent Seeley Booth ist allerdings nach 12 Staffeln und 246 gelösten Fällen endgültig auserzählt – sie war in ihren besten Zeiten eine Perle der konventionellen Erzählkunst. Bye bye, Bones.
Das Geheimnis von „Bones“ war die Leichtigkeit des Seins. Zwar wurde zu Beginn jeder Episode eine gruselige Leiche präsentiert, aber danach konnte sich der Zuschauer sicher sein, dass er in „Bones“ garantiert nicht dauerhaft mit deprimierenden Storylines konfrontiert wird. Die FOX-Serie war in Sachen Sex und Gewalt absolut familientauglich und überforderte nicht. Beinahe jeder Fall wurde am Ende der Episode gelöst und dabei setzte das Team der leicht unterkühlten und hochintelligenten Anthropologin Temperance Brennan (Emily Deschanel) alle nur erdenklichen Verfahren der modernen Wissenschaft ein, um die kriminalistischen Rätsel zu lösen. Und am Ende des Tages war dann die Welt wieder in Ordnung.
Das Geheimnis von „Bones“ war die Leichtigkeit des Seins. Zwar wurde zu Beginn jeder Episode eine gruselige Leiche präsentiert, aber danach konnte sich der Zuschauer sicher sein, dass er in „Bones“ garantiert nicht dauerhaft mit deprimierenden Storylines konfrontiert wird. Die FOX-Serie war in Sachen Sex und Gewalt absolut familientauglich und überforderte nicht. Beinahe jeder Fall wurde am Ende der Episode gelöst und dabei setzte das Team der leicht unterkühlten und hochintelligenten Anthropologin Temperance Brennan (Emily Deschanel) alle nur erdenklichen Verfahren der modernen Wissenschaft ein, um die kriminalistischen Rätsel zu lösen. Und am Ende des Tages war dann die Welt wieder in Ordnung.
Freitag, 3. November 2017
Verleugnung
Gibt es geschichtliche Fakten, die sich einer Debatte entziehen, obwohl sie hieb- und stichfest bewiesen worden sind? Oder gehört es zu den postfaktischen Zeiten, dass alles neu verhandelt werden kann, auch wenn dabei gelogen wird, dass sich die Balken biegen? Mick Jackson und David Hare rekonstruieren in „Verleugnung“ den Prozess gegen die Historikerin Deborah Lipstadt, der 1996 in London mit der Niederlage des Klägers endet. Der hieß David Irving. Er ist bis heute einer der bekanntesten Holocaust-Leugner der Zeitgeschichte geblieben.
In dem amerikanisch-britischen Spielfilm „Verleugnung“ (Originaltitel: Denial) wird Deborah Lipstadt (Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz), eine US-amerikanische Professorin für Holocaust-Studien, mit einer Verleumdungsklage konfrontiert, die der bekannte Holocaust-Leugner David Irving (Timothy Spall) in England gegen sie anstrengt. Der Grund: Die Historikerin hatte den zum Zeitpunkt des Prozesses 58-jährigen Buchautor in ihrem Buch Denying the Holocaust – The Growing Assault on Truth and Memory als Geschichtsrevisionisten und als Lügner bezeichnet und damit angeblich seine berufliche Reputation beschädigt. Nach britischem Recht liegt in einem Verleumdungsfall die Beweislast allerdings beim Angeklagten. Nicht David Irving muss seine Thesen untermauern, nein, Lipstadt musste dem Richter Sir Charles Gray beweisen, dass es den Holocaust gegeben hat.
In dem amerikanisch-britischen Spielfilm „Verleugnung“ (Originaltitel: Denial) wird Deborah Lipstadt (Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz), eine US-amerikanische Professorin für Holocaust-Studien, mit einer Verleumdungsklage konfrontiert, die der bekannte Holocaust-Leugner David Irving (Timothy Spall) in England gegen sie anstrengt. Der Grund: Die Historikerin hatte den zum Zeitpunkt des Prozesses 58-jährigen Buchautor in ihrem Buch Denying the Holocaust – The Growing Assault on Truth and Memory als Geschichtsrevisionisten und als Lügner bezeichnet und damit angeblich seine berufliche Reputation beschädigt. Nach britischem Recht liegt in einem Verleumdungsfall die Beweislast allerdings beim Angeklagten. Nicht David Irving muss seine Thesen untermauern, nein, Lipstadt musste dem Richter Sir Charles Gray beweisen, dass es den Holocaust gegeben hat.
Mittwoch, 1. November 2017
The Deuce - David Simons neue Serie fordert Geduld
Man soll es nicht tun. Nämlich Serien daran zu messen, was der oder die Showrunner zuvor gemacht haben. Aber man tut es. David Simon, der zusammen mit Ed Burns „The Wire“ kreiert hat, erzählt nun zusammen mit George Pelecanos in „The Deuce“ von der Erfindung der Pornoindustrie in den frühen 1970er Jahren. Eine interessante Geschichte, eine gute erste Staffel – „The Wire“ wird aber nicht vom Thron gestoßen.
Die Geschichte mit den Pornos kommt später, sie schleicht sich langsam an. „The Deuce“ erzählt überwiegend von Prostituierten und ihren Zuhältern. Das Zeitkolorit der 1970er Jahre fängt die Serie dabei visuell überzeugend ein. Der Times Square: dreckige Straßen, auf denen Unrat liegt und sich Penner in den Kellereingängen durch die Nacht bringen. Vergammelte Häuser, Neppläden für Touristen, Striptease-Bars und die nicht sonderlich einladenden Kinos auf dem Strip, in denen Bertoluccis “The Conformist“ oder „The Omega Man“ gezeigt werden. Sie warten förmlich darauf, dass bald ganz andere Filme über die Leinwand laufen werden. Und wer das Herz des Broadways so kennt, wie heute aussieht, wird es zu schätzen wissen, dass „The Deuce“ die Spuren des Niedergangs dieses legendären New Yorker Künstlerviertels so naturalistisch in Bilder fasst. Wohin das führt, kann man ahnen, wenn Curtis Mayfield im Main Title „Don’t worry. If there’s a hell below, we’re all going to go“ singt.
Die Geschichte mit den Pornos kommt später, sie schleicht sich langsam an. „The Deuce“ erzählt überwiegend von Prostituierten und ihren Zuhältern. Das Zeitkolorit der 1970er Jahre fängt die Serie dabei visuell überzeugend ein. Der Times Square: dreckige Straßen, auf denen Unrat liegt und sich Penner in den Kellereingängen durch die Nacht bringen. Vergammelte Häuser, Neppläden für Touristen, Striptease-Bars und die nicht sonderlich einladenden Kinos auf dem Strip, in denen Bertoluccis “The Conformist“ oder „The Omega Man“ gezeigt werden. Sie warten förmlich darauf, dass bald ganz andere Filme über die Leinwand laufen werden. Und wer das Herz des Broadways so kennt, wie heute aussieht, wird es zu schätzen wissen, dass „The Deuce“ die Spuren des Niedergangs dieses legendären New Yorker Künstlerviertels so naturalistisch in Bilder fasst. Wohin das führt, kann man ahnen, wenn Curtis Mayfield im Main Title „Don’t worry. If there’s a hell below, we’re all going to go“ singt.
Donnerstag, 26. Oktober 2017
The Walking Dead mit umstrittenem Staffelauftakt
War das die angekündigte Wende? Action und Explosionen hatte das Team um Scott M. Gimple versprochen. Sie lieferten. Dazu gab es auch Mysteriöses, Flashforwards, Traumvisionen - und es wurde kräftig mit der Zeitlinie gespielt. Easter Eggs und nostalgische Reminiszenzen schmeckten am Ende ein Horsd’œuvre ab, das sich als großer Wurf entpuppen kann – oder auch als fauler Zauber.
Dienstag, 17. Oktober 2017
Elle
Seit „Black Book“ hat Paul Verhoeven keinen Kinofilm mehr gemacht. Nach zehnjähriger Pause tauchte der holländische Regisseur wieder an einem Set auf und wurde danach für „Elle“ mit einer wahren Flut von Preisen überhäuft. Das Geringste, was man über Verhoevens Skizze einer schwer traumatisierten Frau sagen kann, ist, dass „Elle“ ein fesselnder Psychothriller geworden ist.
Ja, „Elle“ ist sogar komisch. Während Paul Verhoevens Hauptfigur Michèle Leblanc sehr kompetent und dominant mit ihrer Freundin Anna (Anne Consigny) im gemeinsamen Unternehmen erfolgreich äußerst gewalthaltige Computerspiele produziert, ist ihre Familie ein Trümmerfeld. Michèles Sohn Vincent (Jonas Bloquet) hat es nur zu einem Job in einem Burger-Schuppen gebracht. Seine schwangere jähzornige Freundin Josie (Alice Isaaz) hat ihn vollständig unter ihre Fuchtel genommen und Vincent ist nach der Geburt des Kindes selbst dann nicht imstande, den wahren Vater zu erkennen, als ihm im Krankenhaus ein farbiges Kind in die Arme gelegt wird. Michèles greise Mutter Irène (Judith Magre) lässt sich regelmäßig mit Botox liften und führt ein reges Sexualleben mit deutlichen jüngeren Männern. Und Michèle? Die hat sich von ihrem Mann Richard, einem erfolglosen Schriftsteller, getrennt und unterhält mit dem Mann (Christian Berkel) ihrer Freundin Anna eine beinahe desinteressierte Affäre. Dabei mimt sie beim Sex auch mal eine Tote, um ihren Lover in Fahrt zu bringen.
Ja, „Elle“ ist sogar komisch. Während Paul Verhoevens Hauptfigur Michèle Leblanc sehr kompetent und dominant mit ihrer Freundin Anna (Anne Consigny) im gemeinsamen Unternehmen erfolgreich äußerst gewalthaltige Computerspiele produziert, ist ihre Familie ein Trümmerfeld. Michèles Sohn Vincent (Jonas Bloquet) hat es nur zu einem Job in einem Burger-Schuppen gebracht. Seine schwangere jähzornige Freundin Josie (Alice Isaaz) hat ihn vollständig unter ihre Fuchtel genommen und Vincent ist nach der Geburt des Kindes selbst dann nicht imstande, den wahren Vater zu erkennen, als ihm im Krankenhaus ein farbiges Kind in die Arme gelegt wird. Michèles greise Mutter Irène (Judith Magre) lässt sich regelmäßig mit Botox liften und führt ein reges Sexualleben mit deutlichen jüngeren Männern. Und Michèle? Die hat sich von ihrem Mann Richard, einem erfolglosen Schriftsteller, getrennt und unterhält mit dem Mann (Christian Berkel) ihrer Freundin Anna eine beinahe desinteressierte Affäre. Dabei mimt sie beim Sex auch mal eine Tote, um ihren Lover in Fahrt zu bringen.
Mittwoch, 11. Oktober 2017
Empörung
Mit „Empörung“ (Indignation) ist dem bekannten Independent Movie-Produzenten James Schamus bei seiner ersten Regiearbeit ein Glücksgriff gelungen. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Philip Roth ist ein allegorisch-realistischer Film, der gerade wegen seiner inneren Ruhe eine subtile Tiefe bei der Figurenzeichnung erhält.
Geschichte ist ohne Fiktionalisierung nur noch schwer greifbar. Über die McCarthy-Ära erfährt man im Kino einiges in „Trumbo“, über das Abstreifen der 1950er Jahre erzählt die TV-Serie „Mad Men“ als Geschichte eines weitreichenden kulturellen Paradigmenwechsels, festgemacht am Aufkommen weiblicher Emanzipation und neuer sexueller Freiheiten. Filmische Reisen in die 1950er Jahre sind auch deswegen per se Spiegelbilder des Hier und Jetzt.
Das hört sich längst nicht mehr paradox an, denn die enorme kulturelle und politische Distanz zu einer Dekade, die man medial als Prä-„Mad Men“-Ära bezeichnen kann, zeigt besonders nachhaltig, was verschwunden ist und was uns immer noch widerfährt. Es scheint zwar, als sei der restaurative Mief der 1950er verschwunden, auch die bigotte Sexualmoral. Aber spätestens, wenn man die verklemmten ethnischen und religiösen Vorurteile in und Schamus’ Literaturadaption beobachtet, erkennt man, dass sich hinter den geschickt getarnten Grundsatzdiskussionen zwischen einem vermeintlich liberalen Dekan und seinem Studenten aus der jüdischen Mittelschicht ein Ungeist breitmacht, der 70 Jahre später nicht restlos verschwunden ist, sondern viel aggressiver und selbstbewusster auftritt.
Geschichte ist ohne Fiktionalisierung nur noch schwer greifbar. Über die McCarthy-Ära erfährt man im Kino einiges in „Trumbo“, über das Abstreifen der 1950er Jahre erzählt die TV-Serie „Mad Men“ als Geschichte eines weitreichenden kulturellen Paradigmenwechsels, festgemacht am Aufkommen weiblicher Emanzipation und neuer sexueller Freiheiten. Filmische Reisen in die 1950er Jahre sind auch deswegen per se Spiegelbilder des Hier und Jetzt.
Das hört sich längst nicht mehr paradox an, denn die enorme kulturelle und politische Distanz zu einer Dekade, die man medial als Prä-„Mad Men“-Ära bezeichnen kann, zeigt besonders nachhaltig, was verschwunden ist und was uns immer noch widerfährt. Es scheint zwar, als sei der restaurative Mief der 1950er verschwunden, auch die bigotte Sexualmoral. Aber spätestens, wenn man die verklemmten ethnischen und religiösen Vorurteile in und Schamus’ Literaturadaption beobachtet, erkennt man, dass sich hinter den geschickt getarnten Grundsatzdiskussionen zwischen einem vermeintlich liberalen Dekan und seinem Studenten aus der jüdischen Mittelschicht ein Ungeist breitmacht, der 70 Jahre später nicht restlos verschwunden ist, sondern viel aggressiver und selbstbewusster auftritt.
Freitag, 6. Oktober 2017
Blade Runner 2049
Man darf nicht in die Falle laufen. Natürlich wird man Denis Villeneuves Sequel „Blade Runner 2049“ mit Ridley Scotts Masterpiece vergleichen. „Blade Runner“, jedenfalls in der Version des Final Cut (2007), ist ein Standalone Art Piece und ein Kinomythos dazu. Über drei Jahrzehnte später trifft das Sequel auf eine andere Zeit und auch ein anderes Kino. Und auf andere Zuschauer. Zwischen beiden Filmen liegen zudem komplizierte transmediale Strategien. Zieht man dies ins Kalkül, schneidet „Blade Runner 2049“ ordentlich ab. Denis Villeneuve ist ein streckenweise schöner Film gelungen, auch wenn man im Kino nicht mehr mit großen Augen staunt.
Die Debatten haben bereits begonnen. „Blade Runner 2049 entpuppt sich nicht nur als einer der besten Science-Fiction-Filme des Jahres oder der Dekade, sondern als einer der besten Science-Fiction-Filme überhaupt“, schreibt der Redakteur von Filmstarts, und überhaupt sei Villeneuves Sequel der bessere Film. Offen gesagt: Diesen Enthusiasmus kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe Probleme damit, Ridley Scotts komplexes Original (das - je nach Zählweise - in 3-5 verschiedenen Schnittversionen vorliegt) mit Villeneuves nicht weniger komplexen Interpretation des Themas abzugleichen, ohne „Blade Runner 2049“ ein zweites Mal gesehen zu haben. Trotzdem wird ein erster Versuch gewagt.
Die Debatten haben bereits begonnen. „Blade Runner 2049 entpuppt sich nicht nur als einer der besten Science-Fiction-Filme des Jahres oder der Dekade, sondern als einer der besten Science-Fiction-Filme überhaupt“, schreibt der Redakteur von Filmstarts, und überhaupt sei Villeneuves Sequel der bessere Film. Offen gesagt: Diesen Enthusiasmus kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe Probleme damit, Ridley Scotts komplexes Original (das - je nach Zählweise - in 3-5 verschiedenen Schnittversionen vorliegt) mit Villeneuves nicht weniger komplexen Interpretation des Themas abzugleichen, ohne „Blade Runner 2049“ ein zweites Mal gesehen zu haben. Trotzdem wird ein erster Versuch gewagt.
Dienstag, 19. September 2017
Get out
Chris Washington heißt der junge farbige Fotograf aus New York, der mit seiner Freundin Rose eine Reise in das ruhige provinzielle Amerika antritt. Rose ist weiß, aber Sorgen müsse sich Chris nicht machen. Ihre Eltern seien liberal, beteuert Rose, immerhin hätten sie Barack Obama gewählt. Und tatsächlich scheinen alle auf dem Landsitz der wohlhabenden Familie Armitage ihrer afroamerikanischen Mitbürger regelrecht zu lieben. Das kann nicht gut gehen und dass Chris den gleichen Nachnamen hat wie der erste Präsident der USA, wird ihm auch nicht helfen. Und so endet Jordan Peeles Horrorfilm „Get out“ mit einem Blutbad.
Gut, dass „Get out“ gerade auf Bluray und DVD erschienen ist. Das passt zu den aktuellen Ereignissen. Denn Schwarze haben es in den USA nicht leicht. Diese Formulierung ist – zugegeben – ein Euphemismus. Das reale Leben sieht so aus: Ein mutmaßlicher Drogendealer wird von einem Cop im Bundesstaat Missouri mit fünf Schüssen getötet, der Beamte wurde vor einigen Tagen in St. Louis freigesprochen, obwohl er die Exekution in einem Video angekündigt hat. Das Ergebnis: Unruhen und Chaos auf den Straßen.
Nur darf man von „Get out“, der in den USA Anfang dieses Jahres einen wahren Triumphzug antrat, keine politische Aufklärung erwarten. Denn wer dringend „Get out“ benötigt hat, um sich endgültig Klarheit über den rassistischen Wahn zu verschaffen, der hat zuvor schon nicht richtig getickt. Oder konsequent die Zeitungslektüre verweigert. Nein, „Get out“ zielt nicht auf den Kopf, sondern auf die Eingeweide.
Gut, dass „Get out“ gerade auf Bluray und DVD erschienen ist. Das passt zu den aktuellen Ereignissen. Denn Schwarze haben es in den USA nicht leicht. Diese Formulierung ist – zugegeben – ein Euphemismus. Das reale Leben sieht so aus: Ein mutmaßlicher Drogendealer wird von einem Cop im Bundesstaat Missouri mit fünf Schüssen getötet, der Beamte wurde vor einigen Tagen in St. Louis freigesprochen, obwohl er die Exekution in einem Video angekündigt hat. Das Ergebnis: Unruhen und Chaos auf den Straßen.
Nur darf man von „Get out“, der in den USA Anfang dieses Jahres einen wahren Triumphzug antrat, keine politische Aufklärung erwarten. Denn wer dringend „Get out“ benötigt hat, um sich endgültig Klarheit über den rassistischen Wahn zu verschaffen, der hat zuvor schon nicht richtig getickt. Oder konsequent die Zeitungslektüre verweigert. Nein, „Get out“ zielt nicht auf den Kopf, sondern auf die Eingeweide.
Samstag, 26. August 2017
Better Call Saul: Season 3 – alles wie gehabt, aber noch besser!
In Season 3 muss sich Jimmy McGill immer noch mit seinem Bruder Chuck auseinandersetzen, aus der „Battle of Brothers“ wird nun eine unbarmherzige Auseinandersetzung, bei der es am Ende nur Verlierer gibt. Mike Ehrmantraut wird dagegen immer tiefer in die Auseinandersetzung mit Drogenboss Hector Salamanca hineingezogen und lernt dabei eine zentrale Figur aus „Breaking Bad“ näher kennen, als ihm lieb ist. In der 3. Staffel der AMC-Serie kommen die Einschläge immer näher, aber die Hauptfiguren hören sie erst, als es beinahe zu spät ist.
Himmel, hört das überhaupt nicht mehr auf? Auch in der 3. Staffel müssen wir darauf warten, dass sich Jimmy McGill (Bob Odenkirk) in Saul Goodman verwandelt, jenen umtriebigen und gelinde gesagt doch sehr verschlagenen Anwalt, der für Walter White in „Breaking Bad“ die Kastanien aus dem Feuer holt. Doch auch diesmal passiert sie nicht, jene Verwandlung, die aus dem Trickster Slippin’ Jimmy den Anwalt für die bösen Buden macht. Angedeutet wird sie allerdings schon.
Himmel, hört das überhaupt nicht mehr auf? Auch in der 3. Staffel müssen wir darauf warten, dass sich Jimmy McGill (Bob Odenkirk) in Saul Goodman verwandelt, jenen umtriebigen und gelinde gesagt doch sehr verschlagenen Anwalt, der für Walter White in „Breaking Bad“ die Kastanien aus dem Feuer holt. Doch auch diesmal passiert sie nicht, jene Verwandlung, die aus dem Trickster Slippin’ Jimmy den Anwalt für die bösen Buden macht. Angedeutet wird sie allerdings schon.
Montag, 7. August 2017
„Dunkirk“ – der Kriegsfilm: ein Genre am Limit
Angeblich soll Sam Fuller über die Möglichkeit einer authentischen Kriegserfahrung im Kino gesagt haben, dass man dazu nur ein Maschinengewehr im Kinosaal aufstellen müsse, um danach Teile des Publikum niederzumähen.
Fuller hat nicht nur selbst Kriegsfilme gedreht, sondern als Soldat handfeste Kriegserfahrungen gemacht. Vielleicht braucht man das, um aus den vermeintlichen Desillusionierungen des modernen Kriegsfilms die versteckten alten Ideologien herauszulesen. Im Moment ist das Genre wieder dabei, dem Publikum auch ohne derart rabiate Mittel auf der Leinwand etwas zu zeigen, was sich ‚wahr’ anfühlt. Zuletzt in Christopher Nolans „Dunkirk“. Das ist nicht neu, das hat er bereits Anfang dieses Jahrhunderts gegeben. Erstaunlich ist nur, dass alle wieder jubeln. Auch die Kritiker.
Fuller hat nicht nur selbst Kriegsfilme gedreht, sondern als Soldat handfeste Kriegserfahrungen gemacht. Vielleicht braucht man das, um aus den vermeintlichen Desillusionierungen des modernen Kriegsfilms die versteckten alten Ideologien herauszulesen. Im Moment ist das Genre wieder dabei, dem Publikum auch ohne derart rabiate Mittel auf der Leinwand etwas zu zeigen, was sich ‚wahr’ anfühlt. Zuletzt in Christopher Nolans „Dunkirk“. Das ist nicht neu, das hat er bereits Anfang dieses Jahrhunderts gegeben. Erstaunlich ist nur, dass alle wieder jubeln. Auch die Kritiker.
Dienstag, 25. Juli 2017
Spider-Man: Homecoming
Der 16. MARVEL-Film ist ein Reboot. Tom Holland ist bereits der dritte Spinnenmann in diesem Jahrhundert. „Homecoming“ ist weder bedeutungsschwer noch ein Action-Gewitter, sondern ein Comedy-Feuerwerk geworden. Die Geschichte, die Regisseur Jon Watts erzählt, ist zwar ein wenig klamaukig, über weite Strecken flott und ziemlich witzig. Ein vielversprechender Auftritt von Kid Spider-Man.
In einem Cold Open wird häufig ein Feuerwerk abgebrannt, mit dem der Schurke bombastisch eingeführt wird. Wie man das macht, hat Christopher Nolan mit dem Joker-Intro in „The Dark Knight“ gezeigt. In „Homecoming“ wird vor den Opening Credits auch ein Schurke gezeigt, aber der ist eher ein Sozialfall. Michael Keaton spielt den mittelständischen Unternehmer Adrian Toomes, der kurz nach dem Angriff der Chitauri in „The Avengers“ (2012) die Bergungsarbeiten in N.Y. durchführen soll - mit einem städtischen Vertrag in der Tasche. Die US-Regierung kümmert dies nicht, Toomes wird trotz umfangreicher Vorleistungen der Job gekündigt.
In einem Cold Open wird häufig ein Feuerwerk abgebrannt, mit dem der Schurke bombastisch eingeführt wird. Wie man das macht, hat Christopher Nolan mit dem Joker-Intro in „The Dark Knight“ gezeigt. In „Homecoming“ wird vor den Opening Credits auch ein Schurke gezeigt, aber der ist eher ein Sozialfall. Michael Keaton spielt den mittelständischen Unternehmer Adrian Toomes, der kurz nach dem Angriff der Chitauri in „The Avengers“ (2012) die Bergungsarbeiten in N.Y. durchführen soll - mit einem städtischen Vertrag in der Tasche. Die US-Regierung kümmert dies nicht, Toomes wird trotz umfangreicher Vorleistungen der Job gekündigt.
Mittwoch, 19. Juli 2017
Live by Night
Finanziell war Ben Afflecks vierte Regiearbeit nach „Gone Baby Gone“, „The Town“ und „Argo“ ein totales Desaster. Der Film spielte nur knapp ein Drittel der Produktionskosten ein, die Kritik zerfetzte ihn – auch in Deutschland. Das Bashing hat Affleck nicht verdient: „Live by Night“ ist eine stimmige Gangster-Ballade über einen Mann, der immer weiß, was er tut, aber erst am Ende begreift, was er will.
Vater-Sohn-Beziehungen interessieren Dennis Lehane besonders. In Ben Afflecks Verfilmung des zweiten Teils von Dennis Lehanes Coughlin-Trilogie ist der stellvertretende Bostoner Polizeichef Thomas Coughlin (Brendan Gleeson) nicht nur das mahnende Gewissen seines Sohns Joe, sondern auch ein kühler Beobachter seines Lebens. Denn Joe (Ben Affleck) gehört zu jenen, die in der Nacht leben und am Tag schlafen. Eine bildhafte Beschreibung für jene, die ihre eigenen Gesetze schaffen und die Mittel besitzen, sie durchzusetzen. Und das passt ganz und gar nicht zum Kodex der Coughlin-Familie.
Vater-Sohn-Beziehungen interessieren Dennis Lehane besonders. In Ben Afflecks Verfilmung des zweiten Teils von Dennis Lehanes Coughlin-Trilogie ist der stellvertretende Bostoner Polizeichef Thomas Coughlin (Brendan Gleeson) nicht nur das mahnende Gewissen seines Sohns Joe, sondern auch ein kühler Beobachter seines Lebens. Denn Joe (Ben Affleck) gehört zu jenen, die in der Nacht leben und am Tag schlafen. Eine bildhafte Beschreibung für jene, die ihre eigenen Gesetze schaffen und die Mittel besitzen, sie durchzusetzen. Und das passt ganz und gar nicht zum Kodex der Coughlin-Familie.
Dienstag, 18. Juli 2017
George A. Romero ist tot
Am 16. Juli starb George A. Romero im Alter von 77 Jahren im kanadischen Toronto. Romero gelang, was für Tausende Filmemacher ein unerfüllter Traum bleiben wird: Sein bahnbrechender Film „The Night of the Living Dead“ hat einen festen Platz im Kanon der Filmgeschichte, sein subversiver Zombiefilm „Dawn of the Dead“ versetzt noch heute Staatsanwälte und Zensurbehörden in nackte Panik. Aber nicht wegen der Splatter-Effekte.
Die großen Tageszeitungen würdigten George A. Romero nicht etwa in einer Randnotiz. Nein, ein großer Nachruf nach dem anderen erschien. Dabei war Romero weder ein intellektueller noch ein an Filmkunst orientierter Filmemacher. Etwas schien die Kritiker, die in memoriam die bio- und filmographischen Eckdaten zusammentrugen, also bewegt zu haben. Vielleicht war es das Gespür dafür, dass Romero, der übrigens auch einige ziemlich schlechte Filme gemacht hat, in seinen besten Stunden ein instinktsicheres Gespür dafür entwickelt hatte, dass der Horrorfilm wie kein anderes Genre dafür geeignet ist, die conditio humana zu reflektieren. Romero hat dieses Thema nicht mit der feinen Feder nachgezeichnet, sondern mit kräftigen Bildern, derben Allegorien und Metaphern, die direkt am Kopf vorbei auf die Magengrube zielten und von dort aus zum Kopf zurückkehrten.
Die großen Tageszeitungen würdigten George A. Romero nicht etwa in einer Randnotiz. Nein, ein großer Nachruf nach dem anderen erschien. Dabei war Romero weder ein intellektueller noch ein an Filmkunst orientierter Filmemacher. Etwas schien die Kritiker, die in memoriam die bio- und filmographischen Eckdaten zusammentrugen, also bewegt zu haben. Vielleicht war es das Gespür dafür, dass Romero, der übrigens auch einige ziemlich schlechte Filme gemacht hat, in seinen besten Stunden ein instinktsicheres Gespür dafür entwickelt hatte, dass der Horrorfilm wie kein anderes Genre dafür geeignet ist, die conditio humana zu reflektieren. Romero hat dieses Thema nicht mit der feinen Feder nachgezeichnet, sondern mit kräftigen Bildern, derben Allegorien und Metaphern, die direkt am Kopf vorbei auf die Magengrube zielten und von dort aus zum Kopf zurückkehrten.
Freitag, 7. Juli 2017
„Split“ - M. Night Shyamalans neuer Film übertrifft alle Erwartungen
„Split“ hielt drei Wochen lang an der Spitze der US-Charts – das war M. Night Shyamalan zuletzt vor 18 Jahren mit „The Sixth Sense“ gelungen. Der in Indien geborene US-amerikanische Regisseur und Erfinder genuiner Plot Twists hat mit dem Psychothriller um eine Person mit 23+1 Identitäten offenbar einen Volltreffer gelandet. „Split“ hat das 30-fache seiner Kosten eingespielt. Erschwerend kommt hinzu, dass „Split“ auch ein sehr guter Film geworden ist. Und am Ende taucht sogar Bruce Willis auf.
Der Plot von „The Split“ ist denkbar einfach. Die drei Teenies Claire, Marcia und Casey werden von einem Fremden entführt und in die unterirdischen Katakomben eines unbekannten Gebäudes verschleppt. Verstörend für die Drei ist allerdings der Umstand, dass sich ihr Entführer ständig umzieht und offenbar verschiedene Rollen spielt. Mal heißt er Dennis, dann taucht er als Patricia in Stöckelschuhen bei den Kids auf. Restlos verzweifeln lässt die Mädchen dann aber der neunjährige Junge Hedwig, der richtig nett ist und gerne tanzt. Gespielt werden alle Rollen von James McAvoy.
Der Plot von „The Split“ ist denkbar einfach. Die drei Teenies Claire, Marcia und Casey werden von einem Fremden entführt und in die unterirdischen Katakomben eines unbekannten Gebäudes verschleppt. Verstörend für die Drei ist allerdings der Umstand, dass sich ihr Entführer ständig umzieht und offenbar verschiedene Rollen spielt. Mal heißt er Dennis, dann taucht er als Patricia in Stöckelschuhen bei den Kids auf. Restlos verzweifeln lässt die Mädchen dann aber der neunjährige Junge Hedwig, der richtig nett ist und gerne tanzt. Gespielt werden alle Rollen von James McAvoy.
Mittwoch, 5. Juli 2017
„Mars“ - visionäre Docufiction von National Geographic
Mit der Miniserie „Mars“ hat „National Geographic“ eine ambitionierte Dokufiction auf die Reise ins Alls geschickt. Im Mittelpunkt steht eine fiktive Landung auf dem Mars im Jahre 2033 – im dokumentarischen Teil wird lebhaft für die Besiedlung des Mars geworben. Eine kontroverse Diskussion lässt „Mars“ nicht zu, die Serie ist parteiisch, aber nicht einseitig. Sie informiert ausgezeichnet über die gewaltigen Probleme eines Menschheitstraums, der längst nicht mehr von allen Erdbewohnern geteilt wird.
Bei Ovid stürzt der übermütige Ikarus ins Meer, während sein Vater Dädalus vor den Gefahren gewarnt hat. Vergeblich.
2033: Nach mehrmonatiger Reise landen sechs Astronauten mit der „Daedalus“ auf dem roten Planeten. Die Probleme beginnen, bevor der erste Mensch seinen Fuß auf den unwirtlichen Planeten gesetzt hat – das Raumschiff verpasst den geplanten Landeplatz um 75 km. Die sechs Crewmitglieder, die in den ersten Monaten nach der Landung noch in ihrem Raumschiff leben sollten, müssen nun das weit entfernte Basislager erreichen. Und sie müssen ihren bei der Landung schwerverletzten Kommandanten Ben Sawyer (Ben Cotton) transportieren. Als der überladene Mars-Rover 16 km vor dem Ziel schlapp macht, muss die 5+1-Crew zu Fuß weiter. Auf einem Planeten, der wie eine Mischung aus Antarktis und Arizona nur tödliche Kälte in endlosen Stein- und Sandwüsten zu bieten hat. Und das rettende Basislager ist eigentlich nur ein Geräteschuppen. Mission Impossible?
Bei Ovid stürzt der übermütige Ikarus ins Meer, während sein Vater Dädalus vor den Gefahren gewarnt hat. Vergeblich.
2033: Nach mehrmonatiger Reise landen sechs Astronauten mit der „Daedalus“ auf dem roten Planeten. Die Probleme beginnen, bevor der erste Mensch seinen Fuß auf den unwirtlichen Planeten gesetzt hat – das Raumschiff verpasst den geplanten Landeplatz um 75 km. Die sechs Crewmitglieder, die in den ersten Monaten nach der Landung noch in ihrem Raumschiff leben sollten, müssen nun das weit entfernte Basislager erreichen. Und sie müssen ihren bei der Landung schwerverletzten Kommandanten Ben Sawyer (Ben Cotton) transportieren. Als der überladene Mars-Rover 16 km vor dem Ziel schlapp macht, muss die 5+1-Crew zu Fuß weiter. Auf einem Planeten, der wie eine Mischung aus Antarktis und Arizona nur tödliche Kälte in endlosen Stein- und Sandwüsten zu bieten hat. Und das rettende Basislager ist eigentlich nur ein Geräteschuppen. Mission Impossible?
Donnerstag, 29. Juni 2017
The Girl With All The Gifts
Sie sind schnell und verwandeln sich wie in „28 Weeks Later“ innerhalb weniger Sekunden. Aber es ist nicht die Wut, die sie antreibt, sondern die Gier nach Fleisch. Die „Hungries“ überrennen die Welt und haben nur die nächste Mahlzeit im Sinn. Alles nicht neu? Das stimmt, aber „The Girl With All The Gifts“ fügt den Topics des Zombiefilm-Genres einige neue, intelligente Ideen hinzu.
Puristen werden einwenden, dass Colm McCarthys Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mike Carey kein Film über Zombies ist, sondern über Menschen, die an einer Pilzinfektion erkranken und die Gesunden auffressen. Untote gibt es nicht in der britisch-amerikanischen Produktion, dafür greift „The Girl With All The Gifts“ alle bekannten Elemente einer post-apokalyptischen Erzählung auf, die wir aus bekannten Vorbildern wie „The Walking Dead“ kennen: den zivilisatorischen Kollaps, den verzweifelten und hoffnungslosen Kampf einer Gruppe von Überlebenden in einer Welt, die ihnen nicht mehr gehört und die Frage, ob es in so einer Welt überhaupt noch etwas Moralisches zu verhandeln gibt.
Puristen werden einwenden, dass Colm McCarthys Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mike Carey kein Film über Zombies ist, sondern über Menschen, die an einer Pilzinfektion erkranken und die Gesunden auffressen. Untote gibt es nicht in der britisch-amerikanischen Produktion, dafür greift „The Girl With All The Gifts“ alle bekannten Elemente einer post-apokalyptischen Erzählung auf, die wir aus bekannten Vorbildern wie „The Walking Dead“ kennen: den zivilisatorischen Kollaps, den verzweifelten und hoffnungslosen Kampf einer Gruppe von Überlebenden in einer Welt, die ihnen nicht mehr gehört und die Frage, ob es in so einer Welt überhaupt noch etwas Moralisches zu verhandeln gibt.
Freitag, 23. Juni 2017
Genius: Einstein - National Geographic Channel überzeugt mit guter Serie
„Genius“ ist die erste „scripted series“ des National Geographic Channel, ein fiktionales Biopic, das von einer Ikone der Physik des 20. Jahrhunderts erzählt: Albert Einstein. In der letzten Folge der zehnteiligen Serie wurde enthüllt, um wen es in der zweiten Staffel gehen wird – um Pablo Picasso. Wenn National Geographic weiterhin die Qualität dieses Projekts hochhält, dürfte uns Spannendes bevorstehen. Die Serie kann bei SKY und AMAZON VIDEO gestreamt werden.
Als „Dokutainmant“ kündigte SKY das Renommierprojekt an. Das ist natürlich ziemlicher Blödsinn, denn Dokutainment gehört zu Sendeformaten wie Doku-Soap oder Scripted Reality. Und das sind seichte Geschichtchen, schlimmstenfalls kann man so etwas als Fake Reality bezeichnen, was nicht dadurch besser wird, dass fast 80% der Zuschauer diese Formate für „echt“ halten.
Was in der ersten „Genius“-Staffel echt ist, werden Wissenschaftshistoriker beurteilen können. Die Serie basiert auf Walter Isaacson 2007 erschienenen Buch Einstein: His Life and Universe und wenn man an die über 50.000 Briefe in Einsteins sorgsam gehüteten Nachlass denkt, dürfte auf spätere Biografen noch viel Arbeit warten. Aber Walter Isaacson ist ein renommierter Journalist und Autor, dem man zutrauen darf, dass er einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Immerhin hatte der Autor im Jahre 2006 Zugriff auf zuvor unbekannte Dokumente über den Physiker.
Als „Dokutainmant“ kündigte SKY das Renommierprojekt an. Das ist natürlich ziemlicher Blödsinn, denn Dokutainment gehört zu Sendeformaten wie Doku-Soap oder Scripted Reality. Und das sind seichte Geschichtchen, schlimmstenfalls kann man so etwas als Fake Reality bezeichnen, was nicht dadurch besser wird, dass fast 80% der Zuschauer diese Formate für „echt“ halten.
Was in der ersten „Genius“-Staffel echt ist, werden Wissenschaftshistoriker beurteilen können. Die Serie basiert auf Walter Isaacson 2007 erschienenen Buch Einstein: His Life and Universe und wenn man an die über 50.000 Briefe in Einsteins sorgsam gehüteten Nachlass denkt, dürfte auf spätere Biografen noch viel Arbeit warten. Aber Walter Isaacson ist ein renommierter Journalist und Autor, dem man zutrauen darf, dass er einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Immerhin hatte der Autor im Jahre 2006 Zugriff auf zuvor unbekannte Dokumente über den Physiker.
Donnerstag, 8. Juni 2017
House of Cards: Season 5
Bislang wurde „House of Cards“ nachgesagt, dass die Netflix-Serie prophetisch in die politische Zukunft der USA schaut. In der postfaktischen Trump-Ära drohte die Realsatire den Serienmachern allerdings den Rang abzulaufen. Die gute Nachricht: sie wehrten sich! HOC ist bösartiger als je zuvor.
Erinnern wir uns nach einer über einjährigen Pause: Am Ende der 4. Staffel befindet sich US-Präsident Francis Underwood (Kevin Spacey) mitten im Wahlkampf. Sein republikanischer Herausforderer Will Conway (Joel Kinnaman) macht es ihm schwer: er ist jung, smart, ein patriotischer Kriegsteilnehmer – und er versteht mehr von Webcrawlern und Social Media als Underwood. Als Mitglieder der islamistischen Terrororganisation ICO (Islamic Caliphate Organization) vor laufender Kamera dem Familienvater James Miller den Kopf abschneidet, wittert Underwood seine Chance. Und so endet Season 4 mit der unheilvollen Androhung: „Wir beugen uns nicht dem Terror. Wir sorgen selbst für den Terror“.
Erinnern wir uns nach einer über einjährigen Pause: Am Ende der 4. Staffel befindet sich US-Präsident Francis Underwood (Kevin Spacey) mitten im Wahlkampf. Sein republikanischer Herausforderer Will Conway (Joel Kinnaman) macht es ihm schwer: er ist jung, smart, ein patriotischer Kriegsteilnehmer – und er versteht mehr von Webcrawlern und Social Media als Underwood. Als Mitglieder der islamistischen Terrororganisation ICO (Islamic Caliphate Organization) vor laufender Kamera dem Familienvater James Miller den Kopf abschneidet, wittert Underwood seine Chance. Und so endet Season 4 mit der unheilvollen Androhung: „Wir beugen uns nicht dem Terror. Wir sorgen selbst für den Terror“.
Mittwoch, 24. Mai 2017
Review: The Path - Season 2
Die HULU-Serie über die Meyeristen-Bewegung geht in die zweite Runde. Streaming-Anbieter Amazon Video bietet die Geschichte um Eddie Lane und seine Familie bereits kurz nach der US-Distribution in synchronisierter Fassung an. Mit der ersten Staffel erzielte „The Path“ durchaus gute Kritiken. Hält die 2. Staffel nach ihrem vielversprechenden Start ihr Niveau?
Fazit: „The Path“ ist weiterhin spannend, bombardiert den Zuschauer mit Plot Twists, verliert aber bei der Charakterentwicklung der Figuren trotz exzellenter darstellerischer Leistungen seine Glaubwürdigkeit. Der ersten Staffel hatte ich im letzten Herbst eine originelle und aufmerksame Erzählweise bescheinigt: „The Path“ sei „alles andere als eine Soap Opera“. Die zweite Season ist nun aber mitten im Soap gelandet – allerdings immer noch auf ordentlichem Niveau.
Fazit: „The Path“ ist weiterhin spannend, bombardiert den Zuschauer mit Plot Twists, verliert aber bei der Charakterentwicklung der Figuren trotz exzellenter darstellerischer Leistungen seine Glaubwürdigkeit. Der ersten Staffel hatte ich im letzten Herbst eine originelle und aufmerksame Erzählweise bescheinigt: „The Path“ sei „alles andere als eine Soap Opera“. Die zweite Season ist nun aber mitten im Soap gelandet – allerdings immer noch auf ordentlichem Niveau.
Alien: Covenant
Fünf Jahre hat Ridley Scott gewartet, um das Alien-Franchise nach dem umstrittenen Prequel „Prometheus“ fortzusetzen. Nun hat er es getan und dem Affen Zucker gegeben. Jene, für die in „Prometheus“ zu viel gelabert wurde, dürften nun sabbersatt das Kino verlassen. Sie wurden mit der erhofften Metzelei bedient. „Alien: Covenant“ ist ein unerhört schlechter Film.
Dabei fängt alles noch vielversprechend an. Im Prolog des Films spielt David (Michael Fassbender), der Android, der sich in „Prometheus“ noch an Peter O’Toole ergötzte, seinem Schöpfer Peter Weyland (Guy Pearce) in einem schnellweißen, lichtdurchfluteten Raum einige Takte Wagner vor. Auf dem Klavier, was doch einigermaßen ernüchternd viel zu wenig vom orchestralen Pomp Wagners erkennen lässt. In dem folgenden Gespräch wird deutlich, dass David ernste Zweifel an Weylands superiorer Rolle hat. Wer ihn denn geschaffen hat, fragt der Android listig, daran erinnernd, dass er selbst unvergänglich ist, Weyland jedoch sterblich sei. Eine Antwort wird ihm verwehrt, stattdessen verlangt Weyland, dass David ihm den Tee anreicht. Am Ende des Films wird David dann „Mutter“, den entzückenden Bordcomputer der Covenant (und später auch der Nostromo), bitten, ihm den „Einzug der Götter in Walhall“ aus dem Rheingold vorzuspielen – er hat gewonnen.
Dabei fängt alles noch vielversprechend an. Im Prolog des Films spielt David (Michael Fassbender), der Android, der sich in „Prometheus“ noch an Peter O’Toole ergötzte, seinem Schöpfer Peter Weyland (Guy Pearce) in einem schnellweißen, lichtdurchfluteten Raum einige Takte Wagner vor. Auf dem Klavier, was doch einigermaßen ernüchternd viel zu wenig vom orchestralen Pomp Wagners erkennen lässt. In dem folgenden Gespräch wird deutlich, dass David ernste Zweifel an Weylands superiorer Rolle hat. Wer ihn denn geschaffen hat, fragt der Android listig, daran erinnernd, dass er selbst unvergänglich ist, Weyland jedoch sterblich sei. Eine Antwort wird ihm verwehrt, stattdessen verlangt Weyland, dass David ihm den Tee anreicht. Am Ende des Films wird David dann „Mutter“, den entzückenden Bordcomputer der Covenant (und später auch der Nostromo), bitten, ihm den „Einzug der Götter in Walhall“ aus dem Rheingold vorzuspielen – er hat gewonnen.
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